■13 ■W V 7 *^f f DIE J^OSSILEN INSEKTEN UND Dil-: PHYLOGENIE DER REZENTEN EORMEN. , ^ EIN HANDBUCH FÜR PALÄONTOLOGEN UND ZOOLOGEN VON ANTON HANDLIRSCH, K. U. K. KUSTOS AM K. K. NATUKHISTORISCIIi:\ HOIMLSEUM l.N WIEN. HERAUSGEGEBEN MIT UNTERSTÜTZUNG AUS DER TREITL- STIFTUNG DER KAISER!.. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN IN WIEN. MIT 51 TAFELN SOWIE 14 FIGUREN UND 7 STAMMBÄUMEN IM TEXT UND 3 AUF BESONDEREN TAFELN. LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGEL MANN 1906 — 1908 -^ l Inhaltsübersicht Vorwort' I Plan der Arbeit (S. III). Auflassung der systematischen Kategorien (S, V). Eialeitung i Flügelmorpliologie (S. i). Konvergenz (S. 3). Protentomon (S. 3). I. Abschnitt: Beschreibung der rezenten lnselS"i3V4- JJ Vorwort, Ansichten in Einklang zu bringen. Naturgemäss ktinn eine derartige Arbeit für die Insekten, die an Mannigfalt und namentlich an Formenzahl alle übrigen Tiergruppen unserer Zeit zusammengenommen weit übertreffen, nur ein Ento- mologe aber kein Geologe unternehmen, von den Entomologen aber auch nur derjenige, welcher sich nicht ausschliesslich dem Studium einer einzelnen Ordnung gewidmet hat und der in allen Ordnungen die nötige Formen- kenntnis besitzt. Was uns heute das Studium der fossilen Insekten so erschwert, ist ja gerade der Umstand, dass so viele Formen von Autoren beschrieben und gezeichnet wurden, die zu wenig Einblick in die rezente Insektenwelt besassen. Ihre Publikationen enthalten daher eine Reihe von Rätseln, deren Lösung oft ohne Vergleich der Originale kaum zu erzielen ist. Dazu kommt noch der Umstand, dass ein grosser Teil der beschriebenen Fossilien aus kleinen, schlecht erhaltenen Fragmenten besteht , an denen man eben keinerlei charakteristisches Moment entdecken kann , so dass oft nicht einmal die Insektennatur des betreffenden Fossiles über alle Zweifel erhaben ist. Ja, manche Autoren setzten einen gewissen Stolz darein, aus einem einzelnen minimalen formlosen Kohlenplättchen einen ganzen Laternenträger hervorzu- zaubern! iScudder.) Solche Fragmente sollten doch lieber ganz ignoriert werden, denn es ist schädlich, sie mit neuen Gattungs- und Familiennamen zu bezeichnen, die dann als gegebene Grössen in die höheren Spekulationen übernommen werden , tatsächlich aber oft nichts als leere Namen sind. Für unsere Zwecke gilt die Devise: Lieber wenig Sicheres, als viel Zweifelhaftes! Wenn ich mich nun dazu entschlossen habe, von obigen Gesichtspunkten ausgehend der ebenso anregenden, als schwierigen Aufgabe einer Revision der paläozoischen und mesozoischen Insekten näherzutreten, so geschah dies nicht ohne das Bewusstsein , dass es einem einzelnen niemals gelingen werde, das Thema zu einem endgültigen Abschlüsse zu bringen: und nicht ohne mir darüber Rechenschaft gegeben zu haben, wie lückenhaft das heute vor- liegende fossile Material und wie mangelhaft unsere Kenntnisse der rezenten Formen sind. Sollte es mir trotzdem gelungen sein, durch vorliegende Arbeit eine solide Basis für weitere Forschungen geliefert zu haben, so verdanke ich diesen Erfolg in erster Linie der hohen kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, welche mir durch Zuwendung einer Reisesubvention die Älöglichkeit bot, viele der in München, Paris, London, Haarlem, Berlin imd Dresden auf- bewahrten Originale zu vergleichen und welche ausserdem durch Bewilligung einer namhaften Summe aus der Erbschaft Treitl die \'eröffcntlichung der Resultate ermöglichte. Ich verdanke es ferner dem Entgegenkommen der j\Iuseen und geologischen Institute in Brüssel, Pjerlin, Wien, Zürich, München, Paris, Christiania, Prag, Halle, Bonn, St. Petersburg, Rostock, Kasan, Augsburg, Eichst ätt. Dresden, London, Washington, Lausanne und der tatkräftigen Unterstützung, welche meinen l'estrebungen durch f'rteilung von Ratschlägen, Auskünften, sowit; Vorwort. III durch Einsendung von Material und Literatur von Seite vieler Fachgenossen zu Teil wurde. Folgenden Herren bin ich zu besonderem Danke verpflichtet: Prof. Dr. Ed. Suess, Hofrat Dr. Fr. Brauer, Hofrat Dr. Th. Fuchs, Gustos E. Kittl, Custos L. Ganglbauer, Prof. Dr. A. Fritsch, Prof. Dr. F. Klapälek, Dr. P. Kempny, Hof rat Dr. F. Toula, Zentraldirektor Dr. A. Weithofer, Dr. D. v. Seh 1 echt end al , Prof. Dr. H. Potonie, Prof. Dr. Fr. Krasser, Direktor Dr. E. G e i n i t z , Oberbergrat Dr. L. v. Am- men, Prof. Dr. E. Koken, Geheimrat Dr. K. A. Zittel, D. Sherborn, Prof Dr. J. K. Moberg, Geh. Bergrat Dr. K. Seh me isser, Konservator Dr. M. Schlosser, Obermedizinalrat Dr. O. Roger, Prof Dr. Ch. Schuchert, Prof. Dr. E. Kalkowsky, Prof. Schwertschlager, Direktor Dr. E. Dupont, Konservator G. Severin, Prof. A. Lameere, Prof. Dr. A. Heim, Direktor Dr. E. Renevier, Dav. White, Dr. J. Knett, R. Kidston. Herr Dr. v. Schlechtendal hat meine Arbeit in ganz ausserordent- licher Weise gefördert, indem er mir das reiche Material an sächsischen Carboninsekten, welches er selbst eben zu bearbeiten begonnen hatte, zur Verfügung stellte. Ich führe selbstverständlich die betreffenden Arten mit seiner Erlaubnis und mit den von ihm gewählten Namen an und wünsche, dass seine Autorschaft in allen Fällen anerkannt werde, auch wenn sein Werk etwas später erscheinen sollte als das meine. Für dieses ganz besondere Entgegenkommen sei ihm hier wärmstens gedankt ! Um möglichst vielen Bedürfnissen zu entsprechen und die Benützung meiner Arbeit zu erleichtern, habe ich mich zur Annahme des folgenden Planes der Arbeit entschlossen. Zuerst gebe ich eine kurze Einleitung mit der Besprechung der wichtigsten morphologischen Verhältnisse und deren phylogenetischer Bewertung. Naturgemäss werde ich dabei das Hauptgewicht auf die Mor- phologie der Flügel legen, die ja in der Entonio- Paläontologie die grösste Rolle spielt. Gleichzeitig soll auch in ausgiebiger Weise auf die vielen bisher stark vernachlässigten Konvergenzerscheinungen hingewiesen werden. Diese Einleitung schliesst mit der Beschreibung des auf morphologisch-bio- logischem Wege konstruierten hypothetischen Protentomon — des Urtypus der geflügelten Insekten. Hierauf folgt als I. Abschnitt die Beschreibung der rezenten In- sektengruppen. In erster Linie für Paläontologen bestimmt, hat dieser Abschnitt den Zweck die in den weiteren Ausführungen stets wiederkehrenden Namen sy.stematischer Kategorien zu erklären und einen Anhaltspunkt für die Klassifizierung der fossilen Formen zu geben. Ich habe mich bemüht, eine möglichst vollständige und morphologisch richtige Charakteristik der einzelnen Gruppen zu entwerfen, ohne in Weitschweifigkeiten zu verfallen, und, dem Plane der Arbeit entsprechend, besondere Rücksicht auf das Flügelgeäder genommen, dessen Haupttypen in schematischen Abbildungen wiedergegeben sind. Diese Abbildungen werden bei der Deutung fossiler Formen stets ein erwünschtes und geradezu unentbehrliches IV Vorwort. Hilfsmitiel bilden, weil wir bis jetzt in keinem Handbuche eine solche Zu- sammenstellung besitzen. Die ]3egründung des neuen Systemes, nach welchem die einzelnen Insektengruppen angeordnet wurden, folgt dann am Schlüsse der Arbeit. Der IL Abschnitt des Buches wird sich mit den paläozoischen In- sekten beschäftigen und in folgende Kapitel zerfallen : i. Präcarbonische Formationen, 2. Carbon-Formation, 3. Permische Formation. Innerhalb jeder Formation werden die Insekten in systematischer Reihenfolge angeführt und besprochen. Beschreibungen wurden hauptsächlich zur Erklärung der Abbildungen beigegeben und so kurz als möglich ge- halten ; desgleichen wurden die Literaturzitate auf das Notwendigste beschränkt. Wem die angeführten Literaturnachweise nicht genügen, sei Scudders Katalog empfohlen, der ja in bezug auf Vollständigkeit nichts zu wünschen übrig lässt; eine Wiederholung aller dort angeführten Zitate würde meine Arbeit unnütz vergrössern. Was die Abbildungen anbelangt, mag hier noch erwähnt werden, dass ich bestrebt war, möglichst viele Objekte selbst mit dem Zeichenprisma oder auf photographischem Wege festzuhalten. Wo dies nicht möglich war, wurden die besten vorhandenen Abbildungen reproduziert, so dass der Leser nahezu alle paläozoischen Formen in meinem Buche bildlich dargestellt finden wird. Jedem Kapitel habe ich in kurzen Worten die für den Zoologen nötigsten geologischen Daten in bezug auf Gliederung, Klima, Tier- und Pflanzenwelt vorausgeschickt. Der Geologe mag diese mageren Angaben mit gebührender Geringschätzung überblättern, denn sie werden ihm nichts neues bieten '). Ähnlich werden dann im III. Abschnitte die mesozoischen Insekten behandelt; und zwar i. Triassische Formation, 2. Lias- Formation, 3. Dogger und Mahn, 4. Kreide-Formation. Auch hier werden, wie im IL Abschnitte, alle bisher bekannten Arten besprochen aber in der Regel nur Repräsentanten der Genera abgebildet. Die tertiären Insekten kommen im IV. Abschnitte zu einer ganz suinmarischen Besprechung und Katalogisierung. Eine monographische Be- arbeitung derselben würde mehr als die Kraft und die Lebensdauer eines Menschen erfordern und überdies hauptsächlich Resultate liefern, welche für die Phylogenie der Genera und Spezies oder für die Tiergeographie von Be- deutung wären , nicht aber für die Phylogenie der Ordnungen , um die es sich mir in erster Linie handelt. Der V. Abschnitt behandelt in ähnlicher Weise die Insekten der Quartärformation. Einer Zusammenfassung der paläontologischen Resultate wird der VI. Abschnitt gewidmet sein, einer kurzen historischen Übersicht der bisherigen Systeme und Stammbäume der VII. Abschnitt. Der VIII. Abschnitt endlich ist der Begründung des neuen Systemes gewidmet, welches aus meinen morphologischen und paläontologischen 1) Diese Daten habe ich mit \vcni};eii AuMuilmien aus Kaisers neuem Lelirbuche der Geologie entnommen. Vorwort. Untersuchungen resultiert, und schliesst mit einer Studie über die Phylogenie der gesamten Arthropoden. Bevor ich auf den speziellen Teil meiner Arbeit eingehe, erscheint es mir wünschenswert, in Kürze anzudeuten, ■wie ich die systematischen Kategorien bei rezenten und fossilen Insekten auffasse. Ich halte es für angezeigt, Kategorien von noch zweifelhafter Verwandt- schaft lieber zu trennen, als zwangsweise zu vereinigen, weil durch ersteren Vorgang der phylogenetischen Betrachtung sowohl als der Charakterisierung weniger Schwierigkeiten erwachsen, als durch letzteren. Bei der Unterscheidung von Kategorien verschiedenen Grades beschränke ich mich auf das Notwendigste und vermeide so viel als möglich die so sehr beliebten vielen Zwischengruppen, wie Superordo etc., weil ich von der Vor- aussetzung ausgehe, dass wir erst dann imstande sein werden, bei der Be- wertung der Kategorien logisch und erfolgreich vorzugehen, wenn einmal der ganze Stammbaum durch paläontologisches Material vollkommen fest- gestellt sein wird, wenn wir bei allen Gruppen die Zeit des Entstehens kennen und dadurch positive Anhaltspunkte für die Taxierung der Unterschiede ge- wonnen haben werden. Für jetzt glaube ich nicht daran, dass irgend jemand ein so feines Empfinden besitzt, um genau zwischen Superfamilien und Unter- ordnungen oder zwischen Superordines und Unterklassen zu unterscheiden und bin der Ansicht , dass alle derart weitgehenden Ausarbeitungen des „Systcmes" doch nur ganz willkürliche und rein subjektive sind. Bezüglich des Spezies- und Genusbegriffes gehe ich bei den fossilen Formen so weit als es bei rezenten jetzt gebräuchlich ist, vermeide aber die Aufstellung der Subgenera, Subspezies, Varietäten etc. als für den heutigen Stand der Wissenschaft zu subtil. Vorsichtshalber gehe ich vielleicht in der Trennung der Spezies und Genera noch etwas zu weit, und es ist selbstver- ständlich nicht ausgeschlossen, dass so manche meiner Gattungen und Arten nach dem Bekanntwerden vollkommen erhaltener Exemplare und reicheren Materiales zu vereinigen sein werden, während mir für den Moment eine Vereinigung sehr gewagt erscheinen würde. Die Erfahrung lehrt uns nämlich, dass oft gut getrennte Spezies oder selbst Genera gerade in bezug auf das Flügelgeäder nur geringfügige Unterschiede aufweisen. Wollte man die rezenten Insekten nur nach dem Geäder unterscheiden, so müssten oft ganze Reihen, ja selbst Hunderte durch andere morphologische Merkmale sicher zu unterscheidender Arten vereinigt werden. Dass bei einer so engen Begrenzung des Spezies- und Genusbegriffes, wie ich eine solche hier vornehme, in der Mehrzahl der Fälle jedes aufge- fundene Fossil einer eigenen Spezies angehört, liegt wohl zum Teile auch in dem Umstände, dass es sich bei fossilen Insekten, wie erwähnt, meist um Zufallsfunde handelt. Wenn wir uns vorstellen, dass ein Mensch alle Jahre einmal in eine Gegend kommt und dort i — 2 von den erstbesten Insekten VI Voiworl. mitnimmt, welchen er begegnet, so wird er im Laufe vieler Jahre eine ähnliche Sammlung zusammenbringen, wie sie die an einer Lokalität gemachten fossilen Funde darstellen. In dieser Sammlung werden wohl nicht viel mehr Indi- viduen vertreten sein als Spezies. Und aus einer Reihe solcher Sammlungen besteht das uns vorliegende Material an fossilen Insekten, welches sich daher nicht mit den Sammlungen fossiler Mollusken, Echinodermen , Korallen oder Pflanzen vergleichen lässt, von denen oft ganze Volker oder Bestände an ihren Wohnplätzen vom Tode überrascht und begraben wurden. Die erdrückende Alenge von Arten und Gattungen, die meine Arbeit aufführt, schmilzt übrigens auf ganz bescheidene Zahlen zusammen, wenn man das heraushebt, was zu einer bestimmten enger begrenzten Zeit und in einem beschränkten Räume lebte, und da wird es sich bald zeigen, dass die einzelnen fossilen Faunen sich in bezog auf die Verhältniszahlen zwischen systematischen Kategorien niederen und höheren Ranges nicht wesentlich von den analogen rezenten Faunen unterscheiden. Einl e 1 1 u n CT. Naturgemäss vergleichen wir die fossilen Insekten, um sie zu deuten und zu beschreiben, mit lebenden Formen, deren Organe und Körperbau uns be- kannt sind, oder über die wir uns durch Untersuchung ganzer Individuen jederzeit Aufschluss verschaffen können. Dabei werden wir uns aber stets einige Punkte vor Augen halten müssen, um Fehlschüsse möglichst zu ver- meiden, und zwar: i. dass die fossilen Insekten nur selten vollständig und gut erhalten sind, dagegen meist durch Quetschung, Mazeration, Verschiebung usw. stark verändert, so dass wir meistens nur einzelne Teile des Tieres in Betracln ziehen können und oft gerade solche Teile, an denen nicht die wichtigsten systematischen jVIerkmale liegen. Wir müssen uns ferner vor Augen halten, dass eine genaue Übereinstimmung der Merkmale mit jenen rezenter Formen um so weniger zu erwarten sein wird, je tiefer wir in die Vorzeit hinabsteigen. Wenn wir bei tertiären Formen auch oft noch in der Lage sind, einen Vergleich mit rezenten Spezies anzustellen, so werden wir uns bei mesozoischen Formen zunächst nur an Genera und Familien, bei paläozoischen meist nur an Familien und Ordnungen halten müssen. Um so schwieriger wird aber dann das Studium, weil es bekanntlich viel leichter ist, sagen wir den Typus des Flügelgeäders einer Art und Gattung festzuhalten, als jenen einer Familie oder gar einer Ordnung. Betrachten wir z. B. eine Serie von Flügeln aus der Gruppe der Hemi- pteren s. lat. (Taf. VII u. VIII), so werden wir finden, dass die Zahl der Längs- adern ausserordenthch schwankt, dass es Formen mit vielen Queradern und solche ohne Queradern gibt; wir werden sehen, dass die Konsistenz und die Form der Flügel eine ausserordentlich verschiedene ist usw. Kaum wird es uns jedoch gelingen, den Typus „Hemipteron" durch das Flügelgeäder zu charakterisieren. Allerdings können wir durch Vergleich wohl finden, dass eine fossile Form mit einer bestimmten, heute lebenden Hemipterenform gro,sse Übereinstimmung zeigt, und daraus den Schluss ziehen, die beiden Formen seien nahe verwandt. Solche Formen werden sich aber, wie erwähnt, nur in jüngeren Schichten finden. In vielen Fällen wird es sogar nicht leicht sein, eine „Familie" durch das Flügelgeäder zu charakterisieren. Als Beispiel hier- für wähle ich die Fulgoriden (Taf. VII, Fig. 12 — 20). Bei genauerer Unter- Haiidlirscli, I)ie fos.silen Jnstkten. I Einleitung. suchung' werden wir jedoch sehen, dass alle Fulgoridenflügel doch einen ge- meinsamen Charakter haben und zwar die Abtrennung des Analfeldes als ,,Clavus" mit vier Längsadern, von denen die zweite und dritte vor dem Ende zusammenfliessen. Und wenn wir weiter gehen, bemerken wir, dass bei den meisten Hemipteren ein Clavus vorhanden ist, und dass er nie mehr als vier Adern enthält. Wir werden also eine Form , die hinter der Analfalte oder Sutura clavi etwa acht Adern aufweist, nicht als Hemipteron anerkennen. Damit ist aber keineswegs gesagt, dass jede Form, bei der ein Analfeld oder Clavus mit wenigen Adern vorhanden ist, ein Hemipteron sein muss, denn es gibt noch andere Ordnungen (Orthoptera, Phryganoidea etc.), bei denen ganz ähnliche Bildungen vorkommen. Das Merkmal hat also nur einen gewissen Wert, \venn wir die Ausschliessungsmethode anwenden können. Allerdings gibt es auch Insekten o r dn un ge n, welche sich durch die Flügelbildung genauer präzisieren lassen, wie z. B. die Dipteren, Coleopteren, Isopteren, Dermapteren, Odonaten, Psociden, Lepidopteren und Hymenopteren; das sind aber eben stark spezialisierte Typen, deren Auftreten in den ältesten Schichten a priori nicht zu erwarten ist. Wie schwierig es ist, in dem Flügelgeäder eine Charakteristik der Ord- nungen zu finden , ergibt sich auch aus dem Studium der neueren Arbeiten über dieses Thema, insbesondere jener von Comstock und Needham, wo das Geäder aller Insekten auf ein Schema zurückgeführt wird, welches wir in Taf. I, Fig. I vor Augen führen. Alle Modifikationen resp. höheren Aus- bildungen werden durch Reduktion oder Vermehrung der Äste der Haupt- adern, resp. durch Verschmelzung (x^neinanderlagerung) oder Atrophie ein- zelner Hauptadern erklärt. In vielen Fällen ist eine richtige Deutung der ein- zelnen Adern nur aul' ontogenetischem Wege möglich und wird daher bei fossilen Formen überhaupt nicht direkt durchführbar sein. Wir sind eben hier wieder nur auf Schlüsse per analogiam angewiesen. Die bisher geltenden Theorien von einer regelmässigen Aufeinanderfolge von Konvex- und Konkavadern (Adolph und Redtenbacher) sowie von einem getrennten Geäder der oberen und unteren Flügelmembran (Hagen) sind durch eine Entdeckung Redte nbachers und die dadurch angeregten Untersuchungen der amerikanischen Forscher teils widerlegt, teils gewaltigf modifiziert worden, und wir sehen bereits — obwohl das Thema noch keines- wegs als abgeschlossen zu betrachten ist — im grossen und ganzen die Züge vor uns, nach denen die Geäder-Frage in der Zukunft zu behandeln sein wird. Die hauptsächlichsten Flügeladern oder Rippen entstehen bekanntlich im Verlaufe von grösseren Trachecnstämmen, welche bereits in den Flügel- anlagen der Nymphen vorhanden und als Verzweigungen zweier Hauptstämme zu betrachten sind, die ihrerseits ganz getrennten Ursprung in dem Tracheen- systeme des Thorax haben und entweder ganz getrennt bleiben (Pcrliden, Blattiden) oder durch eine Oueranastomose in Verbindung- treten. In letzterem Falle rückt dann der als Medialader bezeichnete Ast oft mehr nach hinten und schliesst sich in vielen Fällen dem hinteren Komplexe enger an. Sekundär können wohl auch rippenartige Verdickungen der Flügelmembran an Steilen entstehen, wo keine starken Tracheenäste liegen, oder es kann umgekehrt im Verlaufe der Trachee keine X'crdickun"" auftreten. Einleitung Der Umstand, dass sich das Flügelgeäder aller rezenten pterygogenen Insekten auf dieses Schema zurückführen lässt, beweist uns wohl die Homo- logie der Adern und ist deshalb von grossem Werte, weil er als Beleg für die monophyletische Abstammung der Pterygogenea gelten kann. Die Richtig- keit vonComstock und Needha ms Hypothesen vorausgesetzt, werden wir also bei den ältesten geflügelten Insektenformen der Vorzeit ein ähnliches Geäder zu erwarten haben, wie es vorstehendes Schema andeutet. Hier muss ich auch hervorheben, dass es mir wohl gelungen ist, die Homologie der Hauptadern bei allen rezenten und fossilen Insekten zu erkennen, nicht aber die Homologie aller Nebenäste und Queradern. Diese letzteren dürften wohl innerhalb engerer Verwandtschaftskreise genau zu homologisieren sein, nicht aber bei einander ferner stehenden Formen. Von nicht geringer Bedeutung bei der Beurteilung fossiler Insekten ist ferner der Umstand, dass gewisse morphologische Merkmale sich in den ver- schiedensten Gruppen infolge ähnlicher äusserer oder innerer Einflüsse parallel wiederholen, ohne dass mit ihrem Auftreten eine nähere verwandtschaftliche Beziehung verbunden ist: die Konvergenz. Es ist dies eine so bekannte Tatsache, dass ich mich hier nur darauf beschränken kann, einige Beispiele anzuführen: Wir finden z. B. ganz gleiche Fangbeine bei Manditen, Neuro- pteren (Mantispa) und Hemipteren (Ranatra, Emesa); wir finden lappenartige Erweiterungen des Prothorax bei Mantiden, Coleopteren und Hemipteren, Sprungbeine bei Orthopteren, Coleopteren, Hemipteren und Suctorien, Stirn- fortsätze bei Phasmiden, Mantiden und Fulgoriden und so fort. Es wird also nicht statthaft sein, allein aus dem Vorhandensein eines solchen Merkmales bei einem Fossil, einen Schluss auf dessen systematische Stellung zu ziehen, d. h. — ein konkreter Fall — wir können z. B. eine Form, die einen lappig erweiterten Prothorax besitzt, deswegen doch nicht zu den Mantiden stellen, wenn das Flügelgeäder nicht mit jenem der Mantiden übereinstimmt und das Vorderbein nicht als Fangbein ausgebildet ist, kurz, wenn nicht die anderen Merkmale auch auf die Mantidennatur des Fossils hindeuten. Morphologische und biologische Beobachtungen ermöglichen es uns, innerhalb jeder Insoktenordnung gewisse Formen als ältere, ursprünglichere zu bezeichnen, im Gegensatze zu anderen, mehr spezialisierten. Wir werden dadurch auch in die Lage versetzt, gewisse Bildungen von Organen überhaupt als primäre, ererbte, und andere als sekundäre oder erworbene zu bezeichnen. Auf diese Weise gelangen wir zur Konstruktion hypothetischer Urformen, die, wie jedes hypothetische Bild, in allen Details genau auszuführen, natürlich nicht möglich sein wird; immerhin dürften aber die groben Umrisse des Bildes gelingen. Für unsere Zwecke wird es genügen, hier den Urtypus der Pterygogenen — das Protentomon Paul Mayers^) — zu beschreiben und gleichzeitig kurz anzudeuten, wie sich die einzelnen Charaktere im Laufe der Entwickelung weiter ausgebildet haben. Der Körper war massig schlank, ungefähr walzenförmig und bestand aus drei gesonderten Komplexen, dem Kopf, dem 1) Weiter ausgeführt und in einigen Punliten nach neueren Anschauungen ergänzt. I* Einleitung. Thorax und dem Abdomen, welche jedoch nicht durch tiefe Einschnürungen von einander geschieden waren. Spezialisierung: Verbreiterung und Verkürzung des Körpers (z. B. Blattoidea, Hemiptera etc.). Verlängerung bis zur Stab- oder Fadenform (z. B. Phasmoidea, Emesidae, Berytidae, Hydrometra, viele Dipteren, Odo- naten etc.). Starke Abschnürung und dadurcli grosse Beweglichkeit des Kopfes (z. B. Diptera cyclorrhapha , Odonata, Hymenoptera etc.). Auf- fallende Entwickelung des Körpers in der vertikalen Richtung (z. B. Mem- bracidae, Ophionidae, manche Orthopteren etc.). Verwischung der Grenzen zwischen Thorax und Hinterleib (z. B. Coccidae V, Stylops V etc.). Der Kopf war massig gross, gerundet, aus sechs verschmol- zenen Segmenten gebildet, orthognath mit gut begrenztem Clipeus, lateralen Komple.xuugen und drei Stirnaugen. Spezialisierung: Vergrösserung des Kopfes oder auffallende Ver- kleinerung desselben (z. B. Gonia, Tabanus, — Gryllacris, Lethrus — Nyctcribia, Tipula etc.). Verlängerung des Kopfes in Form eines Rüssels (z. B. Curculioniden, Aelia und andere Pentatomiden , Henicocephaliden, Panorpiden etc.). Reduktion der Komplexaugen (z. B. Suctoria, Strep- siptera V , Höhlenkäfer etc.). Auffallende Vergrösserung- der Komplex- augen (z. B. Tabaniden, Lampyris, Libellen, manche Apiden etc.). Re- duktion der Stirnaugen (z. B. die meisten Coleopteren, viele Hemipteren. Orthopteren, Neuropteren, Dipteren etc.). An der Vorderseite des Kopfes nahe dem Clipeus standen die aus einer massig grossen Zahl homonomer Glieder zusam- mengesetzten Fühler. Spezialisierung: Auffallende A^erlängcrung der Fühler mit Vermeh- rung der Gliederzahl (z. B. Locustoidea, manche Phryganiden, Lepidopteren, Dipteren etc.). Verkürzung der Fühler auf wenige Basalglieder mit einer Endborste (z. B. Diptera cyclorrhapha, Cicadinen, Odonaten etc.). Kamm- artige Fühler (kommen vor bei Mantiden, Mcgalopteren , Neuropteren. Hymenopteren , Coleopteren, Dipteren, Lepidopteren etc.), geknöpfte Fühler usw. Mundteile orthognath, zum Kauen geeignet, aus drei') Kiefer paaren bestehend: den tasterlosen Mandibcln, den mit einem Taster und zwei getrennten Kaulappen versehenen ge- trennten ersten Maxillen und den jedenfalls auch getrennten ähnlich geliildeten zweiten Maxillen. Spezialisierung: Prognathe Mundteile (kommen vor bei Coleopteren, Hemipteren , Orthopteren , Dipteren etc.). Hypognathe iMundtcile (bei vielen Hemipteren, Orthopteren etc.). Umwandlung der Mundteile zum Saugen (z. B. Thysanoptera, viele Hymenoptei-a, Suctoria, Siphunculata, Lepidoptera, Diptera, Hemiptera). Atrophie der Mundteile (z. B. Coccidae d, manche Ephemeriden, Lcpidopt. etc.). I) VicUficIit war auch nocii vor ilcn .Miuulil>eln ein Kxlremitätenpaar des Inlerkalarsegmentes vorhanden. Die von Hansen u. a. Autoren Ijuhauptete Existenz eines eigenen Kieferpaares /.wischen Mandibeln und I. Maxillen erscheint mir niclit erwiesen. Vergl. diesbezüglich das Schlusslcapitel. Einleitung. Der Thorax bestand aus drei') ziemlich gleich grossen und gleichartigen nicht mit einander verwachsenen Segmenten: Pro- thorax, Mesothorax, Metathorax. Spezialisierungen: Feste Verbindung des Meso- und Metathorax (bei den meisten rezenten Insekten mit Ausnahme der Embioiden, Perloiden, Suctorien). Verwachsung des Prothorax mit dem Mesothorax (z. B. bei Dipteren, vielen Hymenopteren etc.). Vergrösserung des Prothorax im Verhältnisse zu den anderen Ringen (z. B. Blattoidea, Mantoidea, Ortho- ptera, viele Hemiptera, Coleoptera. Raphidoidea etc.). Vergrösserung des Metathorax (bei Coleopteren etc.). Vergrösserung des Mesothorax (bei Psociden, Dipteren, vielen Homopteren, Lepidopteren etc.). Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Prothorax des Proten- tomon auch ein Paar flügelartiger Anhänge besass. Mesothorax und Metathorax trugen je ein Flügelpaar. Diese Flügel waren in ihren Bewegungen von einander unabhängig und konnten nur in der Richtung der Vertikalen bewegt werden. In der Ruhe lagen sie horizontal ausgebreitet. Sie sassen mit breiter Basis an den Seiten des Thorax, waren gleich gross, schlank, gleich- artig, derbhäutig und ihr Geäder glich im allgemeinen dem oben angedeuteten Grundtypus (von Comstock und Needham). Zwischen den Hauptadern war ein unregelmässiges Netz von feineren Aderchen vorhanden. Spezialisierungen : Beweglichkeit der Flügel in der horizontalen Richtung und damit verbunden die Ruhelage derselben, flach oder dach- artig über dem Abdomen (z. B. fast alle Insekten mit Ausnahme der Ephemeriden, vieler Odonaten und einzelner anderer Formen; diese letzteren aber wohl nur sekundär). Umwandlung der Vorderflügel in Flügeldecken, durch stärkere Chitinausscheidung (z. B. Coleopteren, Blattoiden, viele Orthopteren, Mantiden, Phasmiden, Hemipteren etc.). Abtrennung des Anal- teiles der Vorderflügel durch eine Gelenkfalte (z. B. Blattoidea, Hemiptera, viele Orthopteren etc.) Reduktion des Geäders (in fast allen Gruppen vorkommend). Vermehrung der Gabeläste der Hauptadern (z. B. bei Homopteren, Orthopteren, Neuropteren etc.). Fächerartige Vergrösserung des Analfeldes der Hinterflügel (z. B. Orthoptera, Megaloptera, Phry- ganoidea, Mantoidea. Phasmoidea, Dermaptera etc.), auffallende Vergrösse- rung der Vorderflügel in der Fläche (z. B. einige Neuroptera, Lepidoptera), Verkürzung und Reduktion der Vorderflügel (z. B. Dermaptera, Strepsi- ptera, Staphylinidae und andere Käfer etc.). Reduktion der Hinterflügel. (Beispiele in fast allen Gruppen. Diptera, Coccidae, Ephemeridae, 1) Auf den Mikrothorax, der von seinem Entdecker Dr. Verhoeff als eigenes, vor dem Prothorax liegendes Thorakalsegment und als Rest des Kieferfusssegmentes der Chilopoden gedeutet ■wird, will ich vorläufig keine Rücksicht nehmen, weil mir seine Existenz als selbständiges Segment noch nicht endgültig erwiesen erscheint. Ebenso muss vorläufig die von Kolbe in seinem ausge- zeichneten Handbuche angedeutete Doppelsegmentnatur der Thoraxringe noch in suspenso gelassen werden, denn es ist hier nicht der Raum zur eingehenden Besprechung dieser Verhältnisse. Auch auf die allerneuesten Ausführungen Verhoeffs, in denen der Insektenkörper auf viel mehr Seg- mente zurückgeführt wird, kann ich hier unmöglich eingehen, denn ich kann mich nicht entschliessen, die Arbeitsmethode dieses Forschers ernst zu nehmen. Ob und wie die Thorakalsegmente bei dem Protentoniun weiter differenziert waren, vermag ich momentan nicht zu entscheiden. Einleitung Hemerobiidae etc.). Gänzlicher Verlust der Flügel (z. B. Suctoria, Siphunculata , Mallophaga und zahllose Beispiele in allen Gruppen). Umwandlung- eines Teiles der Adern zu Stridulationsapparaten (z. B. Orthoptera). Verbindung der Vorder- und Hinterflügel durch Haftapparate (z. B. Hymenoptera, Phryganoidea, Lepidoptera, Hemipteroidea). Es würde zu weit führen, hier weitere Details anzuführen und die obenstehenden dürften vollauf genügen, um zu zeigen, welchen hohen Grad der Gestaltungs- fähigkeit gerade die Flügel besitzen. Jedes Thoraxsegment war mit einem Beinpaare versehen. Die 3 Beinpaare waren homonom, zum Laufen geeignet und massig lang. Sie bestanden aus einem kurzen Basalglied, dem Trochan tinus, aus einer Hüfte oder Coxa, ein oder zwei kurzen Trochanteren, einem ziemlich langen und kräftigen Schenkel oder Femur, einer ebenso langen Schiene oder Tibia und aus zwei (oder drei?) Tarsen gliedern, deren letztes mit Klauen ver- sehen war. 1) Spezialisierung: Auffallende Verlängerung der Beine (z. B. Tipuliden, Phasmiden, Emesiden, Berytus, Hydrometra, Bittacus etc.). Auffallende Verkürzung der Beine (z. B. viele Cocciden 9, Psychiden 9). Um- wandlung der Vorderbeine zu Fangbeinen (z. B. Mantiden, Mantispiden, Emesiden, Phymatiden, Nepiden). Umwandlung der Hinterbeine zu Ruder- beinon (z. B. Wasserkäfer, Wasserwanzen). Umwandlung der Hinterbeine zu Sprungbeinen (z. B. Orthoptera, viele Homoptera, einige Heteropteren, Halticiden, manche Rüsselkäfer, Suctoria usw.). Umwandlung der Vorder- beine zu Grabbeinen (z. B. Gryllotalpa usw.) oder zu Klammerbeinen (z. B. Siphunculaten). Vollständige Reduktion der Beine (z. B. Strepsi- ptera 9 etc.). Der Hinterleib bestand aus ii einander ähnlichen Segmenten, welche in Tergite, Pleurite und Sternite") zerfielen. Den Ab- schluss des Hinterleibes bildete das Telson mit einer oberen und zwei unteren Afterklappen. 1) Verhoeffs übrigens seither schon bekämpfter Vorschlag, die bei den Insekten übliche Terminologie der Beine in Zukunft für die Beine der Chilopoden anzuwenden und dann erst nach Feststellung der Homologien wieder auf die Insekten zu übertragen , kann ich nicht akzeptieren. Ich bin der Meinung, dass es vernünftiger wäre, eine seit 150 Jahren bestehende Terminologie bei- zubehalten und lieber für die Chilopoden, für die noch keine solche Terminologie eingebürgert ist, neue Bezeichnungen einzuführen. Man könnte — die Homologie im Sinne Verhoeffs vorausge- setzt — für das Chilopodenbein ja ganz einfach folgende Termini anwenden: Coxe, Prätrochanter, Trochanter. Femur, Tibie. Nach meiner Ansicht sollte man mit solchen Fragen doch nicht so leicht- fertig umspringen und ohne zwingenden Grund alte gute Ausdrücke nicht durch neue schlechte verdrängen. 2) Ich sage ausdrücklich Sternite, obwohl Verhoeff die Existenz solcher Platten am Ab- domen in Frage stellt. Wenn es auch Tatsache ist, dass die rückgebildeten embryonalen Abdominal- extremitäten gewisser Insekten in die Ventralplatten eingeschmolzen sind , so geht es doch nicht an, die Existenz solcher Ventralplatten rundweg zu leugnen und zu sagen, das scheinbare Sternit bestehe nur aus diesen (verschwundenen) Embryonalfüssen. Wie verhält es sich dann bei jenen Insekten, welche schon im Embryo keine Abdominalbeine mehr haben, oder bei den Metabolen ? Sind die Ventralhälflen der Segmente einer Fliegenmade vielleicht auch Beine?! Ich glaube, es wird mir wohl niemand einen Vorwurf daraus machen, wenn ich diese „neuesten" morphologischen Errungenschaften in vorliegender Arbeit nicht weiter berücksichtige. Das Körnchen Wahrheit, welches sie gewiss enthalten, muss erst durch sorgfältige, vorurteilslose Studien herausgeschält werden. Einleitung. Spezialisierung: Reduktion der i — j ersten Sternite und Bildung des sogenannten „Mittelsegmentes", welches in engere Beziehungen zum Thorax tritt, so dass in den höchstentwickelten Fällen (z. B. bei vielen Hymenopteren) die Grenze zwischen dem Thoraxkomplex und dem Hinterleibe zwischen das i. und 2. Abdominal-Segment fällt (z. B. Coleo- pteren, Hymenopteren, Hemipteren usw.). Reduktion eines oder mehrerer Segmente vor dem Hinterende des Abdomen (bei den meisten rezenten Insekten mit Ausnähme einiger Ephemeriden und Hemipteren). Auffallende Vergrösserung des Abdomen (z. B. Termiten 2, Meloiden 9, Cocciden 9, Sarcopsylla 9, wegen der reichlichen Eientwickelung ; einige Cikaden und Acridier [Bulla etc.] als Resonanzapparat). Auffallende Verkleinerung des Hinterleibes (z. B. Strepsipteren o , viele parasitische Hymeno- pteren o usw.). Die Gestaltungstahigkeit des Hinterleibes ist eine so weit- gehende und so allgemein bekannte, dass es mir überflüssig erscheint hier weitere Beispiele anzuführen. Ganz ähnliche, meist auf mechanischem Wege erklärliche Formen treten in den verschiedensten Gruppen auf. Aller Wahrscheinlichkeit nach trug jedes der ersten zehn Segmente des Protentomon ein Paar bewegliche Extremitäten, welche jedoch nicht mehr als Laufbeine funktionsfähig waren und anderen Zwecken (Respiration, Geschlechtsleben) dienten Das elfte Segment trug etwas längere, gegliederte, fühler- artige Anhänge, die Cerci'). Spezialisierung: Vollkommene Rückbildung der meisten Abdominal. extremitäten (fast alle rezenten Insekten). Verlust der Cerci (z. B. Hemi- ptera, dann bei Neuropteren, Phryganoiden, Coleopteren, Lepidopteren etc.). Auffallende Verlängerung der Cerci und sekundäre Gliederung in sehr viele Ringel (z. B. Ephemeriden). Umwandlung der Cerci in Zangen (z. B. Dermaptera, Calopterygidae etc.) Verwendung der Extremitäten „Styli" zu Genitalzwecken (,,Gonopoden" vieler Insekten). Schwund der Styli (viele hochentwickelte Insekten). Ausser den obengenannten Anhängen, welche auf echte Extremitäten zurückzuführen sind, besass das Protentomon möglicherweise auch schon die sogenannten Gonapophysen — paarige Anhänge des S. und g. Sterniten, welche der Eiablage dienten aber jedenfalls nur aus kurzen, einfachen, zapfenartigen Ausstülpungen bestanden. Spezialisierung: Vollständiger Verlust der Gonapophysen (z. B. bei Lepidopteren, Ephemeriden etc.). Mächtige Entwickelung derselben (z. B. Locustiden 9, viele Hymenopteren 9, Odonaten 9, Hemipteren 9 etc.). Umwandlung derselben in einen Giftstachel (z. B. viele Hymenopteren 9). 1) Ich bin mit Heymons der Ansicht, d.iss die Cerci wirklich dem 11. Segmente angehören, und glaube, dass sich Verhoeff umsonst bemühen wird, das Gegenteil zu beweisen. Auch bin ich der Ansicht, dass die Cerci aller Insekten homolog sind, ganz ohne Rücksicht, ob sie hinter dem II., 10. oder 9. Segmente stehen. Wie ich bereits an anderer Stelle hervorgehoben habe, fallen eben «in oder mehrere Segmente häufig der Rückbildung anheim, während die Cerci noch erhalten bleiben. Fällt nur Segment 11 aus, so stehen dann die Cerci hinter dem 10., fällt auch dieses aus (oder ver- schmilzt es mit dem 9.?) so stehen sie hinler dem 9. Die Cerci mancher Insekten, welche eine Ver- wandlung durchmachen, können wir als „Neubildungen" aber keineswegs als „Neuerwerbungen" be- trachten. Einleitung. Das Nervensystem des Protentomon bestand aus einem Gehirn und einem unteren Schlund gan glion, drei thorakalen und mindestens acht abdominalen getrennten Ganglien, welche durch paarige Längskom missuren verbunden waren. Spezialisierung: Konzentration der Ganglien in verschiedenem Grade (in fast allen Gruppen, z. B. Coleopteren, Dipteren, Hemipteren usw.). Das Tracheensystem war vermutlich segmental getrennt und kommunizierte durch zwei thorakale und acht (? oder 9) ab- dominale Stigmenpaare, welche in den Pleuren der betreffen- den Segmente lagen, mit der äusseren Luft. Spezialisierung: Reduktion der Stigmenzahl (z. B. bei Hemipteren, Siphunculaten, Psociden und verschiedenen anderen Insekten), Erweiterung der Tracheen zu Blasen (bei allen guten Fliegen), Bildung von Längs- und Queranastomosen (bei fast allen rezenten Insekten!. Der Verdauungstrakt bestand aus einem O soph agus, einem Chylusmagen, einem Dünndarm und einem Dickdarm. Spezialisierung: Entwickelung eines eigenen gestielten Saugmagens (z. B. manche Neuroptera. Megaloptera, Lepidoptera). Entwickelung eines meist mit Chitinleisten etc. versehenen Kaumagens i). (Z. B. : Orthoptera, Dermaptera, Blattoidca , viele Hymenoptera, Coleoptera, Embioidea, Per- laria, Odonata etc.) Von Speicheldrüsen waren zwei Paare vorhanden. Spezialisierung: Umwandlung der Speicheldrüsen zu Spinndrüsen (Larven verschiedener Gruppen). Die Harn- oder Malpighischen Gefässe waren massig lang und in grösserer Zahl ausgebildet und sassen am Beginne des E n d d a r m e s. Speziahsierung : \'erminderung der Zahl (z. B. bei Coleopteren, Lepidopteren , Dipteren, Hemipteren, Neuropteren vielen Hymenopteren, Psociden, Mallophagen etc.). Auffallende Vermehrung der Zahl (z. B. Orthoptera, Ephermeridae etc.). Das Herz oder Rückengefäss war langgestreckt, aus meh- reren segmental angeordneten Kammern mit je zwei Ostiolen bestehend. Die weiblichen Geschlechtsorgane bestanden aus je einer Anzahl segmcntal angeordneter, m ehrkammeriger , panoisti- scher Eiröhren, welche an den paarigen Ovidukten unilateral angeordnet waren; di ese mün det en in eineunpaare, durch Ein- stülpung des achten Segmentes entstandene Vagina. Vermut- lich waren auch bereits Anhangsdrüsen vorhanden. Spezialisierung: Vereinigung der Eiröhren zu Büscheln (bei fast allen höher entwickelten Insektenordnungen). Verbindung der beiden Eileiter zu einem hufeisenförmigen Rohr (z. B. bei Perliden), Reduktion der Zahl der Eiröhren (z. B. bei Pupiparen), Ausfall der unpaaren Vagina 1) Wahrscheinlich besass schon das Protentomon den Kaumagen, so dass dessen Abwesenheit als Spezialisierung zu betrachten wäre. Beispiele wären dann z. B. Plectopteva, Phryyanoidea und viele saugende Insekten. Einleitung. (z. B. Ephemeriden), Bildung sogenannter Nährkammern, welche mit den Eikammern alternieren — polytrophe Ovarien — (z. B. Dermaptera, Corro- dentia, Hymenoptera, Diptera, Coleoptera, Neuroptera, etc.), Bildung einer endständigen Nährkammer (z. B^ Coleoptera, Megaloptera, Hemiptera). Auffallende Vermehrung der Eiröhren (z. B. Termiten, Megalopteren etc.). Die männlichen Geschlechtsorgane bestanden aus paarigen, getrennten, tubulösen, aus je einer Anzahl von Follikeln zu- sammengesetzten Hoden, welche durch je ein Vas deferens in den gemeinsamen, durch Einstülpung in der Gegend des neunten Segmentes hervorgegangenen Ductus ejaculatorius mündeten. Anhangsdrüsen waren jedenfalls schon vorhanden. Spezialisierung: Ausfall des ekdodermalen Ductus ejaculatorius (z B. Ephemeridae). Reduktion der Hoden auf einen einzigen Schlauch (z. B. manche Coleopteren). Bildung acinöser Hoden (z. B. manche Coleopteren). Verschmelzung der beiden Hoden zu einer Masse (z. B. bei Lepidopteren, Hymenopteren, Orthopteren). Das Protentomon hat sich jedenfalls auf geschlechtlichem Wege durch xVblage von einzelnen freien Eiern fortgepflanzt. Spezialisierung: Parthenogenese (bei Hymenopteren, Lepidopteren, Hemipteren, Orthopteren etc. vorkommend), Ablage der Eier in Paketen, Ootheken (z. B. Blattoidea, Mantoidea, Hydrophilus etc.), Vivipar (z. B. einzelne Blattiden, Hemimerus, viele Dipteren, Hemipteren etc.). Die Furchung des Eies war eine superfizielle; es kam zur Bildung eines Amnion und einer Serosa. Die Embryonen verliessen das Ei in ziemlich vorgeschrit- tenem Zustande mit bereits gut ausgebildeten Mundteilen und Extremitäten, aber ohne Flügel, so dass die jungen Larven bereits der Imago ziemlich ähnlich waren. Die weitere Ent- wickelung erfolgte allmählich mit Hilfe von Häutungen und die Flügel kamen nach und nach zur Ausbildung. Ruhestadium war keines vorhanden. Spezialisierung: Hinausschiebung der Flügolbildung auf ein vor der letzten Häutung eintretendes Ruhestadium (Puppenruhe) (z. B. Diptera, Lepidoptera, Coleoptera, Hymenoptera, Neuroptera etc.). Entstehung be- stimmter Larvenformen durch Rückbildung , resp. Verzögerung in der Bildung der Extremitäten, durch Anpassung der Körperform, der Mund- teile oder der Lokomotionsorgane an bestimmte Lebensbedingungen (z. B. Maske der Oolonatenlarven; Saugzangen der Neuropterenlarven; Maden der Hymenopteren, Coleopteren, Dipteren; Raupen der Lepidopteren, Tenthredediniden und Panorpaten etc.). Das Protentomon lebte vermutlich vom Raube und dessen Jugendstadien dürften ähnlich unseren heutigen Ephemeriden- Sialiden- und Perlidenlarven, wasserbewohnende Raubtiere, gewesen sein, deren abdominale Extremitäten der Atmung dienten. Spezialisierung: Landleben bei den Larven (z. B. Orthoptera, Blat- toidea etc. die meisten Neuroptera, Lepidoptera, Hymenoptera etc.), Gewöhnung an Pflanzenkost (z. B. Acridioidea, Hymenoptera, höher ent- lO Einleitung. wickelte Coleoptera, Lepidoptera, Hemiptera, etc.), Parasitismus auf Warm- blütern (z. B. Mallophain'a, Siphunculata, Suctoria, viele Dipteren, Coleo- pteren etc.), Brutpflege (einzelne Beispiele in verschiedenen Gruppen), Staaten- bildung (z. B. Ameisen, Wespen, Bienen, Termiten), Generationswechsel (z. B. einzelne Lepidopteren, Cynipiden usw.). Wir sehen aus den angeführten Beispielen, welch ungeheuere Rolle die Konvergenzerscheinungen bei dem Zustandekommen der heutigen so mannig- faltigen Insektenwelt spielten und wie sich fast alle Arten höherer Ausbildung in den verschiedensten Verwandtschaften wiederholen. Wenn unsere Vorstellung von einem Protentomon richtig ist, so müssen die fossilen Insekten der ältesten Schichten mit dem hypothetischen Bilde wenigstens in den Hauptsachen übereinstimmen, und je höher wir steigen, desto mehr Beispiele der erwähnten Spezialisierungen werden uns begegnen. Wir werden uns aber anderseits auch davor hüten müssen, in zufälligen Bil- dungen oder unkenntlichen Fragmenten aus der Steinkohle oder noch tieferen Schichten, hochspezialisierte Insektenformen erkennen zu wollen, und alles, was mit den Ergebnissen der Morphologie in Widerspruch steht, mit doppelter Sorgfalt prüfen, bevor wir es als Gegenargument gegen die Annahmen der Morphologen in die Wagschale legen. Wir werden uns also hüten, in ein schuppenähnliches Gebilde aus einer Tiefseeablagerung der Silurzeit eine hochspezialisierte Baumwanze oder in ein winziges Kohlenrestchen ein kleines parasitisches Hymenopteron „hineinzudeuten". I. ABSCHNITT. BESCHREIBUNG DER REZENTEN INSEKTENGRUPPEN. (HAUPTSÄCHLICH FÜR GEOLOGEN UND PALAEONTOLOGEN BERECHNET.) I. Klasse: Collembola (Lubbock) m. Durchwegs kleine und meist sehr bewegHche, springende oder laufende Landbewohner mit schwach entwickeltem Chitinpanzer, mit oder ohne Schuppen^ von mehr oder minder gedrungener Gestalt. Kopf immer gesondert, Thorax und Abdomen oft nicht geschieden. Kopf nicht stark abgeschnürt, mit zusammengesetzten, reduzierten eukonen Augen oder aus solchen abzuleiten- den Ocellen , oft mit (?) Stirnauge. Mundteile entotroph, in den Kopf einge- zogen. Mandibeln entwickelt, ebenso die i. Maxillen mit ihrem Kaulappen. 2. Maxillen zum Teil getrennt, mit Kaulappen, Taster rudimentär oder ? ganz fehlend M. Antennen aus wenigen (bis S?) teils homonomen, teils heteronomen Gliedern bestehend , an der Vorderseite des Kopfes ober dem Munde in- seriert. Thorax von sehr verschiedenem Bau, sein erstes Segment klein, nie grösser als die folgenden. Drei gleichartig entwickelte Laufbeinpaare mit eingliedrigen Tarsen. Abdomen vom Torax oft nicht scharf geschieden, aus nur 6 oft zum Teil verschmolzenen Segmenten bestehend, ohne Cerci. i., 3. und 4. Segment mit oft hochspezialisierten Extremitäten, die als Ventraltubus, Tentaculae und Furcula (Springgabel) bezeichnet werden, jedoch häufig ganz rück- gebildet sind. Tracheen fehlen oder sind nur schwach entwickelt. Es kommen (bei Sminthurus) Stigmen knapp hinter dem Kopfe vor. Nervensystem konzentriert, aus 2 — 3 thorakalen und den Kopfganglien bestehend. Der Verdauungstrakt ist sehr einfach gebaut, ohne Kau- und Saugmagen und mündet an dem 6. Segmente. Speicheldrüsen vorhanden. Malp. Gef. fehlen. Die Genitalien sind sehr primitiv gebaut und bestehen bei dem 9 aus einem Paar kleiner manchmal geteilter Schläuche ohne Fol- likel. Sie liegen unter dem Darme und sollen Nährzellen haben. Genital. Öffnung am 5. Segmente (es" 9). 1) Die Existenz eines zwischen Mandibeln und i. Maxillen gelegenen selbständigen Kiefer- paares wurde von mehreren Autoren behauptet, erscheint mir aber dennoch nicht genügend begründet. Vielleicht handelt es sich hier um eine Teilung der embryonalen Extremitätenhöcker der Jlandibeln, analog jener, welche sich bei den Abdominalextremitäten von Campodea vollzieht, und die vermutlich phylogenetisch durch die Ableitung der einfachen Extremitäten aus Spaltfüssen zu erklären wäre. JA Rezente Insekteiigruppen. Die Furchung des Eies scheint anfangs total inäqual, geht aber später in eine superfizielle über (oder sie ist ? total äcjual oder inäqual); Amnion und Serosa kommen nicht zur Ausbildung. Jugendformen der Imago sehr ähnlich, entwickeln sich allmählich ohne Einschaltung eines Ruhestadiums (Ametabola). Die Collembolen sind in vielen Beziehungen morphologisch und anatomisch noch lange nicht genügend untersucht und können daher vorläufig (nach Born er) nur in 2 Gruppen zerlegt werden'). 1. Ordnung: Arthropleona (Börner) m. Das Abdomen besteht aus deutlichen Segmenten, Herz mit 6 Paar Ostiolen. Tracheen scheinen zu fehlen. (Achorutidae, Entomobryidae). 2. Ordnung: Symphypieona (Börner) m. Abdominalsegmente zum Teil verschmolzen, das 4. viel grösser als die übrigen. Herz mit 2 Paar Ostiolen. Tracheen teilweise vorhanden. (Sminthuridae, Megalothoracidae). II. Klasse: Campodeoidea m. (Archinsecta, Haeckel). 1. Ordnung: Dicellura (Haliday) m. Meist kleine Landtiere mit schwach entwickeltem Chitinpanzer, schlankem, abgeflachtem Körper, ohne Schuppen. Kopf, Thorax und Abdomen gut ge- schieden. Landbewohner. Leben ähnlich wie die Thysanuren. Kopf nicht stark abgeschnürt, ohne Augen. Mundteile reduziert, in den Kopf versenkt (entotroph). Von den Mandibeln ist nur die Spitze frei. i. Maxillen eingezogen, nur die getrennten Kaulappen und der kurze zweighedrige Taster frei. 2. RLaxillen sehr kurz, am Grunde verwachsen und am Endrande etwas ge- spalten, mit sehr kleinem, aus einem Gliede bestehendem Taster. Dahinter zwei vorstülpbare Gebilde in Form von Zäpfchen (? Hypopharynx). Fühler aus vielen homonomen Gliedern zusammengesetzt und an der Vorderseite des Kopfes ober dem Munde inseriert. Die Thorax-Segmente gut geschieden, ihre Tergite, Pleurite und Sternite gut entwickelt, erstere nur auf die Dorsalfläche beschränkt. Prothorax etwas kleiner als die anderen zwei Ringe. Drei homonome Laufbeinpaare mit ein- gliedrigen Tarsen. Abdomen vom Thorax nicht abgeschnürt , last ebenso breit als dieser. Tergite und Sternite von ähnlichem Umfang und gut ge- schieden. I. Sternit erhalten. 10 Segmente erhalten, das 11. ganz reduziert, mit einem Paar aus einem oder aus mehreren Gliedern bestehenden Cercis versehen, welche oft den Zangen der Dermapteren gleichen. Ein unpaarer 1) Die von Tömösvary als Tliysanurenlorni bescliriebene ,,Anisospliaeia", auf welclie später von Silvestri sogar eine eigene Ordnung begrümlet wurde, ist die Larve von Cepliennium (Coleoptera!). Rezente Insektengruppen. Fortsatz fehlt. Die Sternite i — 7 tragen rudimentäre Extremitäten (Styli) und einzelne sind oft auch mit vorstülpbaren Blasen versehen. Das Tracheensystem ist durch ventrale Längs- und Oueranastomosen verbunden ; 2 — 4 thorakale und 7 abdominale Stigmenpaare. 3 thorakale und 7 — 8 abdominale Ganglien getrennt. Verdauungstrakt sehr einfach. Speicheldrüsen vorhanden, Saug- und Kaumagen fehlen, Chylus- magen ohne cökale Divertikel, Malpighische Gefässe fehlen ganz oder sind sehr klein. Genitalien paarig, mit gemeinsamer Geschlechtsöffnung. Hoden (Japyx) aus je 2 Teilen bestehend, Vasa deferentia und verlängerte Samen- blasen vorhanden. 2 — 7 Eiröhren unilateral an einem gemeinsamen Tubus sitzend und segmental angeordnet, ohne Follikeln (Japyx); Anhangsdrüsen fehlen, Bursa copulatrix entwickelt. Penis zwischen Segment X und g, mit 2 kurzen Papillen. Geschlechtsöffnung des 9 unpaar, am 8, Segmente, mit 4 kurzen Papillen. Jugendform der Image ähnlich, entwickelt sich allmählich durch unvoll- kommene Häutungen, ohne Einschaltung eines ruhenden Stadiums. Land- bewohner. Japygidae. Projapygidae. 2. Ordnung: Rhabdura (SilvestrO m. Sehr zarthäutige kleine Landtiere mit schlankem , etwas abgeflachtem Körper. Kopf, Thorax und Abdomen gut geschieden. Kopf nicht stark abgeschnürt, ohne Augen. Mundteile eingezogen (entotroph). Nach U z e 1 trägt das Vorderkiefersegment embryonale Ex- tremitätenanlagen, welche dann einen Bestandteil der imaginalen Mundteile bilden. Diese bestehen ausserdem aus den Mandibeln , den mit getrennten Kaulappen und kurzem eingliedrigen Taster versehenen i. Maxillen , den verwachsenen 2. Maxillen, deren Kaulappen und eingliedrige Taster gleichfalls getrennt sind, und aus einem dreilappigen Hypopharynx. Fühler fadenförmig, an der Vorderseite des Kopfes ober den Mundteilen inseriert und aus vielen homonomen Gliedern bestehend. Von den Thoraxsegmenten ist das i. etwas kleiner als die untereinander sehr ähnlichen beiden anderen Segmente: alle drei mit gut begrenzten, auf die Dorsalfläche beschränkten Tergiten und gut entwickelten pleuralen und sternalen Platten. Drei homonome Lauf beinpaare mit eingliedrigem Tarsus. Abdomen fast gleich breit wie der Thorax und von demselben nicht abgeschnürt, i. Ventral- platte erhalten. 11. Segment reduziert, seine langen vielgliedrigen Cerci erhalten; ohne unpaaren medianen Fortsatz. Rudimentäre Beine auf Seg- ment I, Styli und Blasen auf Segment 2 — 7. Tracheen nicht durch Anastomosen verbunden ; 3 Paar Stigmen in der Thorakalregion. 3 thorakale und 7 abdominale getrennte Ganglien. Verdauungssystem einfach. Speicheldrüsen vorhanden, Saug- und Kaumagen nicht differenziert, keine cökalen Divertikel und ca. 16 warzenförmige Gebilde an Stelle der Malpighischen Gefässe. Hoden sowie Ovarien dorsal gelegen, paarig, mit ge- meinsamer Au mündung. Erstere aus je einem grossen Körper bestehend, ohne l5 Rezente Inseklengruppen. Samenblase; letztere gleichfalls nur aus je einem polytrophen Eirohr, ohne Anhangsdrüsen, aber mit Bursa copulatrix. Die GeschlechtsöiTnung gehört dem 8. Segmente an und trägt beim c keine, beim V 3 Papillen. Die Furchung des Eies ist anfangs eine totale (nach Uzel); Entoderm und Meso- derm bildet sich um den vegetativen Pol des Eies , Amnion und Serosa kommen nicht zur Ausbildung. Die Jugendformen sind der Imago ähnlich und entwickeln sich allmählich durch unvollkommene Häutungen, ohne Ruhestadium. Campodeidae (Campodea und Lepido camp a). III. Klasse: Thysanura (Latr) m. Fast durchwegs kleine sehr bewegliche Landtiere mit massig stark ent- wickeltem Chitinpanzer, meist schlankem, etwas flachgedrücktem Körper, der meistens mit Schuppen bedeckt ist und aus drei deutlich geschiedenen Ivom- plexen — Kopf, Thorax und Abdomen — besteht. Sie leben von vegetabi- lischem und animalischem Detritus. Kopf mit breiter liasis an dem Thorax befestigt, ohne grosse Beweglich- keit , mit zwei aus mehreren Linsen zusammengesetzten Komplexaugen mit oder ohne Stirnaugen. Mundteile frei, nicht in den Kopf eingezogen (ectognath), fast hypognath und zum Kauen eingerichtet. Mandibeln gut entwickelt. i. Älaxillen mit getrennten Laden und fünf- bis achtgliedrigem Taster. 2. Maxillen mit kaum verwachsenem Stipes, getrennten Laden und dreigliedrigem Taster. .Vntennen an der Vorderseite des Kopfes ober dem Munde sitzend, faden- förmig und aus zahlreichen homonomen Gliedern bestehend. Thoraxsegmente gut geschieden, nicht oder nur massig verschieden gebaut; die Tergite gut entwickelt, Pleurite und Sternite gut entwickelt oder stark reduziert. Beine gleichartig, zum Laufen eingerichtet, Tarsen mit 1 — 3 Gliedern. Hinterleib aus elf Segmenten und einem Telson bestehend; 1. Sternit vorhanden. Tergite und Sternite gut entwickelt. 11. Segment mit gut ent- wickelten vielgliederigen paarigen Anhängen (Cerci) und einem unpaaren, gleichfalls segmentierten Schwanzanhang. (Verlängerung des n. Tergiten). Ausserdem tragen mehrere (.? — 7) Sternite eingliederige Extremitätenreste (Styli) und ausstülpbare Blasen. Bei dem S trägt das 8. und q. Sternit je ein Gonapophysenpaar. Tracheensystem entweder nach Segmenten gesondert oder durch Anastomosen verbunden; zwei thorakale und 7 — s abdominale Stigmenpaarc. Ganglien der Bauchkette getrennt, drei im Thorax und acht im Abdomen. Verdauungstrakt einfach gebaut. Sjieicheldrüsen vorhanden. Weder Saug- noch Kaumagen gut entwickelt. (Bei Lepisma Zähne im Muskelmagcn). Chylusmagen meist vorne mit cökalen Divertikeln. Vier (Hcymons) oder sechs oder zwölf (Grassi) IVLdpighische Gefässe, im letzteren Falle je zwei vereinigt. Genitalien bei c? und $ paarig; mehr oder minder segmental getrennte Hoden resp. panoistische (holoistische) Firöhren in verschiedener Zahl sind Rezente Insektengruppen. jy unilateral an je einem gemeinsamen Schlauche angeordnet. Genitalöffnung immer unpaar auf dem 8. resp. g Sternite gelegen. Die Jugendformen sind der Image sehr ähnlich und entwickeln sich mit Hilfe von vollkommenen Häutungen allmählich, ohne ein ruhendes Stadium zu durchlaufen. Sie sind wie die reifen Tiere Landbewohner. Die Furchung des Eies ist von Anfang an superfiziell , der Keimstreif senkt sich (ähnlich wie bei Diplopoden) bald in den Dotter ein, wobei es zur Ausbildung zelliger Embryonalhüllen (Amnion und Serosa) kommt, die aber nicht den ganzen Keimstreif bedecken. 1. Ordnung: Machiloidea Handl. (Archaeognatha, Börner.) Tergite bis auf die Ventralseite herabreichend, mächtig entwickelt; auf .dem Thorax sind dadurch Pleurite und Sternite sehr reduziert. Mittel- und Hinterbeine mit Hüftgriffeln. Prothorax kleiner als der Mesothorax. Rezep- taculum seminis und Anhangsdrüsen fehlen den Genitalien des 2. Die vor- handenen drei Hoden-Paare und die Ovarien ausgesprochen segmental an- geordnet. Tarsen dreigliedrig. Extremitätenreste auf Segment zwei bis neun. Tracheensystem nach Segmenten getre nnt, ohne Längs- und Quer- anastomosen ; zwei thorakale und sieben abdominale Stigmenpaare. 12. Malpi- ghische Gefässe. Mit Sprungvermögen. 2. Ordnung: Lepismoidea Handl. (Zygentoma, Börner.) Tergite nicht mächtig entwickelt, Pleurite und Sternite daher gut aus- gebildet. Mittel- und Hinterbeine ohne Hüftgriffel. Prothorax ebenso gross oder (meist) grösser als der Mesothorax. Receptaculum und Anhangsdrüsen vor- handen. Sechs Malpighische Gefässe. Tracheensystem mit dorsalen Längs- und ventralen Queranastomosen; zwei thorakale und acht abdominale Stigmen- paare. Segmentale Anordnung der Hoden und Ovarien fast ganz ver- loren. Hoden mehr oder weniger zahlreich. Tarsen zweigliedrig. Kein Sprung- vermögen. ?3. Ordnung: Qastrotheoidea Cook. Sehr mangelhaft bekannt. Scheint den Lepismuiden ähnlich, besitzt aber einen zweigliederigen nach hinten umgeschlagenen Anhang des 5. Sterniten. fV. Klasse: Pterygogenea Brauer. I. Unterklasse: Orthopteroidea m. 1. Ordnung: Orthoptera Oliv, (emend. Handlirsch). I. Unterordnung: Locustoidea m. Mittelgrosse oder grosse Landtiere von sehr verschiedener, oft gedrungener Gestalt, meist etwas kompress , seltener flachgedrückt, mit massig oder stark entwickeltem Chitinpanzer, meist mittelmässige oder schlechte Flieger. Leben Handlirsch, Die fossilen Insekltn. 2 jg Rezente Insektengruppen. teils von Tieren, teils von Pflanzen. Kopf vertikal, gross, ohne starke Beweg- lichkeit, mit gut entwickelten Komplexaugen und mehr oder minder gut ent- wickelten Stirnaugen ; oft ohne letztere. Mundteile kräftig, zum Kauen einge- richtet , mit starken Mandibeln. i . Maxillen mit getrennten Laden und fünf- gliedrigem Taster, 2. Maxillen am Grunde miteinander verschmolzen, am Ende mehr oder weniger getrennt, mit je zwei getrennten Kaulappen und dreigliedrigem Taster. Antennen fa.st immer homonom vielgliedrig, und meist auf die Stirne hinaufgerückt, oft sehr lang borstenförmig. Meist sind mehr als 30 Glieder vorhanden. Prothorax gross und frei beweglich, oft mit heiniartiger Crista, nie flach scheibenartig erweitert. Meso- und Metathorax kleiner, einander ähnlich, mit gut ausgebildeten breiten Tergiten, Pleuritcn und Sterniten. Mit direkten und indirekten Flugmuskeln. Flügel (Taf. I, Fig. 2 — 20) ungleichartig, die vorderen (mesothorakalen) meist derber und pergament- oder lederartig, die hinteren (metathorakalen) zarter. Erstere in der Regel schmäler und im männlichen Geschlechte meist durch das aus den Analadern oder Cubitaladern gebildete Zirporgan umge- staltet, oft sehr reduziert oder auch fehlend. Hinterflügel, wenn ausgebildet, immer mit mächtig entwickeltem Analfächer. In der Ruhe sind die Flügel dachartig über dem Abdomen g-elagert. Costa der Vorderflügel vom Vorder- rande entfernt, mit nach vorne gerichteten Asten, oder reduziert; Subcosta einfach oder, wie die Costa, mit nach vorne abzweigenden Asten , ebenso der Radius , dessen Sector mehrere schief nach hinten gerichtete Aste entsendet oder fehlt. ^Medialis einfach oder verzweigt , Cubitus ähnlich , oft sehr redu- ziert; Analfeld meist deutlich geschieden, mit mehreren gegen die Flügelspitze gerichteten, oft verzweigten Adern. Schaltsektoren sehr häutig, Queradern immer vorhanden, meist sehr reichlich und oft ein dichtes unregelmässiges Netzwerk bildend. Vorder- und Mittelbeine meist homonom, zum Laufen eingerichtet, selten die Vorderbeine zu Grabbeinen umgewandelt. Hinterbeine fast immer zu Sprungbeinen ausgebildet. Tarsen viergliedrig (Locustidae) oder dreigliedrig (Gryllidae), selten nur zweigliedrig. Vorderschiene mit Gehörorgan. Hüften weit voneinander abstehend, massig gross. Abdomen in der Regel mit grösseren Tergiten und kleineren Sterniten. i. Sternit vorhanden. Das elfte Segment trägt Cerci, das S. und 9. beim Weibe fast ausnahmslos je zwei Gonapophysen , die oft zu einer mächtigen Legescheide vereinigt sind, an deren Bildung sich auch noch meistens ein Gonopodenpaar des 9. Segmentes beteiligt, welches in anderen Fällen in Form von Styli erhalten ist. Das 9. Seg- ment des ^ in der Regel mit Styli oder mit Gonopoden. Genitalöffnung des £ hinter dem S., des (^ hinter dem 9. Sternite. Tracheen durch Anastomosen verbunden ; zwei thorakalc und acht abdo- minale Stigmenpaare. Thorakale Ganglien getrennt , die abdominalen bis auf vier oder fünf Knoten verschmolzen. Darm mit zwei cökalen Divertikeln, grossem Kaumagen, Speicheldrüsen, grossem Kropf und zahlreichen Malpighischen Gefässcn, die entweder an zylindrischen Tuben oder besenartig an einer Ausstülpung des Darmes sitzen. Rezente Insektengruppen. jq Hoden getrennt, ebenso die panoistischen Ovarien, die aus je einem Büschel von vielen Eiröhren bestehen. Jugendformen der Imago ähnlich, Landtiere. Sie durchlaufen kein ruhen- des Nymphenstadium und ihre Flügelscheiden entwickeln sich allmählich. Eier frei ohne Kapsel. Embryonalentvvickelung ohne Bildung eines Keimhaut- blastems. Keimstreifen superfiziell, durch Faltenbildung überwachsen. (Oecanthus, Gryllotalpa). Involution unter Ausbildung eines kontinuierlichen Amnion-Serosa- sackes. Umrollung mit Sprengung der Hüllen. Familien: Locustidae, Gryllidae, Tridactylidae, Gryllotalpidae. 2. Unterordnung: Acridioidea m. Mittelgrosse bis grosse Landtiere von mehr oder minder gedrungener, seltener von schlanker Gestalt, fast immer etwas kompress mit massig oder stark entwickeltem Chitinpanzer. Meist mittelmässige oder gute Flieger, oft auch ohne Flugvermögen. Pflanzenfresser. Kopf gross, nicht frei beweglich, vertikal, mit gut entwickelten Komplex- augen und selten mit gut entwickelten Ozellen. Älundteile kräftig, beissend, mit mächtigen Mandibcln. i. Maxillen mit getrennten Laden und fünfgliedrigem Taster. 2. Maxillen an der Basis mit einander verwachsen; am Ende meist mehr oder weniger getrennt, je mit zwei Laden und dreigliedrigem Taster, Fühler meist homonom vielgliedrig, mit weniger als 30 Gliedern. Oft geknöj^ft oder blattartig erweitert etc. Prothorax gross und frei beweglich, nicht in der Fläche ausgebreitet, dagegen oft mit starker Crista. Mesothorax meist klein, Metathorax oft etwas grösser, mit gut ent- wickelten Tergiten, Pleuriten und Sterniten. Direkte und indirekte Muskeln entwickelt. Flügel (Taf. II, Fig. i — 3) verschiedenartig; die vorderen schmäler und derber, meist pergament- oder lederartig, die hinteren mit mächtig entwickeltem Analfächer. In der Ruhe mehr oder weniger dachartig über dem Abdomen gefaltet. Oft reduziert, zuweilen ganz fehlend. Analfeld der Vorderflügel gut abgetrennt. Costa der Vorderflügel vom Rande entfernt, Subcosta einfach, ebenso in der Regel der Radius, dessen Sektor mehrere Äste schief nach hinten entsendet. Medialis meist gut entwickelt und wenigstens in den Vorder- flügeln reich verzweigt. Cubitalis mehr reduziert. Analadern des Vorderflügels nicht sehr zahlreich, des Hinterflügels dagegen sehr zahlreich, fächerartig. Oueradern immer reichlich entwickelt, oft stellenweise netzartig verschlungen, Schaltsektoren oft vorhanden. Die Stridulationsorgane liegen an dem Hinterschenkel und einer Rippe der Vorderflügel. Vorder- und Alittelbeine homonom, zum Laufen geeignet; Hinterbeine zu Sprungbeinen umgewandelt. Hüften klein, weit von einander abstehend. Tarsen dreigliedrig. Abdomen aus 10 deutlichen Ringen bestehend; die Tergite meist grösser als die Sternite. i. Sternit entwickelt. Gehörorgan auf dem i. Segmente gelegen. Cerci erhalten. '6: 9. Segment mit Gonopoden. 20 Rezente Insektengruppen. 9 : 8. Segment mit 2 Gonapuphysen, 9. mit 2 Gonapophysen und 2 den Gono- poden homologen Organen. Tracheen durch Anastomosen verbunden. 2 thorakale und 8 abdominale Stigmenpaare. 3 thorakale und 5 abdominale Ganglien. Darm ohne atisgespn ichenen Kaumagen, mit Kropf und Divertikeln am Anfange des Chylusmagens. Speicheldrüsen klein. Malp. Gef. zahlreich, zu Bündeln vereinigt. Hoden getrennt oder verbunden. Ovarien paarig mit zahlreichen panoisti- schen Eiröhren, die oft (z. B. < )dipoda) unilateral angeordnet sind Jugendformen der Imago ähnlich, Landbewohner. Kein Ruhestadium ; die Flügel entwickeln sich allmählich. Eier werden niclit in einer Kapsel eingeschlossen, dagegen meist mit einem Erdkokon umgeben. Embryonalentwickelung ohne Bildung eines Keimhautblastems; Keimstreif immers, überwachsen, von Anfang an auf der Ventralseite. Familie: Acridiidae mit zahlreichen Unterfamilien. 2. Ordnung: Phasmoidea m. Vorwiegend grosse und schlanke, meist stabfürmige, seltener flache blatt- artige Landtiere, selten Wasserbewohner; mit schwach oder gar nicht ent- wickeltem Flugvermögen. In der Regel (oder immer?) phytophag. Kopf ziemlich frei beweglich, vertikal oder mehr horizontal gestellt, mit gut ent- wickelten Komplexaugen und oft reduzierten Stirnaugen, ilundteile kauend, mit kräftigen Mandibeln. i. Maxillen mit getrennten Laden und tünfgliedrigem Taster; 2. Maxillen an der Basis mit einander verwachsen, je mit zwei Laden und dreigliedrigem Ta.ster. Fühler meist homonom vielgliedrig (S — 100 Glieder!), fadenförmig oder erweitert etc., vor den ^Vugen sitzend. Prothorax meist klein oder wenigstens nicht sehr stark verlängert, frei beweglich, Mesothorax entweder stark ver- längert (Phasmidae) oder nicht grösser als normal (Phyllien). Metathorax dem Mesothorax ähnlich, mit ihm meist fest verwachsen. Tergite, Pleurite und Sternite gut entwickelt. Flügel (Taf I, Fig. 21 — 2;^) verschiedenartig, die vorderen in der Regel reduziert und deckenartig (Phasm.), selten grösser als die Hinterflügel (Phyll.). Hinterflügel meist sehr gross und fächerartig faltbar. In der Ruhe liegen die Flügel flach über dem Abdomen gefaltet. Ungeflügelte Formen sehr häufig. Costa des Vorderflügels vom Vorderrande entfernt, reduziert, Subcosta massig entwickelt, Radius und dessen Sector unregelmässig verzweigt, jMedialis massig entwickelt und verzweigt, Cubitalis und Analadern nicht stark entwickelt, Analfeld nicht abgegrenzt. Queradern ein unregelmässiges Netzwerk bildend, Schaltsektoren meist vorhanden. Beine homonom, zum Laufen oder Klettern eingerichtet. Hüften klein, weit getrennt; Tarsen fünfgliedrig. Abdomen aus 10 deutliclum Segmenten bestehend; die Tergite und .Sternite fast gleich, i. Tergit oft mit dem Metanotum verschmolzen. 1 . Sternit Rezente Insektengruppen. entwickelt. Ungegliederte Cerci vorhanden; beim 9 auch Gonapophysen. Styli nicht als solche erhalten. Tracheen mit Anastomosen; 2 thorakale und 8 abdominale Stigmenpaare. 3 thorakale und 5 (Phyllium) oder 7 abdominale Ganglien. Darm mit Kropf und Chylusmagen, welcher aus einer vorderen muskulösen und einer hinteren glandulösen Partie besteht, ohne eigentlichen Kaumagen und ohne Divertikel. Speicheldrüsen und sehr viele Malp. Gefässe. Ovarien getrennt, mit zahlreichen unilateral angeordneten (Phasma) panoistischen Eiröhren. Die Jugendformen sind der Imago ähnhch und entwickeln sich allmählich ohne Ruhestadium. Die Eier werden einzeln abgelegt und besitzen eine kapselartige Hülle. Embryonalentwickelung ähnlich wie bei Locustiden, ohne Keimhaut- blastem. Keimstreif superfiziell. Involution unter Ausbildung eines konti- nuierlichen Amnion-Serosasackes. Familien : Phasmidae (mit zahlreichen Unterfamilien). Phylliidae. 3. Ordnung: Dermaptera Deg. emend. Kirby. (Euplecoptera Westw. Euder- maptera Verb.) Mittelgrosse schlanke Landtiere mit flachgedrücktem Körper und mittel massig oder stark entwickeltem Chitinpanzer, mit schwach oder gar nicht ent- wickeltem Flugvermögen. Leben teils von Raub, teils von Planzenkost. Kopf gross, fast horizontal und sehr beweghch, mit meist gut ent- wickelten Komplexaugen, aber ohne Stirnaugen. Mundteile zum Kauen eingerichtet, Mandibeln kräftig, i. Maxillen mit getrennten Laden und fünfgliedrigem Taster, 2. Maxillen miteinander ver- wachsen, mit freien Laden und Paraglossen und dreigliedrigem Taster. Fühler knapp ober dem Mundrande zwischen Augen und Kiefern inseriert, aus 10 — 30 meist homonomen Gliedern bestehend. Prothorax frei und massig gross, flach, Mesothorax sehr kurz, Metathorax grösser, beide mit direkten und indirekten Flugmuskeln. Tergite und Sternite gut entwickelt, Pleurite klein. Flügel (Taf. II, Fig. 4) verschiedenartig; die vorderen immer kurz, hart und deckenartig, ohne deutliche Adern, nicht gekreuzt. Hinterflügel mit doppelter Faltung (der Länge und der Quere nach), aus einem sehr reduzierten hornigen Spreitenteil und einem fächerartigen, fast ausschliesslich erhaltenen Analteil bestehend, in welchem zahlreiche von einem Punkte ausgehende Radien und blinde Schaltadern vorhanden sind. Beine homonom, zum Laufen eingerichtet. Hüften klein und weit ge- trennt. Tarsen dreigliedrig. Hinterleib aus zehn deutlichen freien Segmenten bestehend. Tergite und Sternite übeinander und über das nächste Segment greifend, i. Sternit rück- gebildet. Ungegliederte zangenartige Cerci am 11. Segmente vorhanden, oft auch Gonapophysen des 8. und 9. Segmentes (2). StyU nicht als solche er- halten. Die Genitalien des ö münden getrennt oder einseitig asymmetrisch. Tracheen mit Anastomosen; massig entwickelt. Zwei thorakale und acht abdominale Stigmenpaare. Rezente Insektengruppen. Drei thorakale und sechs abdominale Ganglien getrennt. Darm mit Kropf und Kaumagen, ohne Divertikel. Speicheldrü.sen vorhanden. 8—10 Mal- pighische Gefässe in zwei Gruppen angeordnet. Hoden getrennt, jederseits ein Paar. Ovarien verschieden, jederseits mit einer oder fünf polytrophen (aber nur mit einer Nährzelle versehenen) Tuben. Jugendformen der Imago ähnlich , oft mit gegliederten Cerci. Kein ruhendes Stadium, Landtiere, Entwickelung der Flügel allmähUch. Embryonal- entwickelung mit Keimhautblastem. Amnion und Serosa entstehen durch einen typischen Faltungsprozess. Keimstreif superfiziell. Umrollung unter Sprengung der Embryonalhüllen. Familie: F orficulidae. 4. Ordnung: Diploglossata Sauss. (Dermodermaptera Verh.) Mittelgrosse flache Landtiere von massig gedrungenem Körperbau und massig entwickeltem Chitinpanzer ; flügellos und von parasitischer Lebensweise. Kopf frei, mehr horizontal gerichtet, hypognath, ohne Augen und be- weglich. Mundteile zum Kauen geeignet; Mandibeln gut entwickelt, i. Maxillen mit getrennten Laden und fünfgliedrigem Taster, 2. Maxillen an der Basis verschmolzen, das tastertragende Glied geteilt, mit je einem Kaulappen und dreigliedrigem Taster. Fühler kurz, nahe dem Alundrande sitzend, mit längerem Basalglied und zahlreichen homonomen Geisselgliedern. Prothorax frei, grösser als die folgen- den Segmente, Metathorax am kleinsten; alle Tergite breit und flach, die Pleurite und Sternite gut entwickelt und differenziert. Beine homonom, zum Laufen geeignet. Hüften massig gross, sehr weit getrennt, Tarsen dreigliedrig. Abdomen flach, aus zehn deutlichen Segmenten bestehend, Tergite etwas auf die Ventralseite übergreifend. Cerci lang, aber nicht gegliedert. ',' ohne Gonapophysen. o'' mit .\nhängen des 9. Sternites (Styli). Zwei thorakale und acht abdominale Stigmenpaare. Die Jugendformen sind der Imago ähnlich und entwickeln sich allmählich ohne Ruhestadium. Embryonalent Wickelung intrauterin. (Vivipar). Familie: Hemimeridae. 5. Ordnung: Thysanoptera Halid. iPhysopoda aut.) Fast durchwegs kleine, mehr oder minder flache, schlanke Landtiere mit vorwiegend gut entwickeltem Chitinpanzer und meist nur massig oder gar nicht entwickeltem Flugvermögen, häufig auch Sprungvermögen. Nähren sich von Pflanzensäften und nur ausnahmsweise von tierischen Säften. Kopf vertikal, frei und massig beweglich. Komplexaugen gut entwickelt, meist drei Stirnaugen vorhanden. Alundteile zum Saugen geeignet, hypognath und kegelförmig verlängert. Sie bestehen aus einem von der verlängerten Oberlippe, den i. und 2. Maxillen, welche alle verwachsen sind, gebildeten Mantel, in dem sich zwei Stechborsten (nach einer Auffassung die Mandibeln nach der anderen ein Fortsatz der Rezenle Insektengruppen. I. Maxillen) und ein unpaarer asymmetrischer Mundstachel (PEpipharynx oder eine Mandibel!) bewegen. Die Taster der i. Maxillen sind zwei- oder drei- gliedrig-, jene der 2. Maxillen zwei- oder viergliedrig. Fühler fadenförmig, aus sechs bis neun fast homonomen Gliedern bestehend. Prothorax frei, beweglich, der Meso- mit dem grosseren Metathorax ver- wachsen. Tergite gut entwickelt, Pleurite gross, Sternite gut entwickelt. Flügel (Taf. III, Fig. i, 2) immer sehr schmal mit nur wenigen, oder ohne Adern und meist sehr langen Fransen, endweder gleichartig, oder die vorderen derber. Oft rudimentär oder fehlend. Hinterflügel kleiner, ohne Anal- fächer. Ein kleines Analfeld oft abgegrenzt. Beine homonom, zum Laufen eingerichtet, kurz, Hüften massig entwickelt und weit voneinander entfernt. Tarsen ein- bis zweigliedrig mit zwei Klauen, zwischen denen sich ein blasenartiges Organ befindet. Abdomen aus zehn deutlichen Segmenten bestehend, das 10. oft röhren - artig verlängert, i. Tergit kurz und mit dem Thorax verbunden, 1. Sternit mehr oder weniger verkümmert. Tergite den Sterniten ähnlich. Im weib- lichen Geschlechte oft ein aus zwei Gonapophysenpaaren zusammengesetzter Legebohrer. Styli nicht erhalten. Tracheen mit Anastomosen. Zwei thorakale und zwei deutliche ab- dominale Stigmenpaare auf Segment zwei und acht. Die übrigen Stigmen wahrscheinlich rudimentär. Nervensystem konzentriert, das 2. und 3. thorakale Ganglion vereinigt, alle abdominalen zu einer Masse verschmolzen. Der Magen besteht aus zwei Abschnitten. Vier Malpighische Gefässe und 2 — 3 Paare von Speichel- drüsen. Hoden je eine kompakte Masse darstellend, mit gemeinsamem Duktus. Ausmündung hinter dem 9. Segmente. Ovarien aus je vier panoistischen Eiröhren bestehend, Eileiter unpaar, Receptac. seminis vorhanden. Ausmündung hinter dem S. oder 9. Segment. Jugendformen der Imago ähnlich, wie diese, Landbewohner. Entwicke- lung allmähhch, das letzte Stadium oft unbeweglich. Die Flügel werden aussen angelegt und entstehen allmählich- Furchung superfiziell : der Keimstreif stülpt sich von hinten nach vorne in den Dotter ein, so dass der Embryo ver- kehrt liegt; später folgt eine Umrollung. Terebrantia. $ auf Segment acht und neun mit je zwei Gonapophysen. Oberflügel mit zwei Längsadern und einer Ringader. Familien : Aeolothripidae, Thripidae. Tubulilera. 9 ohne Gonapophysen, das letzte Segment röhrenförmig. Flügel ohne Adern. Familie: Phloeothripidae. 2A Rezente Insektengruppen. IL Unterklasse: Blattaeformia m. I. Ordnung: Mantoidea m. . Meist grössere Landtiere von vorwiegend schlanker Gestalt und meist etwas flachgedrücktem K()rperbau. Massig stark chitinisiert. Mittelmässigc oder schlechte Flieger, Raubtiere. Kopf vertikal, frei beweglich, nicht in den Thorax eingesenkt. Komplex- augen und meist 3 Stirnaugen gut entwickelt. Mundteile zum Kauen einge- richtet. Mandibeln kräftig, i. Maxillen mit getrennten Laden und fünf- gliedrigem Taster, 2 Maxillen an der Basis mit einander verwachsen, je mit 2 Laden und dreigliedrigem Taster. Antennen aus zahlreichen homonomen Gliedern bestehend, meist faden- förmig und auf die Stirne hinaufgerückt. Prothorax immer verlängert und frei beweghch, oft seitlich erweitert, flach, aber nie den Kopf überragend. Meso- und Metathorax einander ziemlich gleich, mit breiten Tergiten und gut entwickelten Pleuriten und Sterniten. Flügel (Taf. II, fig. 5 — S) meist gut entwickelt, ungleichartig, in der Ruhe dem Abdomen flach aufliegend ; die vorderen meist stärker chitini- siert, mit mehr oder minder reich verzweigten Längsadern, zuweilen auch Schaltsektoren, zahlreichen, oft ein dichtes Netzwerk bildenden Queradern und in der Regrel gut durch eine bogenförmige Falte begrenztem Analfeld, in dem zahlreiche Adern erhalten sind. Hinterflügel zarter , mit mehr oder minder grossem Analfächer. Costa marginal, einfach, Subcosta bis nahe zur Spitze erhalten, Radius gegen die Flügelspitze zu einfach — oder mehrfach gegabelt, Medialis meist einfach gegabelt oder gar nicht verzweigt, Cubitus reichlicher verzweigt, Analadern zahlreich, ähnlich wie bei Blattiden , teils zum Hinter- rande, teils in den Vorderflügeln zur Analfalte verlaufend. Von den Beinen ist das erste Paar zu kräftigen Fangbeinen umgewandelt. Mittel- und Hinterbeine homonom, schlank, zum Laufen eingerichtet. Hüften gross, genähert, Tarsen fünfgliedrig. Abdomen mit 10 deutlichen Segmenten, deren Tergite und Sternite nahezu gleich entwickelt sind. i. Sternit reduziert. Gegliederte Cerci vor- handen. Im weiblichen Geschlechte sind die Sternite des S. und g. Segmentes eingestülpt und mit je 2 (lonapophysen versehen. Styli beim o in der ur- sprünglichen Form erhalten, beim 'i den Gonapophysen ähnlich. Tracheen mit Anastomosen, 2 thorakale und 8 abdominale Stigmen- paare. 3 thorakale und 7 aljdominale Ganglien getrennt. Darm mit Kropf Kaumagen und s cökalen Divertikeln ; Speicheldrüsen und viele Älalpighische Gefässe vorhanden. Hoden getrennt, ebenso die aus zahlreichen panoistischen Röhren be- stehenden Ovarien. Die Eier werden in einer Kapsel (Ooihek) eingeschlossen. Jugendformen der Imago ähnlich, Landbewohner. Sie entwickeln sich ohne Ruhestadium und bekommen die Flügel allmählich. Rezente Iiisektengruppen. Keimstreif superfiziell, überwachsen; Involution unter Ausbildung eines kontinuierlichen Amnion-Serosasackes, der später gesprengt wird. Ohne Keim- hautblastem. Familie: Älantidae (mit mehreren Unterfamilien). 2. Ordnung: Blattoidea m, (Oothecaria Verb. p. p.) Mittelgrosse bis grosse von Vegetabilien und animalischen Substanzen lebende Landtiere von meist gedrungener Gestalt und flachgedrücktem Körper, mit massig — oder stark entwickeltem Chitinpanzer. Schlechte oder mittelmässige Flieger. Kopf vertikal, in den Thorax eingesenkt. Komplex- augen gut entwickelt. Drei oder zwei Stirnaugen mehr oder weniger gut entwickelt. Mundteile zum Kauen eingerichet. Oberlippe nicht verlängert. Mandibeln kräftig. I. Maxillen mit getrennten Laden und fünfgliedrigem Taster, 2. Maxillen am Grunde mit einander verwachsen, am Ende getrennt, mit jederseits 2 getrennten Kaulappen und dreigliedrigem Taster. Antennen aus zahlreichen homonomen Gliedern bestehend, fast immer fadenförmig, auf der Stirne zwischen den Augen inseriert. Prothorax immer sehr gross und frei beweglich, oft sehr erweitert, den Kopf überragend, flach. Meso- und Metathorax ziemlich gleich, mit breiten Tergiten und gut entwickelten Pleuren und Sterniten. 4 Flügel (Taf. H, Fig. 9 — 17) meist gut entwickelt, in der Ruhe dem Abdomen flach autliegend, ungleichartig: die vorderen viel stärker chitinisierr, oft flügeldeckenartig, mit reich verzweigten Längsadern, meist zahlreichen Queradern und gut durch eine bogenförmige Falte begrenztem Analfeld, in welchem zahlreiche .\dern erhalten sind. Hinterflügel mit in der Regel stark entwickeltem Analfächer, zarter als die Vorderflügel. Vorderflügel: Costa redu- ziert und verkürzt, marginal, Subcosta gleichfalls verkürzt, manchmal gegen den Costalrand Aste aussendend, Radius mit zahlreichen gegen den Costalrand gerichteten Asten, Medialis nicht sehr reichlich verzweigt, oft reduziert, Cubitus vielfach verzweigt, seine Aste vorwiegend gegen den Spitzen- und Hinterrand gerichtet, Analadern zahlreich, vielfach verzweigt und oft anastomosierend, teils gegen die Analfalte, teils zum Hinterrande auslaufend. Die Hinterflügel mit ihrem Analfächer sind der Länge nach und bei einzelnen Formen auch der Quere nach faltbar. Beine kräftig, homonom, zum Laufen eingerichtet, Hüften gross, genähert, Tarsen fünfgliedrig. Das Abdomen besteht aus 10 freien Segmenten, deren Tergite und Sternite nahezu gleich gross sind. i. Sternit sehr reduziert. 11. Segment mit gegliederten Cerci. Im weiblichen Geschlechte sind die Sternite des 8. und g. Segmentes eingestülpt, ersteres trägt Gonapophysen, letzteres Gonapophysen und Styli. Im männlichen Geschlechte fehlen die Gonapophysen und das g. Segment trägt nur Styli. Tracheen durch Anastomosen verbunden. 2 thorakale und 8 abdominale Stigmenpaare. Ganglien getrennt, 3 im Thorax und mehrere im Abdomen. 20 Rezente Insektengruppeii. Verdauungstrakt mit Speicheldrüsen, mächtigem Kropf, Kaumagen und 8 cökalen Divertikeln des Chylusmagens, Malpighische (xefässe zahlreich. Hoden und Ovarien paarig, letztere mit :ini('rl. Rezente Insektengruppen. Ambly cera. Meso- und Metanotum getrennt , Fühler verborgen , keulenförmig oder geknöpft, Mandibeln horizontal, Taster der 2. Maxillen vorhanden, Kropf ein- fach, sechs Hoden, jederseits 3 — 5 Eiröhren. Familien: Gyropidae, Liotheidae. Ischnocera. Meso- und Metanotum verschmolzen, Fühler frei, fadenförmig, Mandibeln vertikal, Taster der 2. Maxillen fehlend, Kropf mit Divertikel, vier Hoden, jederseits fünf Eiröhren. Familien: Trichodectidae, Philopteridae. 6. Ordnung: Siphunculata Meinert. (Pseudorhynchota Cholodk. Ano- plura Enderl.) Flachgedrückte kleine Ektoparasiten der Säugetiere, mit schwach oder massig entwickeltem Chitinpanzer, stets ohne Flügel. Kopf frei beweglich, horizontal, Komplexaugen auf eine einzige Linse reduziert, Stirnaugen fehlend. Mundteile zum Saugen eingerichtet. Alle 3 Kieferpaare stark modifiziert. Mandibeln stark reduziert. Das Stechorgan besteht nach Äleinert aus einem unpaaren F^ortsatz, dem Epipharynx und aus einem Hypopharynx, der aus 2 Lamellen zusammengesetzt ist; nach Enderlein wäre der unpaare Fortsatz als Hypopharynx zu deuten, an welchen sich 2 Paare von zarten langen Fortsätzen anschmiegen: die i. Maxillen und die Lobi interni der 2. Maxillen (Unterlippe). Nach Enderlein soll auch eine kurze häutige Unterlippe vor- handen sein und an den Seiten der Mundöffnung (bei Phthirius) je ein rudi- mentärer Labialpalpus, der aber weit von der Unterlippe abgerückt ist. Die Nahrung gelangt, ohne durch das von den oben erwähnten Organen gebildete Rohr zu gehen, direkt in den Ösophagus. Fühler mit wenigen (5) homonomen Gliedern. Thorakalsegmente nicht geschieden und ihre Teile nicht differenziert. Beine homonom, zum Anklammern geeignet, Hüften weit von einander entfernt. Tarsen aus einem Gliede bestehend. Abdomen mit g freien oft nur schlecht geschiedenen Segmenten. I. Ventralplatte reduziert. Tracheen mit Anastomosen, i mesothorakales und 6 abdominale Stigmenpaare. 3 sehr genäherte Ganglien in der Thorakalregion. Darm mit grossem, vorne zweilappigem Magen. 4 Malpighische (jefässe. Hoden getrennt, Ovarien getrennt mit wenigen (5) polytrophen Eiröhren und mit Anhangsdrüsen. Genitalöffnung unpaar, im S. resp. g. Segment gelegen. Jugendformen der Imago sehr ähnlich, von gleicher Lebensweise. Keim- streif immers, invaginiert. Familie: Pediculidae. Rezente Insektengruppen. III. Unterklasse: Hymenopteroidea m. I. Ordnung: Hymenoptera L. Landtiere von sehr verschiedener Grösse und Form, meist flach oder Z3dindrisch, seltener kompress, mit vorwiegend stark entwickeltem Chitin- panzer und Flugvermögen. Teils Pflanzen-, teils Fleischfresser. Kopf frei beweglich, meist vertikal, selten horizontal. Komplexaugen fast immer sowie die 3 Stirnaugen gut entwickelt. Mundteile ursprünglich zum Kauen eingerichtet, sekundär durch Ver- längerung einzelner Teile oft zu saugenden umgewandelt. Mandibeln immer entwickelt, oft mächtig. i. Maxillen mit verschmolzenen Laden und 1—6 gliedrigem Taster, j. Maxillen mit untereinander verwachsenen Stipites und Innenladen, welch letztere oft zu einer langen Zunge ausgebildet .sind; Aussenladen als mehr oder weniger lange Paraglossen isoliert, Taster I — 4gliedrig. Fühler verschiedenartig, fast immer vielgliedrig ; entweder borstenförmig oder gekniet, geknöpft, gekämmt usw., nahe dem Mundrande inseriert, oft aber mehr oder weniger weit auf die Stirne und zwischen die Augen hinaufgerückt. Prothorax gut entwickelt, aber nie stark flächenartig erweitert; sein Sternalteil mit den Beinen frei beweglich, das Tergit mit dem Mesothorax fest verbunden. Mesothorax am grössten. Tergite, Pleurite und Sternite gut entwickelt und meist differenziert. A'Ietathorax am kleinsten, fest mit dem Mesothorax verbunden. Nur der Mesothorax mit indirekten Flugmuskeln. Flügel (Taf. III, Fig. 8—17) gleichartig, zarthäutig, die hinteren immer kleiner als die vorderen, mit denen sie fast immer durch eigene Haftapparate verbunden sind. In der Ruhe werden die Flügel oft gefaltet und in der Regel flach über das Abdomen gelegt. Das Geäder zeichnet sich durch wenig verzweigte Längsadern und wenige Queradern aus. ]\Ieist ist ein Flügelmal vorhanden. Analfeld der Hinterflügel nicht fächerartig vergrössert. Häufig sind die Flügel sehr reduziert oder sie fehlen ganz. Vorderflügel : Costa marginal, massig entwickelt und kurz, Subcosta einfach, Radius kräftig entwickelt, mit einem ungefähr in der ]\Iitte ent- springenden Sektor. Medialis reduziert, in den basalen Teil des Radius auf- genommen. Cubitus gut entwickelt, in zwei Äste geteilt. Analfeld durch eine Falte abgetrennt, mit höchstens zwei Adern. Die Längsadern .sind durch eine beschränkte Zahl von Queradern verbunden, so dass grosse Zellen ent- stehen. Hinterflügel mit mehr reduziertem Geäder, ihr Analfeld etwas grösser. Reduktionen der Adern häufig. Beine meist homonom, zum Laufen eingerichtet, seltener die Vorderbeine zu Raubbeinen oder anderweitig modifiziert. Hüften genähert, massig gross und frei, Tarsen normal fünfgliederig, selten mit weniger Gliedern. Abdomen aus 10 deutlichen Segmenten bestehend, mit eingliedrigen, oder ohne Cerci; das i. Sternit nie ausgebildet, das 1. Tergit immer mit dem Metathorax eng verbunden (Mittelsegment). Hinter dem i. Segment ist ent- weder keine Einschnürung oder das 2. Segment ist mehr oder weniger ver- schmälert, oft dünn, stielartig. I^ie Tergite .sind stets grösser als die Sternite. Rezente Inselctengruppen. 3 j Im weiblichen Geschlechte treten meist Gonapophysen am 8. und 9. Segmente auf und sind entweder zu einem Legebohrer oder zu einem Giftstachel aus- gebildet. Styli nicht als solche erhalten, zu Gonopoden umgewandelt. Tracheen mit Anastomosen, 2 thorakale und 8 abdominale Stigmenpaare. Ganglien getrennt, 2—3 im Thorax und 3 — 7 im Abdomen. Darm mit Kropf und oft auch Kaumagen. Speicheldrüsen und zahlreiche, selten nur wenige (bis 6) Malpighische Gefässe. Hoden paarig, verschieden gestaltet. Ovarien paarig, mit zahlreichen polytrophon Eiröhren. Rezeptakulum und Anhangsdrüsen m.eist entwickelt. Jugendformen Landbewohner oder Parasiten , entweder raupen- oder madenförmig, in ersterem Falle mit thorakalen und ö — 8 Paar abdominalen Extremitäten und Augen, in letzterem Falle ohne Beine und Augen, aber stets mit gut entwickeltem Kopf, beissenden Mundteilen. Nymphe ruhend, freigliedrig. Flügelscheiden werden erst im Nymphenstadium gebildet. Leben von Pflanzen oder von Tieren, sehr oft als Entoparasiten. Entwickelung mit oder ohne Keimhautblastem. Keimstreif superfiziell, überwachsen. Involution unter Amputation beider Embryonalhüllen. I. Unterordnung: Symphyta. Larven raupenförmig. Hinterleib hinter dem i. Segmente nicht abge- schnürt, sitzend. Familien: Tenthredinidae, Siricidae. 2. Unterordnung: Apocrita. Larven madenförmig. Flinterleib immer hinter dem i. Segmente abge- schnürt. (Alle anderen E^amilien). IV. Unterklasse: Coleopteroidea ra. 1. Ordnung: Coleoptera L. emend. Degeer. Land- oder Wasserbevvohner von sehr verschiedener Gestalt und Grösse, mit in der Regel stark entwickeltem Chitinpanzer, seltener weichhäutig. Vor- wiegend flach oder mehr zylindrisch, selten kompress. Flugvermögen meist gering oder mittelmässig. Kopf meist frei, seltener in den Prothorax eingesenkt, von massiger Beweglichkeit, vertikal oder horizontal. Komplexaugen in der Regel, Stirn- augen selten ausgebildet. Mundteile typisch zum Kauen eingerichtet. Mandibeln fast immer kräftig. I. Maxillen mit einer oder mit zwei Laden und i — 4gliedrigem Taster, selten die Laden zu einem Saugrohr umgewandelt (Nemognatha). Stipites der 2. Maxillen unter einander verwachsen, die Laden getrennt oder verwachsen, Taster 1 — 3gliedrig. Antennen in der Regel vielgliedrig (bis zu 50 Glieder), sehr verschieden- artig, selten homonom. Oft ist die Zahl der Glieder durch Verschmelzung- sehr reduziert (bis zu einem Glied). Insertion verschieden. Rezente Insektengruppen. Prothorax, als Halsschild stark entwickelt, frei. Mesothorax meist kleiner als der Metathorax, dieser lang und gross, die hauptsächlichen Flugmuskeln enthaltend. Tergite. Pleurite und Sternite gut entwickelt. Flügel (Taf. III, I'ig. i8 — 2S) immer ungleichartig, die vorderen zu mehr oder weniger dicken Flügeldecken umgewandelt, ohne deutliches Geäder, nicht gekreuzt und in der Ruhe das Abdomen bedeckend. Hinterflügel zum Fliegen geeignet, der Länge nach und meist auch der Quere nach faltbar, mit sehr spezialisiertem Geäder. Oft sind die Flugorgane mehr oder minder reduziert, selten fehlen sie ganz. Im Vorderflügel sind die Tracheen der Analadern bis auf die erste, welche den Hinterrand der Flügeldecken bildet, rückgebildet; die Costa ist schwach entwickelt und die Medialis häufig stark reduziert, Subcosta, Radius und Cubitus sind immer gut entwickelt aber schwach oder gar nicht ver- zweigt. Der Verlauf der ursprünglichen Adern ist meist nur ontogenetisch nachweisbar, bei den fertigen Insekten fast immer durch die sekundär ge- bildeten Rippen etc. stark verwischt. Im Hinterflügel ist die Äledialis gleich- falls stark zurückgebildet, Radius und Cubitus dagegen stark entwickelt und meistens gegabelt; Analadern fast immer stark entwickelt. Beine sehr verschieden gebaut, in der Regel homonom und zum Laufen eingerichtet , manchmal die vorderen zum Graben, die hinteren oft zum Springen oder Rudern geeignet. Tarsen vorwiegend fünfgliedrig, seltener vier- oder dreigliedrig, manchmal sogar noch weiter reduziert. Abdomen mit 8 — 9 deutlich erhaltenen freien Segmenten. Die Tergite in der Regel schwächer entwickelt als die Sternite. 1. Sternit selten erhalten, oft auch das 2. nicht ausgebildet. Cerci fehlen der Imago (oder sie sind sehr stark umgewandelt?), Penis mit Parameren (oder Gimnpoden?), Gonapo- physen kommen bei dem § vor. Tracheen mit Anastomosen, 2 thorakale und in der Regel is abdominale Stigmenpaare; manchmal sind letztere zum Teil reduziert, Nervensystem verschiedenartig, entweder mit getrennten Ganglien oder mehr minder konzentriert, in einzelnen Fällen bis auf zwei Knoten. Darm verschiedenartig. Speicheldrüsen und 4 — 6 Malpighische Gefässe vorhanden. Hoden einfach oder zusammengesetzt. Anhangsdrüsen. .Samenblasen. Gemeinsamer Ductus. Ovarien aus zahlreichen Eiröhren bestehend, mit zahlreichen Nährkammern (menMstisch) oder mit einer endständigen Nährkammer, welche durch Stränge mit den Eiern in Verbindung bleibt. Jugendformen sehr verschiedenartig, pro- oder hypognath, meist mit kauenden Mundteilen, selten mit Saugzangen. Campodea- ähnlich, asseiförmig, engerling- oder madenförmig; mit oder ohne Thorakalbeinen, aber immer mit deutlich entwickeltem Kopf. Taster meist vorhanden, selten jene der 2. JMaxillen fehlend, Land- oder Wasserbewohner, in letzterem Falle oft mit Tracheenkiemen. Immer tritt ein Ruhestadium ein, in welchem die Flügel zur Entwickelung gelangen. Nymphe meist freigliederig, selten mumienartig. Zuweilen eine Hypcr- mctamorphose. Rezente Insektengruppen. ■,-, Entwickelung mit Keimhautblastem. Keimstreif vorwiegend superfiziell, vorne überwachsen, hinten invaginiert. Involution teils durch Ausbildung eines kontinuierlichen Amnion-Serosasackes, teils unter ausschliesslich dorsaler Zurückziehung des Amnions. Unterordnung: Adephaga (viele Familien;. Unterordnung: Polyphaga (viele Familien). 2. Ordnung: Strepsiptera Kirby. Kleine Landbewohner, durch parasitische (in Hymenopteren) Lebensweise stark modifiziert und sexual dimorph. Die o mit starkem Flugvermögen, die 9 zur Madenform rückgebildet. o" : Kopf frei, vertikal, mit Komplexaugen. Mundteile reduziert, Mandibeln und i. Maxillen erhalten, die 2. Maxillen atrophiert. Fühler aus vier heteronomen Gliedern bestehend. Prothorax sehr klein, ebenso der mit dem grossen Metathorax verbundene Mesothorax. Tergite, Pleurite und Sternite entwickelt. Flügel (Taf. III, Fig. 29) ungleichartig, die vorderen sehr reduziert, die hinteren gross, mit fächerartigem Geäder ohne Queradern und der Länge nach faltbar. Beine homonom, mit viergliedrigen Tarsen. Abdomen sehr klein, deutlich segmentiert, ohne Cerci. Tracheen mit Anastomosen. Ganglienkette zu drei Knoten konzentriert. Darm sehr reduziert; keine Malpighischen Gefässe entwickelt. Zwei Hoden mit Vas deferens und kurzer gemeinsamer Vesica und Ductus. 9 : Madenförmig , in der Larvenhaut verbleibend, mit vollständig atro- phierten Mundteilen und Extremitäten, ohne Augen und mit nur zwei Stigmen. Kopf nicht differenziert. Darm sehr reduziert, Malpighische Gefässe fehlend. Die Genitalien bestehen anfangs aus zwei langen Schläuchen , an denen die Eier unregelmässig sitzen. Später liegen die Eier im Fettkörper verstreut und entwickeln sich daselbst. Die Embryonalentwickelung erfolgt im Leibe der Mutter, Alle Kerne wandern an die Oberfläche und bilden ein Blastoderm, welches sich an einem Pole zusammenzieht. Keimstreif immers. Serosa sehr dünn und später ganz verschwindend. Amnion kommt nicht zur Ausbildung. Larven anfangs cam- podeoid mit Extremitäten und Augen. Sie werden nach dem Einwandern in das Wohntier madenförmig. Die ruhende Nymphe des o bleibt in der Larven- haut; Flügel entwickeln sich erst während des Nymphenstadiums. Familie: Stylopidae. V. Unterklasse: Embidaria m. I. Ordnung: Embioidea Kusnezow. (Oligoneura Börner, Adenopoda Verb.) Mittelgrosse schlanke, etwas flache Landtiere mit schwach oder mittel- mässig entwickeltem Chitinpanzer, mit schwachem oder ohne Flugvermögen. Handliräch, Die fossilen Insekten. 3 34 Rezente Insektengruppen. Leben? von Pflanzenstoffen. Kopf fast horizontal, frei uad beweglich, mit schwach entwickelten Komplexaugen und ohne Stirnaugen. Mundteile zum Kauen eingerichtet, Alandibeln gut entwickelt, i. Maxillen mit zwei getrennten Laden und fünfgliedrigem Taster, 2. MaxiUen mit unter- einander verwachsenen Stipites mit je zwei Laden und dreigliedrigem Taster. Fühler nahe dem Mundrande inseriert, mit zahlreichen (15 — 24) homonomen Gliedern. Thorax schlank, depress ; Prolhorax klein, frei, Mäso- und Matathorax einander ähnlich und gross, beweglich und einfach gebaut. Tergite, Pleurite und Sternite entwickelt. Flügel (Taf III, Fig. 30, 31) meistens nicht entwickelt, nur beim j oft vorhanden, gleichartig, häutig, nicht abfallend und fast gleich gross, mit ziem- lich reduziertem Geäder, wenigen Längs- und Qaeradern. Analfeld klem, nicht abgegrenzt, nie fächerartig vergrössert. Costa einfach, marginal, Subcosta ein- fach, ebenso der Radius, dessen Sector aber gegabelt. Medialis einfach oder gegabelt, ebenso der Cubitus. Nur ein oder zwei Analadern vorhanden. Mittel- und Hinterbeine homonom, Hüften klein, weit voneinander ent- fernt, Tarsen dreigliedrig. Vorderbeine mit Spinnorgan im vergrösserten 1. Tarsengliede. Abdomen fast zylindrisch, schlank, mit zehn deutlichen Segmenten. I. Sternit mit dem Metathorax verwachsen, Tergite etwas grösser als die Sternite. Ein- bis zweigliedrige Cerci. 9 ohne Gonapophysen. Tracheen mit Anastomosen; zwei thorakale und acht abdominale Stigmen- paare. Drei thorakale und sieben abdominale Ganglien getrennt. Darm gerade, mit Kropf und Kaumagen. Speicheldrüsen und zahlreiche (bis über 20) Malpighische Gefässe vorhanden. Hoden mit je fünf Lappen, grosse Samenblase und gemeinsamer Ductus. Ovarien mit je fünf kurzen unilateral angeordneten Eiröhren und einer Spermothek. Jugendformen der Imago ähnlich, Landbewohner, phytophag. Entwickelung allmählich ohne Ruhestadium. Eientwickelung nach Melander ähnlich wie bei Orthopteren. Familie: Embidae. VI. Unterklasse: Perloidea m. I. Ordnung: Perlaria m. (Plecoptera Burm.) Mittelgrosse schlanke Landbewohner mit massigem Flugvermögen und schwach entwickeltem Chitinpanzer. Raubtiere. Kopf frei, nicht stark beweg- lich, fast horizontal, Komplexaugen klein, zwei oder drei Stirnaugen. ]\Iundteile frei, prognath, kauend ; Mandibeln oft verkümmert : i. Maxillen mit getrennten Laden und fünfgliedrigem Taster; 2. Maxillen mit meist ganz verwachsenen Stipites, getrennten, oft rudimentären Laden und dreigliedrigen Tastern. Fühler einfach, borsten- oder schnurförmig, mit vielen homonomen Gliedern, nahe dem Mundrande vor und unter den Augen inseriert. Rezente Insektengruppen. ^ r Prothorax gross und frei beweglich, nicht über den Mesothorax. ver- längert. Meso- und Metathorax gleichartig, getrennt, ziemlich gross; ihre Tergite gut entwickelt, ebenso die Pleurite und Sternite. Indirekte Flug- muskeln entwickelt. Die vier Flügel (Taf. IV, F"ig. i — 6) fast immer gut ent- wickelt, gleichartig, zarthäutig, ohne Haftapparat und in der Ruhe gefaltet über dem Abdomen liegend. Hinterflügel meist kürzer, aber durch stärkere Entwickelung des .Vnal (achers in der Regel mehr in der Fläche entwickelt als die vorderen. Weder Nodus noch Flügeldreieck entwickelt, keine Kreuzung der Adern. Analfeld meist durch eine Falte gut geschieden, Queradern meist in massiger Zahl ausgebildet, unregelmässig. Costa marginal, nicht verzweigt, Subcosta verkürzt, nicht bis zur Spitze reichend, einfach, Radius einfach, sein Sector meist näher der Basis entspringend, init einem oder mehreren schief nach hinten abzweigenden Asten. Medialis einfach oder mehrfach gegabelt, ebenso der Cubitus. Die 3 Beinpaare homonom, schlank, zum Laufen eingerichtet. Hüften klein, einfach, weit voneinander entfernt, Tarsen dreigliedrig. Abdomen schlank mit lo deutlich entwickelten Segmenten. Tergite und Sternite nicht geschieden, einen geschlossenen Ring bildend, i. Sternit oft mit dem Thorax verwachsen; das ii. Segment trägt meist gut entwickelte und gegliederte, selten rudimentäre Cerci. Gonapophysen fehlen (o'' und 9). Teile des Telson gut entwickelt. Tracheensystem mit Anastomosen, 2 thorakale und 8 abdominale Stigmen- paare. Imago oft mit Resten larvaler Tracheenkiemen, die aber nicht mit Extremitäten homolog sind. Bauchkette aus drei thorakalen und 6 abdominalen getrennten Ganglien bestehend. Darm ohne Saug- und Kaumagen, mit grossem Ösophagus; Magen meist mit cökalen Divertikeln ; Speicheldrüsen vorhanden (2 Paar), 20 — 60 Mal- pighische Gefässe. Hoden resp. Ovarien entweder ganz getrennt, oder nur am Vorderende verwachsen oder an einem gemeinsamen Bogenrohr sitzend, letztere panoistisch (holoistisch), mit sehr vielen Tuben. Jugendformen im Wasser lehend, Raubtiere, der Imago ähnlich, mit thorakalen Tracheenkiemen. Die Flügel entstehen allmählich. Kein ruhendes Nymphen-Stadium. Familie: Perlidae (mit mehreren Unterfamilien). VII. Unterklasse: Libelluloidea m. 1. Ordnung: Odonata Fabricius. Mittelgrosse oder grosse, immer schlank gebaute Landbewohner mit stark entwickeltem Flugvermögen und massig starkem Chitinpanzer. Raubtiere. Kopf frei, vertikal, sehr beweglich, mit mächtig entwickelten Komplexaugen und 3 Stirnaugen. Mundteile kräftig, zum Kauen eingerichtet: Mandibeln gut entwickelt; i. Maxillen mit verwachsenen Laden und eingliedrigem Taster; 2. Maxillen mit einander verwachsen, mit teilweise freier Innenlade und einem zweigliedrigen Taster, dessen Grundglied mit der Aussenlade teil- 3* t5 Rezente Inselctengruppen. weise verschmolzen ist; ober den 2. Maxillen liegt ein als Zunge, Endolabium oder Hypopharynx bezeichnetes plattenartiges Organ. Fühler kurz, pfriemenförmig, mit dicken Basalgliedern und borstenförmigem (aus 7 — 8 Gliedern bestehendem) Endgliede, zwischen den Augen inseriert, auf die Stirn hinaufgerückt. Thorax eigenartig gebaut. Prothorax klein, frei beweglich, Meso- und Metathorax gleich gross und fest verbunden, mit sehr kleinen schmalen Tergiten und mächtig entwickelten Pleuriten und Sterniten. Indirekte Flugmuskeln fehlend oder rudimentär. Vier Flügel (Taf. IV, l'ig. 7 — ig) stets gut entwickelt, und nahezu gleich, ohne Haftapparat, glasartig aber nicht sehr zart, mit reichlichem netzartigem Geäder. Nicht fächerartig und in der Ruhe teils horizontal, teils aufrecht ge- halten, nie flach dem Abdomen aufliegend, nie gefaltet. Als charakteristisch sind zu bezeichnen, der stets deutliche Nodus (eine gelenkartige Einschnürung des Costalfeldes, welche das Ende der Subcosta bildet), das „Flügeldreieck" und die Kreuzung der vorderen Äste der Medialis durch den Sector radii. Costa marginal. Radius einfach, sein Sector mit mehr minder zahlreichen nach hinten abzweigenden Asten (Schaltsectoren). Das Anall'eld ist nie durch eine Gelenkfalte begrenzt und überhaupt nicht als selbständiges Flügelfeld zu unterscheiden. Schaltsectoren sind fast immer in grosser Zahl entwickelt und gegen die Spitze zu liegt zwischen Radius und Costa ein sogen. Flügelmal oder Pterostigma. Durch die Kreuzung der Adern weicht der Odonatenflügel von jenen aller anderen Insekten ab, und man findet nirgends eine solche Auf- einanderfolge der zu dem Spitzenrande laufenden Hauptäste: Costa, IMedialis i., Medialis 2., Sector Radii, Medialis 3., 4., Cubitalis i., 2. Die Analis zerfällt vor dem Rande in ein Netzwerk und ist bei der Imago meist nicht mehr als selb- ständige Ader zu unterscheiden. Die zahlreichen Oucradern stehen meist senk- recht auf den Hauptadern und bilden ein auffallend regelmässiges Netz. Drei Beinpaare gleichartig entwickelt, nie sehr kräftig und mehr zum Erfassen der Beute als zum Laufen geeignet. Hüften einfach, massig gross, weit nach vorne gerückt und einander genähert. Tarsen dreigliedrig. Abdomen immer lang und beweglich , seine Tergite grösser als die Sternite, auf die Ventralseite übergreifend. 10 Segmente deutlich entwickelt und frei. Sternit des i. Segmentes vorhanden. 11. Segment mit zwei aus je einem Gliede bestehenden Cerci. Telson gut entwickelt, die Afterklappen bildend. Im weiblichen Geschlechte trägt das y. und das g. Sternit 2 Gona- pophj^sen, letzteres oft auch Styli. Begattungsorgan des : von der Genital- öffnung getrennt, am 2. Sternite gelegen, das g. Segment mit verkümmerten oder ohne Gonopoden. Tracheensystem mit Längs- und Queranastomosen, 2 thorakale und S ab- dominale Stigmenpaare. Nervensystem sehr wenig konzentriert, die drei thorakalen Ganglien zu- sammenstossend, die 7 abdominalen getrennt. Kropf und Kaumagen entwickelt. 40 — 60 kurze INIalpighische Gefässe. Speicheldrüsen nicht sicher nachgewiesen. Hoden getrennt. Samenblase nicht entwickelt, Ausmündung der 3 Geni- talien am g. Segmente. Ovarien getreimt, panoistisch (holoistisch), aus sehr vielen unilateral angeordneten Tuben bestehend. Rezente Insektengruppen. ly Jugendformen im Wasser lebend, der Imago mehr oder weniger un- ähnlich, mit beissenden Mundteilen. z. Maxillen zu einer vorstreckbaren Fangzange (Maske) umgewandelt, Fühler kurz, wie bei der Imago. Oft mit abdominalen Tracheenkiemen, oder Darmkiemen. Flügel kommen allmählich zur Entwickelung. Kein ruhendes Nymphenstadium. Entvvickelung ohne Bildung eines Keimhautblastems, Keimstreif anfangs superfiziell , später immers invaginiert und teilweise superfiziell. Involution unter Ausbildung eines kontinuirlichen dorsalen Amnion-Serosasackes. Subordo : Anisozygoptera m. Familie: Neopalaeophlebidae m. Subordo : Zygoptera Aut. Familien: Calopterygidae, Agrionidae. Subordo: Anisoptera Aut. Familien: Gomphidae, Aeschnidae, Libellulidae. VIII. Unterklasse: Ephemeroidea m. I. Ordnung: Plectoptera Pack. (Agnatha Aut.) Meist mittelgrosse, schlanke Landbewohner, immer mit gutem Flugver- mögen, massig entwickeltem Chitinpanzer. Scheinen als Imago keine Nahrung aufzunehmen. Kopf frei , vertikal, nicht stark beweglich. Komplexaugen mächtig entwickelt, oft geteilt; drei Stirnaugen vorhanden, Mundteile rudimentär, hypognath, der Anlage nach kauend. Mandibeln oft fehlend oder rudimentär, niemals gut ausgebildet, i. Maxillen klein mit Taster. 2. Maxillen mit ver- wachsenem Stipes. Auch die beiden Innenladen verschmolzen, die Aussen- laden mit dem Taster verschmolzen. Fühler kurz, pfriemenförmig, mit i — 2 kurzen Basalgliedern und einer ungegliederten Endborste, nahe ober dem Mundrande inseriert. Prothorax klein, Mesothorax am grössten, Metathorax klein, die beiden letzteren fest verbunden. Tergite, Pleurite und Sternite des Mesothorax gut entwickelt und getrennt. Metathorax einem Abdominalsegmente ähnlich. Direkte und indirekte Flugmuskeln entwickelt. Flügel (Taf. IV, Fig. 20 — 22) stets vorhanden, zarthäutig, in aufrechter Stellung und nie über dem Abdomen gelagert. Vorderflügel immer gross, die Hinterflügel stets viel kleiner, oft rudimentär. Das Geäder ist sehr verschieden entwickelt, meist von ausgesprochen fächerartigem Typus. Häufig sind zahl- reiche Schaltsektoren (scheinbar aus Queradern entspringende oder nicht in sichtbarer Verbindung mit den Hauptadern stehende Längsaderäste) und reich- liche Queradern ausgebildet. Das Analfeld der Hinterflügel ist nicht fächer- artig vergrössert. Vorder- und Hinterflügel nicht durch Haftapparate verbunden. Analfeld an beiden Flügelpaaren nicht durch eine Gelenkfalte abgegrenzt. Costa marginal, Subcosta immer einfach, Radius einfach, Sector radii nahe der Basis entspringend, meistens in mehrere Äste geteilt. Mediana isoliert, schwach verzweigt. Cubitus gleichfalls mit einer oder mehreren Tg Rezente Insektengruppen. Gabeln. Analadern in verschiedener Zahl ausgebildet und oft mehrlach ver- zweigt, bogenförmig gegen den Hinterrand verlaufend. Selten sind alle Adern unverzweigt und keine Schaltsektoren entwickelt, in diesem Falle auch die Queradern sehr spärlich. Drei Beinpaare schwach entwickelt, zart. Die Hüften klein, einfach, jene des 2. und 3. Beinpaares weit getrennt. Tarsen i — 5gliedrig. Hinterleib stets schlank und fast zylindrisch, Tergite und Sternite fast gleich und durch eine Pleuralhaut getrennt, in welcher die Stigmen liegen. Sternit des i. Segmentes gut entwickelt. 10 Segmente gut ausgebildet, das II. mit zwei langen Cerci, ausserdem oft in einen gegliederten unpaaren Fortsatz verlängert. Im weiblichen Geschlechte sind keine Gonapophysen vorhanden, im männlichen Geschlechte finden sich auf dem g. Segmente zwei gegliederte Anhänge (die Styli) und ein geteilter Penis (ohne Parameren). Das Tracheensystem ist durch Längs- und Queranastomosen verbunden. 2 thorakale und S abdominale Stigmenpaarc. Ganglien getrennt. Der Darm dient bei der Imago als Luftballon ; weder Kropf noch Kau- magen sind deutlich entwickelt. Ungefähr 40 Malpigiiische Gelasse. Die Geschlechtsorgane haben paarigen Ausfuhrungsgang im Bereiche des 8. (d) oder q. (V) Segmentes. Es fehlen die ektodermalen Organe: Ductus ejaculatorius, Vesica, Vagina und Receptaculum. Die panoistischen (holoistischen) Ovarien bestehen aus einer grossen Zahl kleiner Tuben, die Hoden aus einfachen Säcken. Die Jugendformen leben im Wasser und sind in der Körperform der Imago ähnlich, oft sekundär stark modifiziert. Sie leben teils vom Raub, teils von Vegetabilien. Ihre Mundteile sind gut entwickelt, beissend. i. Maxillen mit verwachsenen Aussen- und Innenladen und viergliedrigem Taster. 2. Maxillen mit getrennten Laden und dreigliedrigem Taster, und ihre Stipites miteinander verwachsen. Darm gut entwickelt. Die jungen Larven sind Campodea-ähnlich mit vielgliedrigen Fühlern, bekommen oft erst nach vielen Häutungen die Flügelscheiden und abdominale Tracheenkiemen, die mit Extre- mitäten homolog sind, ^'or der letzten Häutung verlassen die Larven als ,,Subimago'' bereits fliegend das Wasser. Kein Ruhestadium. Keimstreif immers (invaginiert), kommt dann durch einen typischen LTmrollangsprozess wieder an die Oberfläche des Eies (ventral). Kein Keimhautblastem. Familie: Ephemoridae. IX. Unterklasse: Neuropteroidea m. 1. Ordnung: Megaloptera (Latr.) m. (Emmenognatha Borner p. p.) Mittelgrosse oder grosse schlanke Landtiere mit mittelmässigem Flug- vermögen und nicht sehr starkem Chitinpanzer. Räuber. Kopf gross, frei, nicht sehr beweglich und fast horizontal gerichtet. Komplexaugen gross, 3 Stirnaugen vorhanden oder fehlend. Mundteile zum Kauen eing-erichtet, prognath. Mandilieln kräftig, oft mächtig entwickelt (, ); i. Maxillen mit getrennten Laden und fünfgliedrigem Taster, 2. Maxillen mit untereinander verwachsenen Stipites und sehr redu- zierten Laden, dreigliedrigem Taster. Rezente Insektengruppen. ^q Fühler fadenförmig mit vielen homonomen Gliedern, oft mit Kamm- zähnen ; nahe dem Mundrande inseriert. Prothorax gross, frei, Meso- und RIetathorax ähnlich, nicht ganz fest verwachsen, die Tergite gross und gut differenziert, ebenso Pleurite und Sternite. Indirekte Flugmuskel entwickelt. Flügel (Taf IV, Fig. 23, 24, Taf V, Fig. i) stets vorhanden, beide Paare gleichartig, zarthäutig, die vorderen etwas grösser. Ohne Haftapparat. Analfächer der Hinterflügel nicht stark entwickelt, etwas gefaltet. In der Ruhe liegen die Flügel über dem Abdomen mehr oder minder (dachförmig) flach. Sie sind in der Regel durch das Vorhandensein vieler Queradern ge- kennzeichnet. Das Analfeld der Vorderflügel ist nicht oder mangelhaft be- grenzt und besitzt 3— 4 Längsadern. Nodus, Adernkreuzung und Flügeldreieck fehlen. Costa marginal, einfach; Subcosta einfach, bis nahe zur Spitze ent- wickelt; Radius einfach, der Sektor nahe der Basis entspringend, in mehrere, meist schief gegen den Spitzenrand verlaufende Äste geteilt. Medialis höchstens ein kurzes Stück an den Radius gelagert, sonst frei und mehrfach gegabelt. Cubitus einfach oder mehrfach gegabelt. Analadern in geringer Zahl entwickelt, einfach oder verzweigt und unregelmässig bogenartig gegen den Hinterrand gekrümmt. Keine Schaltsektoren und nur vereinzelte Gabelzinken. Stets zahl- reiche Queradern. Homonome Laufbeine mit ziemlich kleinen genäherten einfachen Hüften und fünfgliedrigen Tarsen. Abdomen schlank mit 10 normal entwickelten Segmenten, die Tergite und Sternite getrennt, fast gleich gross. Beim 9 sind keine Gonapophysen entwickelt. Eingliedrige Cerci. Sternit des i. Segmentes gut ausgebildet. Tracheen durch Längs- und Oueranastomosen verbunden; 2 thorakale und ö abdominale Stigmenpaare. 3 Ganglien im Thorax und 7 im Abdomen getrennt. Im Verdauungstrakt findet sich ein deutlicher Kropf, cökale Divertikel und 8 Malpighische Gefässe (bei Corydalis) oder keine Cöka und 6 Malpighische Gefässe (bei Sialis), auch ein Saugmagen kommt vor. Hoden paarig getrennt, mit sehr vielen kurzen rosettenförmig angeordneten Tuben, Samenblase (?) vor- handen, gemeinsamer Ductus. Die paarigen, getrennten meroistischen (telo- trophen) Ovarien zeigen gleichfalls sehr viele vielkammerige Eiröhren. Recep- taculum entwickelt. Geschlechtsöffnung einfach, im 8. (v) ^der g. (d') Segmente. Jugendformen im Wasser lebend, Raubtiere, campodeoid mit ähnlichen kauenden Mnndteilen, wie die Imago, und gut entwickelten Thorakalbeinen, einem Kaumagen und 8 Abdominalganglien. 7 Abdominalsegmente tragen gegliederte als Extremitäten zu deutende Tracheenkiemen, Oft ist ein un- paarer Analfortsatz entwickelt. Die Flügel entwickeln sich erst im ruhenden Nymphenstadium. Familie: Chauliodidae m. Familie: Sialidae Aut. 2. Ordnung: Raphidioidea mihi. (Emmenognatha Börner p. p.) Mittelgrosse schlanke Landtiere mit gut ausgebildetem Flugvermögen und massig starkem Chitinpanzer. Räuber. AO Rezente Insektengruppen. Kopf frei, gross, fast horizontal und ziemlich frei beweglich. Komplex- augen gut entwickelt, meist 3 Stirnaugen vorhanden. Mundteile zum Kauen eingerichtet, prognath, Mandibeln gut entwickelt, 1. Maxillen mit einfachem Kaulappen und fünfgliedrigem Taster, 2. Maxillen mit Einschluss der Laden verwachsen, mit dreigliedrigem Taster. Fühler knapp ober dem Munde vor den Augen inseriert, aus vielen homonomen Gliedern bestehend. Prothorax verlängert; Meso- und Metathorax einander ähnlich, nicht sehr fest verwachsen mit grossem Tergit, gut differenzierten Pleuriten und Sterniten. Indirekte Flugmuskeln vorhanden. Die vier Flügel (Taf. V, Fig. 2) gleichartig, zarthäutig, ohne Haftapparat, in der Grösse nicht sehr verschieden und in der Ruhe dachartig aufgestellt. Die Hinterflügel haben keinen fächerartigen Analteil. Vorderrand mit Flügel- mal. Zahlreiche Queradern und Gabelzinken, kein Nodus, keine Kreuzung und kein Flügeldreieck. Costa marginal, Subcosta bis zum Flügelmal reichend. Radius am Ende in mehrere Äste geteilt, ebenso der Sector Radii; Medialis an der Basis dem Radius angelagert, reichlich verzweigt, Cubitus mehrfach gegabelt, Analadern einige unregelmässige Zellen bildend, massig gross und nie fächerartig entwickelt. Beine homonom, zum Laufen geeignet, Hüften einfach, genähert, Tarsen fünfgliedrig. Abdomen schlank mit 10 deutlichen Segmenten, mit deutlich getrennten Tergiten und Sterniten. Sternit des i. Segmentes erhalten. 9 mit einer aus unpaaren Verlängerungen des 8. und 9. Sterniten gebildeten Legeröhre, an deren Ende kleine Styli zu sehen sind. Cerci nicht entwickelt. Tracheen durch Anastomosen verbunden, 2 thorakale und iS abdominale Stigmenpaare. 3 thorakale und 7 abdominale Ganglien getrennt. Verdauungstrakt mit Kropf, Speicheldrüsen und 6 Malpighischen (jefässen, von denen 4 grosse Schlingen bilden. Hoden resp. Ovarien getrennt, büschelförmig angeordnet, letztere aus einer grossen Zahl von polytrophen Tuben zusammengesetzt ; d' mit zwei grossen Samenblasen und einem gemeinsamen kurzen Ductus. 9 mit Recept. seminis. Die Jugendformen sind Landbewohner, der Imago ziemlich ähnlich, haben beissende Mundteile und atmen durch Stigmen, haben weder abdominale Extremitäten noch Cerci noch Tracheenkiemen. Die Flügel entwickeln sich während des letzten oder sogenannten Ruhestadiums, doch läuft die Puppe vor ihrer Häutung herum. Familie : Raphidiidae. 3. Ordnung: Neuroptera (L) m. (Megaloptera Börner.) jMeist schlanke Landtiere mit gut ausgebildetem Flugvermögen und massig starkem Chitinpanzer. Raubtiere. Kopf frei, vertikal gestellt, ziemlich beweglich. Komplexaugen gut ent- wickelt, drei Stirnaugen vorhanden oder fehlend. Mundteile zum Kauen ein- gerichtet, hypognath, Mandibeln gut entwickelt, i. Maxillen mit getrennten Rezente Insektengruppen. . j Laden und fünfgliedrig-em Taster; 2. Maxillen mit Einschluss der Laden ver- schmolzen, mit dreigliedrigem Taster. Fühler verschiedenartig, immer vielgliedrig: fadenförmig und homonom gegliedert, keulenförmig, geknöpft oder gekämmt. Sie sind ziemlich weit auf die Stirne hinaufgerückt und sitzen zwischen resp. vor den Augen. Prothorax frei, immer gut entwickelt, oft verlängert; Meso- und Meta- thorax nicht sehr fest verwachsen, gleichartig und fast gleich gross. Tergite gross, so wie die Pleurite und Sternite gut differenziert. Indirekte Flug- muskeln vorhanden. Flügel (Taf V, Fig. 3—1,5) gleichartig, zarthäutig und in der Regel gleich gross, ohne Haftapparat. Seltener sind die Hinterflügel reduziert oder stark modifiziert. In der Ruhe werden sie mit wenigen Ausnahmen dachartig über dem Abdomen gefaltet. Fächer der Hinterflügel nie entwickelt. Analfeld klein mit wenigen gegen den Hinterrand verlaufenden Adern. Fast aus- nahmslos sind die Längsadern reichlich verzweigt, durch zahlreiche oft regel- mässig angeordnete Queradern verbunden. Gabelzinken stark entwickelt; Nodus und Kreuzung der Längsadern fehlen. Flügelmal selten entwickelt. Die Costa marginal, Subcosta meist bis nahe zur Flügelspitze reichend, meist gegen die Costa zahlreiche Queradern oder Gabelzinken entsendend. Radius stets der Subcosta genähert, gegen die Flügelspitze in der Regel in Gabel, zinken zerfallend. Sector Radii mehr oder weniger nahe der Flügelbasis ent- springend, fast immer mit zahlreichen schiel nach hinten gerichteten Ästen, die immer in Gabelzinken auslaufen. Mediana meist weniger stark verzweigt, der Cubitus in der Regel viel reichlicher. Analfeld nicht begrenzt, mit wenigen unregelmässigen Adern. In seltenen Fällen sind die Längs- und Oueradern auf eine sehr geringe Zahl reduziert (Coniopterygidae). Beine in der Regel homonom, zum Laufen eingerichtet, selten die Vorderbeine zu Raubbeinen umgewandelt; Tarsen fünfgUedrig. Hüften einfach, nicht geteilt, massig klein und genähert. Abdomen meist lang und schlank. Tergite und Sternite ziemlich gleich. Sternit des i. Segmentes reduziert oder fehlend. Keine Cerci; 9 ohne Gonapophysen. Im männlichen Geschlechte trägt das 10. Segment Anhänge, die aber nicht als Cerci zu deuten sind, sondern? als Gonopoden resp. Styli. Manchmal ist eine ähnliche Legeröhre vorhanden, wie bei Raphidien, die aus unpaaren Verlängerungen der y. und 9. Ventralplatte besteht. Tracheen durch Anastomosen verbunden. 2 thorakale und y abdominale Stigmenpaare. 3 thorakale und 7 abdominale Ganglien getrennt. Verdauungstrakt ohne cökale Divertikel. Kropf und Speicheldrüsen, oft auch ein kleiner Kaumagen und ein Saugmagen entwickelt. 8 Malpighische Gefässe. Hoden paarig, mit getrenntem Vas deferens, gemeinsamer Samenblase und kurzem Ductus. Ovarien polytroph, aus jederseits ca. S — 12 unilateral angeordneten Tuben bestehend, mit kurzer gemeinsamer Vagina und An- hangsdrüsen. Jugendformen vorwiegend Landbewohner, seltener im Wasser lebend und dann mit ähnlichen Tracheenkiemen, wie jene der Megaloptera versehen. Rezente Insektengruppen. Thorakalbeine entwickelt. Mundteile zu sogenannten Saugzangen ausge- bildet, welche dadurch entstehen, dass jederseits eine Mandibel und die 1. Maxille zusammen ein Saugrohr bilden. Die i. Maxillentaster fehlen. 2. Älaxillen klein, aus zwei tastertragenden Lappen bestehend. Ein Teil der Malpighischen Gefässe fungiert als Spinndrüse. Nymphen teils ruhend, teils beweglich. Die Flügel werden erst im Nymphenstadium gebildet. Familien: Dilaridae, Osmylidae, Polystoe chot idae, Sisyridae, Nymphesidae, Hemerobidae (Berothinae, Hemerobinae, Psy- chopsinae), C oniopterygidae, Chrysopidae, Mantispidac, Nemo- pteridae, Myrmeleonidae (Myr meleoninae, Ascalaphinae). X. Unterklasse: Panorpoidea m. ' I. Ordnung: Panorpatae Brauer. (Mecaptera Aut.) Meist mittelgrosse schlanke Landtiere, vorwiegend gute Flieger mit massig entwickeltem Chitinpanzer. Räuber. Kopf frei beweglich, vertikal, fast immer schnabelartig nach unten ver- längert. Komplexaugen gut entwickelt , 3 Stirnaugen oder keine. Mundteile kauend, Mandibeln klein, an das Ende des Rüssels vorge- schoben. 1. Maxillen lang, mit getrennten Laden und fünfgliedrigem Taster, j. Maxillen mit ihren Stipites verwachsen; Laden je einen kleinen Lappen bildend, Taster zwei oder dreigliedrig. Fühler auf die Stirne hinaufgerückt, vor resp. zwischen den Augen sitzend, homonom vielgliedrig. Prothorax klein, frei, Meso- und Metathorax gross mit gut entwickelten Tergiten, grossen Pleuriten und gut differenzierten Sterniten. Indirekte Flug- muskeln entwickelt. Flügel (Taf V, Fig. 16 — iS) gleichartig, zarthäutig, selten fehlend. In der Ruhe über dem Abdomen flach ausgebreitet. Vorderflügel nicht oder kaum grösser als die Hinterflügel, beide Paare sehr ähnlich, meist langgestreckt; Fächer der Hinterflügel nicht entwickelt, Analfeld meist schmal und nicht abgegrenzt. In der Regel sind wenig Queradern ausgebildet und die Längs- adern bilden keine Gabelzinken. Kein Nodus. Costa marginal, Subcosta einfach, meist nicht bis zur Flügel.spitze reichend. Radius einfach oder nur am Ende gegabelt, sein Sektor mehr oder minder nahe der Basis entspringend, mehrfach gegabelt. Medialis gleichfalls mehrfach gegabelt, Cubitus in der Regel nur einfach gegabelt, Analadern oft sehr reduziert. Beine homonom, zum Laufen oder Klettern geeignet: Hüften gross, frei nach unten gerichtet, genähert und deuthch der Länge nach geteilt. Tarsen fünfgliedrig. Abdomen in der Regel schlank, die Tergite und Sternite an den vorderen Ringen ähnlich, i. Sternit reduziert aber frei. Cerci erhalten, beim V mehr- ghedrig-, beim o eingliedrig. 2 Gonapophysen '? oder Gonopoden des V klein, verborgen; o mit grossen Gonopoden des 9. Segmentes. Tracheensystem durch Anastomosen verbunden; 2 thorakale und 8 ab- dominale Stigmenpaare. 3 thorakale und (> abdominale Ganglien getrennt. Verdauungstrakt ohne cökale Divertikel, ohne Saugmagen, mit Kaumagen Rezente Insektengruppen. ^^ (resp. behaartem Proventrikulus), mächtigen Speicheldrüsen und 6 Malpighi- schen Gefässen. Hoden paarig, sehr gross, mit Erweiterungen der Vasa deferentia und gemeinsamem kurzem Ductus. Ovarien meroistisch, polytroph mit wenigen Nährzellen, bilden 2 Büschel mit massig vielen unilateral angeordneten Tuben. Receptaculum seminis und Anhangsdrüsen vorhanden. Jugendformen sind Landbewohner, raupenähnlich mit thorakalen und abdominalen Extremitäten, beissenden Mundteilen. Raubtiere oder Aasfresser. IManche spinnen mit Hilfe der Speicheldrüsen einen Kokon. Eamilien: Bittacusidae, Panorpidae, Meropidae, Boreidae. 2. Ordnung: Phryganoidea m. (Trichoptera Aut.) Meist mittelgrosse, schlanke Landtiere. East durchwegs sehr gute Flieger mit massig entwickeltem Chitinpanzer. Wahrscheinlich phytophag. Kopf frei, vertikal gestellt, beweglich. Komplexaugen stark entwickelt, ebenso meist 3 Stirnaugen. Mundteile dem Typus nach kauend, hypognath. Mandibeln rudimentär oder fehlend, i. Maxillen klein, unter einander so wie mit den verwachsenen 2. Maxillen durch eine Membran verbunden, einen Kanal bildend, welcher oben durch die Oberlippe abgeschlossen wird. Laden der I. Maxillen einfach, Taster 3 — 5 gliedrig. Laden der 2. Maxillen zu einer einheitliclien Zunge verwachsen. Taster dreigliedrig. Antennen aus vielen meist homonomen Gliedern bestehend; sie sitzen ziemlich weit oben auf der Stirne. Prothorax frei, klein. Meso- und Metathorax einander ähnlich, nicht ganz fest verwachsen. Ersterer etwas grösser, mit mächtiger Elugmuskulatur. Tergite und Pleurite gross und gut differenziert, Sternite kleiner, am Pro- und Metathorax oft nicht chitinisiert. Flügel (Taf. V, Fig. 19 — 23) gleichartig, zarthäutig, stark behaart. Hinter- flügel mit den vorderen durch Haftorgane verbunden, oft grösser als diese und meist mit grossem gefalteten Analfächer. In der Ruhe liegen die Flügel dach- artig über dem Abdomen. Das Geäder zeichnet sich durch massige Verzweigung der Längsadern und stets wenige Queradern aus. An den Vorderflügeln ist das Analfeld meist gut begrenzt, oft durch eine Gelenkfalte geschieden und enthält nur wenige Adern. Costa marginal, Subcosta bis nahe zur Elügelspitze reichend, Radius einfach, sein Sektor nahe der Basis entspringend und in mehrere Äste geteilt, Medialis in der Regel mehrfach, Cubitus nur einfach ge- gabelt. Hinterflügel selten, noch seltener auch die Vorderflügel reduziert. Beine homonom. Hüften gross, nach unten abstehend, genähert und der Länge nach geteilt. Tarsen fünfgliedrig. Hinterleib massig lang, mit fast gleich grossen Tergiten und Sterniten. i. Sternit meist nicht chitinisiert nur an den Seiten deutlich, d"' g. Segment mit ein- oder zweigliedrigen Gonopoden. 10. Segment manchmal mit Cerci (Rhyacophila). 9 : Gonapophysen fehlend oder sehr klein. Tracheen mit Anastomosen. 2 thorakale und 8 abdominale Stigmenpaare. Nerven nicht stark konzentriert. Verdauungstrakt mit Speicheldrüsen, Kropf und 6 Malpighischen Ge- fässen. Kein Kaumagen, keine cökalen Divertikel, kein Saugmagen. ^^ Rezente Insektengruppen. Hoden getrennt, Samenblasen paarig, Ductus gemeinsam und kurz. Ovarien meroistiscli (polytroph) aus je 30—46 unilateral angeordneten Ei- röhren bestehend. Mit Anhangsdrüsen. Jugendformen im Wasser lebend, Sackträger, engerlingartig, mit gut entwickelten Thorakalbeinen, ohne Abdominalbeine, mit Hafthaken am Hinter- ende, kauenden Mundteilen, gut entwickelten Tastern und büschelförmigen abdominalen Tracheenkiemen. Die Speicheldrüsen fungieren als Spinnapparat. Die ruhende Nymphe besitzt die Flügelscheiden und Oberkiefer. Pflanzen- fresser oder Räuber. Der Keimstreif ist superfiziell, überwachsen. Involution unter ausschliess- licher dorsaler Zurückziehung der Serosa und Amputation des Amnion. Zahlreiche Familien. 3, Ordnung: Lepidoptera L Landbewohner mit fast immer gut entwickeltem Flugvermögen. Von sehr verschiedener Grösse und meist mit massig starkem Chitinpanzer. Pflanzenfresser. Kopf vertikal, hinten weit offen und von massiger Beweglichkeit. Komplexaugen gut entwickelt, oft ausserdem 2 Stirnaugen. Mundteile meist zum Saugen eingerichtet. Mandibeln nur selten (Eriocephaliden) gut ent- wickelt, meist fehlend oder rudimentär, i. Maxillen entweder mit getrennten Laden (Mikropterygiden) oder es bilden die beiden (äusseren ?) Laden zusammen ein Saugrohr. Manchmal sind die 1. Maxillen sehr reduziert (Hepialiden). Taster o — Ogliedrig. 2. Maxillen verschmolzen, meist häutig und reduziert, ihre Taster dreigliedrig. Antennen auf die Stirne gerückt, zwischen und vor den Augen inseriert, vielgliedrig (homonom oder heteronom) ; faden-, knöpf-, säge- oder kammartig. Thoraxsegmente fest verbunden. Prothorax kurz. Meso- und Meta- thorax entweder gleich (Tineinen) oder ersterer grösser (Makrolepidoptera). Mit direkten und indirekten Fluqmuskcln. Tergite gross, ebenso die Pleurite und Sternite. Prothorax oft mit beweglichen ^Vnhängen (Patagia). Flügel (Taf VL Fig. i — 13) gleichartig, zarthäutig und mit Schuppen bedeckt. Vorderflügel fast immer grösser. Hinterflügel oft faltbar meist durch Haken an die Vorderflügel befestigt, ihr Analfächer nicht oder kaum entwickelt. In der Ruhe werden die Flügel flach oder dachartig über das Abdomen ge- legt oder flach ausgebreitet oder vertikal aufgerichtet und mit der Oberseite aneinandergelegt. Längsadern stark ausgebildet, aber nur massig verzweigt, yueradern spärlich vertreten. Selten sind die Flügel verkümmert oder ganz rückgebildet. Analfeld meist gut kenntlich, mit wenig Adern. Durch das .Vus- fallen des Basalteiles einer Längsader entstehen meist grössere Mittelzellen. Costa marginal, Subcosta einfach, ebenso der Radius, dessen Sektor im Vorderflügel in der Regel mit 4 Asten, in den Hinterflügeln meist mit einer geringeren Zahl. Aledialis meist in 3, seltener in 2 Äste gespalten oder einfach, ihr Basalteil meist verloschen, Cubitus in der Regel einfach gegabelt. I — 2 Analadern. Sämtliche Adern .sind gegen den Spitzenrand orientiert und strafft. Rezente Insektengruppen. ac Beine homonom, zum Laufen eingerichtet. Hüften gross, genähert, der Länge nach geteilt. Tarsen fünfgliedrig, selten reduziert. Abdomen mehr oder weniger schlank, aus g gut entwickelten Ringen und einem rudimentären lo. bestehend. Tergite und Sternite ähnlich, Stigmen in der Pleuralhaut. i. Sternit nicht chitinisiert. Weder Cerci noch Styli ent- wickelt. V ohne Gonapophysen. o mit Gonopoden. Tracheen durch Anastomosen verbunden. 2 thorakale und 7 oder S ab- dominale Stigmenpaare. Nervensystem bis zu einem gewissen Grade konzentriert; die 3 thorakalen Ganglien meist genähert. Von den abdominalen Knoten sind höchstens fünf zu unterscheiden ; häufig ist der 2. und 3. verschmolzen. Darm ohne cökale Divertikel, mit Kropf oder gestieltem Saug-magen, ohne Kaumagen. In der Regel 6 Malpighische Gefässe oder 2 geteilte, oder nur 2 einfache, oder jederseits ein baumartig verzweigtes. Speicheldrüsen. cf: Hoden getrennt oder sekundär verwachsen oder paarig in gemeinsamer Hülle, aus je 4 (atavistisch 2) Follikeln bestehend, 2 Vasa deferentia und ge- meinsamer Ductus, der im g. Segment mündet. Anhangsdrüsen getrennt oder verwachsen. V : Ovarien mit je vier oder mehr polytrophen Tuben. Die Ovi- dukte vereinigen sich und münden im 9. Segmente nach aussen , die Kopu- lationstasche und das Receptaculum getrennt davon am 8. oder sie sitzen mit einem Stiel an der Vagina. Jugendform raupenförmig mit beissenden Mundteilen, an denen alle Kieferpaare und die Taster zu unterscheiden sind. 2 — 6 Malpighische Gefässe. 2 Kopf-, 3 Brust- und 7 getrennte Abdominalganglien. Spinndrüsen mit Speicheldrüsen homolog. Thorakalbeine und meist auch Extremitäten an einer verschiedenen Zahl der Abdominalsegmente; selten keine Beine. Sie sind vorwiegend Landbewohner, selten im Wasser lebend (Tracheenkiemen!) und nähren sich vorwiegend von Pflanzen, selten von tierischen Substanzen. Nymphe ruhend mit Flügelscheiden und mei,st angeklebten, selten (Tineiden) teilweise freien Gliedmassen. Entwickelung mit Keimhautblastem. Keimstreif immers, überwachsen. Involution unter Amputation beider Embryonalhüllen. Zahlreiche Familien. 4. Ordnung: Diptera L I. Unterordnung: Orthorrhapha Brauer. Kleine bis mittelgrosse Landtiere von sehr verschiedener, vorwiegend schlanker (Eucephala) oder mehr gedrungener Gestalt, mit massig starkem Chitinpanzer, fast ausnahmslos gute Flieger. Landtiere (seltener auf der Ober- fläche des Wassers lebend). Räuber, Parasiten oder Pflanzenfresser. Kopf meist vertikal, frei beweglich, mit gut entwickelten Komplexaugen und meist drei Stirnaugen. Ohne Stirnblase, ohne Spalte und ohne Lunula ober den Fühlern. Mundteile orthognath oder hypognath, saugend; sie bestehen im Prinzip aus einer verlängerten Oberlippe, einem unpaaren Hypopharj^nx mit dem Ausführungsgang der Speicheldrüsen, 2 borstenförmigen freien, oft reduzierten oder mit der Oberlippe verwachsenen Mandibeln, 2 borstenförmigen I. Maxillen mit stets gut entwickeltem mehrgliedrigem Taster und aus den ,(j Rezente Insektengruppen. zwei verwachsenen 2. Maxillen, deren Taster entweder gut ausgebildet oder rudimentär sind. Häufig sind einzelne Teile mehr oder weniger reduziert. Fühler verschiedenartig, homonom vielgliedrig oder aus einer geringeren Zahl heteronomer Glieder bestehend ; immer auf die Stirne hinaufg-erückt. Prothorax klein und mit dem Mesothorax fest verbunden; dieser mächtig entwickelt und mit den grossen indirekten Flugmu.skeln versehen ; Metathorax mit dem Mesothorax fest verbunden, klein, ringförmig. Tergite gut differenziert, Pleurite gross und deutlich differenziert. Von den Flügeln (Taf VI, Fig. 14 — 28) ist das i. Paar fast immer ent- wickelt, zarthäutig, das 2. Paar zu den sogen. Halteren oder Schwingkölbchen umgewandelt. Die Vorderflügel fehlen selten , die Halteren nie. Die Flügel sind durch geringe Verzweigung der Längsadern und das Vorhandensein nur weniger Queradern gekennzeichnet; ihr Analteil ist schwach entwickelt und enthält nur wenige Adern. In der Ruhe werden die Flügel meist flach oder dachartig über das Abdomen gelegt, seltener ausgebreitet. Costa marginal, Subcosta einfach, Radius einfach, sein Sektor gegabelt. Medialis ein- oder zweifach gegabelt, Cubitus einfach gegabelt. Analteil selten durch eine Falte abgegrenzt, mit i — 2 Längsadern, oft ganz rudimentär. Die Beine sind vorwiegend zum Laufen eingerichtet, homonom, selten die Vorderen metamorphosiert. Hüften einfach, massig gross und genähert; 5 Tarsenglieder. Abdomen mit chitinisiertem, oft sehr reduziertem Sternit des i. Segmentes. Tergite und Sternite getrennt. In der Regel 10 Segmente deutlich. Im weib- lichen Geschlechte treten Gonapophysen (oder? Gonnpoden) auf. Cerci in der Regel erhalten, o' mit Gonopoden. Tracheen durch Anastomosen verbunden; 2 thorakale und 8 abdominale Stigmenpaare. Ganglien entweder getrennt oder die thorakalen verschmolzen ; im Ab- domen 4 — s Knuten getrennt. Verdauungstrakt mit Speicheldrüsen, die in den Hypopharynx münden, mit Saugmagen und 4 ( — 5 Culex!) Malpighischen Gefässen. Kein Kaumagen erhalten. Oft cökale Divertikel. Hoden getrennt, verschieden gebildet. Vesica einfach, doppelt oder fehlend. Ductus gemeinsam. Ovarien getrennt, mit sehr vielen kurzen ein- oder mehrkammerigen panoistischen (selten) oder polytrophen Röhren; (meist) 3 Receptactila vorhanden. Jugendformen teils Land-, teils Wasserbewohner, teils Parasiten, sehr verschieden gebaut. Von Extremitäten sind zuweilen ein thorakales Beinpaar und alxiominale Fussstummel erhalten, meist fehlen sie aber ganz, Kopf ent- weder entwickelt (Eucephala) mit beissenden Mundteilen, oder nicht differenziert und nur eine Schlund- oder Kieferkapsel erhalten. Kiefertaster oft vorhanden, Lippentaster immer fehlend. Kaumagen manchmal vorhanden. Flügelscheidcn erst in der Nymphe aussen sichtbar. Nymphe mumienartig mit angeklebten GHedern, manchmal in der Larvenhaut bleibend. Diese letztere öffnet sich bei der Häutung der Länge nach T förmig auf der Dorsalseite des Thorax. .Spinndrüsen kommen vor. Die Atmung der Larven ist verschiedenartig und erfolgt entweder durch zahlreiche Stigmenpaare oder nur durch zwei Paare Rezente Insektengruppen. n-7 oder durch das hinterste Paar allein. Die Wasserbewohner holen Luft an der Oberfläche. Entwickelung mit Ausbildung eines Keimhautblastems ; Keim- streif superfiziell, überwachsen, Involution unter ausschliesslich dorsaler Zurück- ziehung der Serosa und Amputation des Amnion. (Die Larven vermehren sich manchmal paidogenetisch). Zahlreiche Familien. 2. Unterordnung: Cyclorrhapha Brauer. Kleine bis mittelgrosse Landtiere, von verschiedener, vorwiegend aber gedrungener Gestalt, meist mit massig starkem Chitinpanzer; vorwiegend gute Flieger. Landtiere. Phytophag oder karnivor oder Parasiten. Kopf meist vertikal, selten horizontal, sehr frei beweglich mit meist gut entwickelten Komplexaugen und in der Regel drei Stirnaugen. Meist mit Stirnblase und Lunula. Mundteile vorwiegend hypognalh, selten prognath, saugend, oft rudimentär. Mandibeln nie frei, Oberlippe immer ziemlich reduziert, ebenso die i. Maxillen. Taster meist vorhanden. 2. Maxillen am besten ausgebildet mit oft mächtigen Labellen (? = Taster). Fühler nie homonom vielgliederig, sondern immer aus einigen kurzen dicken Grundgliedern und borstenförmigen Endgliedern bestehend. Prothorax selten frei, meist klein und mit dem grossen Mesothorax fest verbunden ; Metathorax kleiner als der Mesothorax, ringförmig und fest ver- wachsen. Tergite und Pleurite gut entwickelt. Flügel (Taf. VII, Fig. 29 — 32) des Mesothorax zarthäutig, mit wenigen, zum Teil farblosen Längsadern und wenigen Queradern. Analfeld sehr redu- ziert; Hinterflügel zu Halteren umgewandelt. Beide Flügelpaare manchmal reduziert, oder leicht abfallend, oder fehlend. Costa marginal, Subcosta und Radius einfach, oft verkürzt, Sector gegabelt, ebenso die Medialis und Cubi- talis. Analadern schwach entwickelt. Queradern fast ganz fehlend. Beine homonom, zum Laufen geeignet, selten die Vorderbeine umge- wandelt. Hüften einfach, massig gross und meist genähert. Tarsen in der Regel fünfgliedrig. Abdomen oft verkürzt, durch Einziehung einiger Segmente. Tergite oft mächtig entwickelt und die Sternite dann sehr reduziert, i. Sternit meist vorhanden. Cerci kommen vor. o" mit Gonopoden. Tracheensystem mit Anastomosen. 2 thorakale und 7 — 8 abdominale Stigmenpaare. Ganglienkette immer konzentriert, oft bis auf einen oder zwei Knoten vereinigt. Darm fast immer mit Saugmagen, ohne Kaumagen, oft mit cökalen Divertikeln und mit 4 Malpighischen Gefässen. Speicheldrüsen. Hoden getrennt. Samenblase vorhanden. Ovarien getrennt, mit vielen kurzen mehrkammerigen polytrophen Röhren. 1—3 Receptacula. Bei Pupiparen sind die Ovarien reduziert und bestehen aus je 2 Eiröhren. Jugendformen immer Maden ohne differenzierten Kopf und ohne Ex- tremitäten, mit als ,, Mundhaken" bezeichneten Kiefern. Atmen durch ein oder zwei Stigmenpaare. AJ^ Rezente Insektengruppen. Landbewohner oder Parasiten, selten im Wasser lebend, selten im Leibe der Mutter zur Entwickelung gelangend (Pupipara). Nymphe freigliedrig zart, verbleibt in der tonnenartig erhärteten Larvenhaut, mit der sie in vitaler Verbindung steht. Die Larvenhaut öffnet sich durch Absprengung eines Deckels, der die 4 — 5 vorderen Segmente umfasst und schon bei der Larve angedeutet ist. Entwickelung mit iVusbildung eines Keimhautblastems. Keimstreif super- fiziell, überwachsen. Zahlreiche Familien. 5. Ordnung: Suctoria Degeer. (^ Siphonaptera = Aphaniptera.) Kleine temporär auf Warmblütern parasitische Landtiere, stets flügellos, mit meist sehr kompressem, stark chitinisiertem Körper und in der Regel starkem Sprungvermögen. Kopf klein, infolge einer platten artigen Erweiterung des Hinterhauptes nicht sehr beweglich; zwei, jedenfalls als an die Seite gerückte Stirnaugen zu bezeichnende einfache ^Vugen und keine Komplexaugen. Wundteile saugend, fast prognath. Sie bestehen aus einem unpaaren langen Org-an, welches den Saugkanal nach oben begrenzt und nach Kräpelin und Heymons als Oberlippe, nach Oudemans als Hypopharynx aufzufassen ist, aus zwei langen Mandibeln, welche das Saugrohr seitlich umschliessen und nach Kräpelin je eine Rinne für den Speichel enthalten (während Oudemans die Speicheldrüsen in dem unpaaren Organ ausmünden lässt), ferner aus den zwei ersten Maxillen, welche kurz ohrmuschelförmig abstehen und in der Konkavität einen viergliedrigen Taster tragen. Die 2. Maxillen sind miteinander verwachsen und tragen am Ende die aneinanderliegenden niehr(3)gliedrigen Taster. Fühler kurz und dick, an die Seiten des Kopfes gerückt (hinter und unter den Augen), aus zwei basalen und etwa 10 zu einer Keule vereinigten Geisseigliedern bestehend. Thoraxsegmente frei, nicht verschmolzen, nahezu gleich gebildet. Beine, namentlich die hinteren, sehr kräftig, zum Springen eingerichtet. Die Hüften gross, frei, genähert und nicht geteilt. Tarsen fünfgliedrig. Hinter- leib kompress, die Tergite und Sternite nahezu gleich gross. Sternit 1 nicht entwickelt, g Segmente deutlich. '+ mit Anhängen (Gonapophysen?) o' mit Gonopoden. Eingliedrige Cerci vorhanden. Tracheensystem mit Anastomosen. 2 thorakale und S abdominale Stigmenpaare. Nervensystem nicht konzentriert. 3 thorakale und ö abdominale Ganglien. Darm ohne Saugmagen, mit muskulösem Proventriculus , der innen Chitinzähne trägt. 4 Malpighische Gefässe. Speicheldrüsen. Hoden paarig. Keine Samenblase. Anhangsdrüsen und gemeinsamer Ductus entwickelt. Ovarien aus je 5 vielkammerigen panoistischen Eiröhren (ohne Nähr- kammern) bestehend. Vagina mit mehreren Receptaculis und Anhangs- drüsen. Rezente Insektengruppen. ^n Jugendform: Peripneustische Made ohne Beine mit beissenden Mund- teilen, mit gegliederten Kiefertastern aber rudimentären Lippentastern. Nymphe ruhend, freigliedrig. Die Larve lebt nicht parasitisch sondern von Abfällen und spinnt einen Kokon. Familie : Pulicidae mit mehreren Unterfamilien. XL Unterklasse: Hemipteroidea m. 1. Ordnung: Hemiptera (L.) m. (Heteroptera Aut.) Land- oder Wasserbewohner von sehr verschiedener Grösse und Gestalt, vorwiegend flach, seltener mehr zylindrisch. Mit massig oder schwach ent- wickeltem Flugvermögen. Von Pflanzen- oder Tiersäften lebend. Kopf frei, aber nicht sehr beweglich, meist horizontal, selten vertikal, mit in der Regel gut ausgebildeten Komplexaugen und meistens auch Stirnaugen. Mundteile zum Saugen eingerichtet, prognath aber meistens nach hinten zurückgeschlagen , daher oft scheinbar hypognath, Sie bestehen aus einer verlängerten Oberlippe und mehr oder minder borstenförmig verlängerten Mandibeln und ersten Maxillen, welche zusammen ein Saugrohr bilden und in der aus den in der Mittellinie verwachsenen mehrgliedrigen 2. Maxillen gebildeten Rüsselscheide eingeschlossen sind. Taster der i. Maxillen fehlen, jene der 2. Maxillen nicht als solche differenziert, die Fortsetzung des Stammes bildend. Fühler immer mehrgliedrig (homonom oder heteronom), nicht auf die Stirne hinaufgerückt und immer ziemlich nahe dem Mundrande inseriert. Prothorax breit und gross, frei, Mesothorax grösser als der Metathorax und fest mit demselben verwachsen, oft allein mit indirekten Flugmuskeln versehen. Tergite gut entwickelt, ebenso die Pleurite und Slernite. Flügel (Taf. VIF Fig. i — 11) verschiedenartig. Die Vorderflügel fast aus- nahmslos in der Basalhälfte stärker chitinisiert, deckenartig. In der Ruhe liegen sie fast immer flach, selten dachartig über dem Abdomen und sind bei makropteren Formen immer gekreuzt. Analteil fast immer als gut entwickeltes Feld (Clavus) geschieden, aber nie mehr als zwei Adern enthaltend. Die Hinter- flügel sind mit den vorderen verbunden und haben einen stärker entwickelten Analteil. Sie sind manchmal mit einem Gelenk versehen und doppelt faltbar Beine entweder homonom, zum Laufen geeignet, oder die vorderen zu Fang-, Grab- oder Haltbeinen, die hinteren zu Sprung- oder Schwimmbeinen umgewandelt. Hüften massig gross, meist genähert, seltener weit von einander abstehend. Tarsen normal dreigliedrig, seltener durch Reduktion zwei- oder eingliedrig. Hinterleib aus 10 deutlichen freien Segmenten bestehend, Segment 1 1 und 1 2 fast immer erhalten, die Tergite und Sternite gleich gross , oder letztere grösser. Sternit des i. Segmentes nicht entwickelt. Cerci fehlen. 9 in der Regel mit je einem Gonapophysenpaare auf Segment 8 und g. Styli selten als solche erhalten, meistens beim d' zu Gonopoden, beim 9 zu Gona- pophysenähnlichen Organen umgewandelt. Handlirsch, Die fossilen Inseklen. 4 cQ Rezente Insektengruppen. Tracheen mit Anastomosen. 2 thorakale und S abdominale Stigmen- paare meist gut entwickelt, seltener einzelne verschlossen oder rudimentär. Ganglien zu einem oder zwei Komplexen verschmolzen. Darm verhältnismässig einfach, ohne Saug- und Kaumagen, ohne Divertikel und ohne Schlinge. Speicheldrüsen mächtig entwickelt. Malpighi- sche Gefässe immer vorhanden , aber nie mehr als 4 , die oft zu Schlingen verbunden sind. Ovarien getrennt, büschelförmig, aus einer verschieden grossen Zahl vielkanimeriger telotropher Röhren bestehend. Receptaculum seminis und Anhangsdrüsen in der Regel vorhanden, Genitalöffnung des y im Bereiche des 8. Segmentes, jene des o im Bereiche des 9. Hoden getrennt, sehr ver- schieden gestaltet, meist aus vielen Lappen bestehend. Anhangsdrüsen vorhanden. Jugendformen der Imago ähnlich, von gleicher Lebensweise wie diese. Entwickelung allmählich, ohne Ruhestadium. Embryonalentwickelung mit Keimhautblastem. Keimstreif immers oder invaginiert; Involution unter Ausbildung eines kontinuierlichen Amnion- Serosasackes. 1. Unterordnung: Gymnocerata. Mehrere Familien. 2. Unterordnung: Cryptocerata. Mehrere Familien. 2. Ordnung: Homoptera (Leach) m. Landbewohner von sehr verschiedener Grösse und Bauart, seltener flach- gedrückt , meist mehr zylindrisch oder etwas komprimiert. Mit meistens massig oder schwach entwickeltem Flugvermögen. Häufig durch Pflanzen- parasitismus mehr oder minder reduziert und in larvaler Form fortpflanzungs- fähig werdend. Kopf fast ohne Beweglichkeit, breit an dem Thorax sitzend, vertikal. Mit meist gut ausgebildeten, seltener auf einzelne Linsen reduzierten Komplex- augen und meistens entwickelten Stirnaugen. Mundteile hypognath, unter die Brust zurückgeschlagen und oft sogar zwischen die Vorderbeine hinuntergerückt, sonst ganz ähnlich gebildet wie bei den Hemipteren : verlängerte Oberlippe, borstenförmig verlängerte Alandibeln und I. Maxillen ohne Taster, zu einer Scheide verwachsene mehrgliedrige 2. Maxillen. Selten sind die Mundteile rudimentär (Coccidae j ). P'ühler fast ausnahmlos heteronom gegliedert. Sie bestehen in der Regel aus einigen grösseren Grundgliedern und einer mehr oder minder deutHch segmentierten Borste, seltener aus mehreren oder zahlreichen gleichartigen Gliedern. Prothorax frei, gross, oft mächtig entwickelt und zu verschiedenen bizarren Formen ausgebildet (Membracidae). Mesothorax und Metathorax fest verbunden mit gut entwickelten Tergiten, Pleuriten und Sterniten. Rezente Insektengruppen. c j Flügel (Taf. VII, Fig. 12 — 23, Taf. VIII, Fig. i — 11) gleichartig oder in geringerem Masse verschiedenartig; die vorderen selten derber und decken- artig, häufiger zarthäutig. In der Ruhe werden die Flügel flach oder dach- artig über dem Abdomen gefaltet, in ersterem Falle oft gekreuzt; selten (Coccidae) werden sie aufrecht gehalten. Das Analfeld ist meist gut entwickelt und enthält im Maximum vier Adern. Oft ist es bei den mehr reduzierten Formen fast ganz atrophiert. Hinterflügel mit den vorderen verbunden , oft grösser und etwas fächerartig erweitert, oft gleich entwickelt wie die vorderen (Psyllidae Aleurodidac) oder kleiner (Aphididae) oder ganz rudimentär (Cocci- dae). Costa marginal, Subcosta und Radius häufig verschmolzen. Medialis frei, ebenso der Cubitus. Die Verzweigung dieser Adern ist eine ungemein verschiedenartige. Queradern meistens vorhanden , selten in sehr grosser Zahl ausgebildet. Beine entweder homonom, zum Laufen eingerichtet, oder die hinteren zu Sprungbeinen umgewandelt. Hüften entweder vergrössert und genähert oder kleiner und mehr oder weniger weit von einander entfernt. Tarsen mit I — 3 Gliedern. Abdomen entweder aus 12 deutlichen Segmenten bestehend oder einige von den letzten Ringen nicht ausgebildet. Tergite und Sternite gleich gross oder erstere grösser. Sternit des i. Segmentes meist erhalten aber klein. Cerci fehlen. V meist mit zwei Paar gut entwickelten Gonapo- physen, seltener ohne solche. Styli selten in ursprünglicher Form erhalten, meistens in den Dienst der Genitalien einbezogen (Gonopoden), selten fehlend. Tracheen mit Anastomosen. 2 thorakale Stigmenpaare vorhanden und in der Regel 8 abdominale, doch tritt bei letzteren eine von hinten nach vorne fortschreitende Reduktion ein, so dass sie oft gar nicht zur Entwickelung kommen (Coccidae pars!) Ganglien auf einen oder zwei Komplexe konzentriert. Darm stark verlängert, der Dünndarm eine lange Schlinge bildend und meist zu einem geschlossenen Ringe verwachsen. Speicheldrüsen nicht sehr mächtig- entwickelt. Saug- und Kaumagen fehlt. Malpighische Gefässe in der Vierzahl erhalten, oder nur ein Paar vorhanden, oder ganz fehlend. Ovarien getrennt, aus einer verschiedenen Zahl telotropher, mehr- kammeriger Röhren bestehend. Hoden getrennt. Genitalöffnungen wie bei Heteropteren im Bereiche des 8. (V) resp. 9. (cT) Segmentes. Jugendformen der Imago ähnlich, meist von gleicher Lebensweise. Entwickelung allmählich, manchmal (Cocciden : , Aleurodiden) mit Einschaltung eines oder mehrerer Ruhestadien, doch werden die P"lügel auch in diesen Fällen im Verlaufe mehrerer Häutungen angelegt. Keimstreif invaginiert, Involution unter Ausbildung eines kontinuierlichen A mnion-Serosasackes. Keimhautblastem. Unterordnungen: Auchenorhyncha, Psylloidea, Aleurodoidea, Aphi- doidea, Coccoidea. Mit zahlreichen Familien. II. ABSCHNITT. PALÄOZOISCHE INSEKTEN. I. Kapitel. Präearbonisehe Formationen. Bereits vor dem Beginne der paläozoischen oder primären Formations- gruppe, in der Eo- oder Archäozoischen Formation, finden sich vereinzelte Tierformen, welche ausschliesslich den marmen Protozoen ( Radiolarien), Cölenteraten, Echinodermen, Würmern (Anneliden), Mollusken, Molluskoiden und Arthropoden angehören sollen')- Landpflanzen und Landtiere, speziell Arthropoden scheinen in jener Periode noch nicht vorhanden gewesen zu sein. Auch in den tiefsten Schichten der paläozoischen Formationsgruppc, in der Canabrischen Formation, wurden noch keine Landtiere gefunden, denn alle bisher entdeckten Tierformen waren Meeresbevvohner. Es waren vorwiegend Trilobiten und Brachiopoden, ausserdem Phyllocariden , Ostracoden, Phyllo- poden, Gastropoden, Lam.ellibranchiaten, Cephalopoden, Anneliden, Cystideen Crinoideen, Graptolithiden, Korallen, Spongien , Quallen und Radiolarien. Von Pflanzen sind nur Cyanophyceen und Rhodophyceen -) bekannt. Man nimmt an, dass in jener Zeit ein grosses zusammenhängendes, von Europa nach dem östlichen Nordamerika ziehendes Meer bestand, welches im Norden von einem ausgedehnten Kontinent und im Süden von einer geschlos- senen Landmasse — dem afrikanisch-brasilianischen Kontinente begrenzt war. Ein zweites riesiges Becken, das pacifische, lag im Westen und beherbergte eine von jener des östlichen Beckens abweichende Eauna. Ausserdem scheint noch ein drittes grosses Meer über Australien und Indien verbreitet gewesen zu sein. Klimatische Unterschiede sind nicht nachgewiesen. Wir wenden uns nun zur ältesten Formation, in welcher landbewohnende Lebewesen nachgewiesen wurden. Silurische Formation. In den tieferen Schichten dieser Formation fand man bisher von Pflanzen nur marine Formen (Cyanephyceen, Rhodophyceen, Chlorcphyceen, Phaeo- 1) Von deuen aber nur die erstgenannten ganz sicher festgestellt sind. 2) Nach freundlichen Mitteilungen Prof. Dr. Fridol. Krassers. 56 Präcarbonische Formationen. phyceen), in den höheren scheinen jedoch bereits Reste von Gef ässkr yp to- gamen, also von Landpflanzen vorzukommen. Die Fauna war eine vorwiegend marine und bestand aus Radiolarien, Foraminiferen, Hydroiden (Graptolithiden), Korallen, (Juallen, Crinoiden, Cys- toiden, Asteroiden, Echinoiden, Ophiuroiden, Brachiopoden , Bryi^zoen, Gastro- poden, Cephalopoden, Pteropoden, Lamellibranchiaten, Scaphopoden, Placo- phoren, Anneliden und Arthropoden (Trilobiten, Gigantostraken , Xiphosuren, Phyllopoden, Ostracoden, Phyllocariden, Cirripedien). Von Landtieren wurden bereits Arachniden (Skorpione) gefunden. Die Wirbeltiere waren ausschliess- lich durch Fische vertreten. Man nimmt an , dass in der oberen Silurzeit ein grosser periarktischer Ozean sich von Europa über einen grossen Teil Nordamerikas ausdehnte. Ausserdem soll auch ein grosses mediterranes Meer gewesen sein. Auf der ganzen Erde dürfte gleichmässiges und warmes Klima geherrscht haben. Zwei Fofjsilien aus der Silurzeit wurden als Insekten gedeutet: Palaeoblattina Douvillei Brongniart. (Taf. VIII, Fig. 12.) Fundort : Jurques in Frankreich. Mittleres Sihir. Palaeoblattina Douvillei, Brongniart, C. R. XCIX. p. 1164. I885. Palaeoblattina Douvillei, Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. 55. t 3. f. 4. 5. 1885. Palaeoblattina Douvillei, Brauer, Annalen. Hofmus. Wien. I. 104. t. 8 I. :o. 1S86. Palaeoblattina Douvillei, Agnus, C. R. CXXXVIII. 398. 1904. Dieses von Brongniart für einen Blaltiden-Flügel gehaltene Fossil wurde von Brauer „die Insektennatur vorausgesetzt" mit Gryllotalpiden verglichen. Von anderer Seite wurde das Objekt für einen Teil eines Trilobitenbeines an- gesprochen und auch ich leugne die Insektennatur desselben auf das Ent- schiedenste. Nach einer neueren Mitteilung ist auch Herr Agnus, der das Original neuerdings untersucht hat, dieser Meinung, denn er erkennt in dem Fossil einen Genalfortsatz eines Trilobiten (Asaphidae). Protocimex siluricus Moberg. (Taf. VIII, Fig. 13, 14.) Fundort: Graptolithschiefcr von Killeroed in Schweden. Silur. Protocimex siluricus, Moberg, Geol. Foren. StocUholm. XIY. 121 Fig. 1S92, Dieses Fossil zeigt bei oberflächlicher Betrachtung allerdings einige Ähn- lickeit mit einem Insektcnflügel. Es ist em kleines, kaum i cm langes, schuppen- ähnliches Gebilde mit einem kurzen Stiel, von dem aus einige Längsfalten zu beiden Seiten der Mittellinie über die Fläche ziehen. Wirkliche Adern resp. Flügelrippen sind nicht zu sehen. Das Original, welches mir durch freundliches Entgegenkommen des Herrn Prof. Moberg von dem Geologiska Byran in Stockholm zur Untersuchung zugeschickt wurde, liegt auf einer Platte in Gesellschaft von Graptolilhen. Die Schuppe ist der Quere nach durch einen Riss in zwei Teile getrennt und zum Teil von einem Fragmente eines zweiten ähnlichen Gebildes überlagert. Dadurch kommen einige scheinbare Flügelzellen zu.stande, welche Herrn Pro- fessor Reuter veranlassten , in dem Objekte einen capsidenähnlichen Hemi- pterengügel zu finden ! Präcarbonische Furmationen. ry Professor Moberg teilt mir brieflich mit , dass er nur durch das Urteil einiger Entomologen dazu verleitet wurde, dieses Fossil als Hemipterenflügel zu deuten, trotzdem sei er aber nicht sicher, ob nicht ein ,,Lusus naturae" vorliege. Zu dieser letzteren Ansicht bin auch ich gelangt. Es sind also in der Silurperiode noch keine Insekten nachgewiesen. Die von mehreren Autoren der Silurperiode zugezählten Insektenreste aus St. John in New Brunswig werden im nächsten Kapitel zur Besprechung gelangen. Devonische Formation. Zu dieser Zeit hatte das Meer eine ausserordentlich grosse Verbreitung. Es bestand ein grosser eurasischer Ozean von Europa nach Osten über grosse Teile Nord- und Zentralasiens und wahrscheinlich bis nach Canada reichend, ausserdem noch ein amerikanischer Ozean, der sich von den Vereinigten Staaten nach Südamerika und östlich bis Südafrika ausdehnte. Von Nord- europa nach Ostcanada erstreckte sich ein grosser Kontinent, der sich weit in den nördlichen atlantischen Ozean vorschob. Die marine Devonfauna in Europa und Amerika ist infolgedessen verschieden. Die Flora wird durch das reichlichere Auftreten von Gefäss-Cryptogamen (Lycopodiaceen , Farne) und durch das Erscheinen der Gymnospermen (Cor- daiten, Ginkoiden) gekennzeichnet. Auch wurden bereits Pilze und Schizo- myceten angegeben. Von Wirbeltieren finden sich ausser Fischen auch amphibienähnliche Formen, die Stegocephalen. Die Arthropodenfauna wird durch Myriopriden, Schizopuden und Arthropleuriden bereichert. Nachdem die früher der Devonformation zugerechnete Little River Group in St. John (New Brunswig) nunmehr als zur Carbonformation gehörig erkannt wurde, enthalten auch die Devonischen Ablagerungen noch keine Insektenreste. II. Kapitel. Carbonisehe Formation. Ein grosses Mittelmcer (die Thetys von Suess) bildete die Scheide zwischen einem gewaltigen von Europa über Nordasien nach Nordamerika reichenden Nordkontinente und einem sich von Südamerika über Afrika nach Australien und Indien erstreckenden Südkontinente. Das Meer war in vielen Gegenden im Rückzuge begriffen; so namentlich im westlichen Europa und östlichen Nordamerika noch während der Obercarbonzeit. Gleichzeitig wurden ansehn- liche Flächen in Nordasien überschwemmt. Das Klima war mild und feucht und jedenfalls auf der ganzen Erde .sehr gleichartig, bis in die Polarregion frostfrei. Dementsprechend finden wir eine üppige Flora, welche sich mit erstaunlicher Gleichförmigkeit vom Polarkreis bis Südaustralien ausbreitet. Von den Landpflanzenformen, die ausschliesslich den Gefässcryptogamen und Gymnospermen angehören, sollen 19 20 der Genera und die Hälfte der Arten in Nordamerika und Europa identisch sein. Es treten ausser den früher erwähnten PHanzenformen auch Kquisetaceen, Bryophyten und Cycadeen auf. Die Fauna der Carbonzeit zeigt bereits eine viel reichere Gliederung, enthält aber in der Hauptsache nur jene Gruppen, welche wir schon in den früheren Perioden gefunden haben. Neu ist das Auftreten der Reptilien, Holothurien, Spinnen und Insekten. Die Carbonformation wird ganz allgemein in zwei Hauptgruppen zerlegt : 1. das Untercarbon, bestehend aus den vorwiegend marinen Ab- lagerungen, welche als Kohlenkalk und Culm bezeichnet werden und bisher noch keine Insektenreste ') geliefert haben; 2. das Obercarbon, welches in Europa wi&der in drei, in ^Vmerika in zwei Unterabteilungen zerlegt wird. Die insektenführenden Schichten gehören alle dem Obercarbon an und zeigen im östlichen Amerika und westlichen Europa grosse Übereinstimmung. Sie dürften als Ablagerungen sumpfiger Gebiete oder Waldmoore aufzufassen sein, während die gleichalterigen .Schichten 1) Für keines der als Insekten angesprochenen Gebilde aus dem Culm konnte die Insekten- natur zweifellos festgestellt werden. Ich habe selbst die sogenannten Culmkafer in Berlin und Tübingen gesehen und bin zu der festen Überzeugung gelangt, dass es keine Arthropodenreste und am allerwenigsten Insektenreste sind. Carbonische Formation. 59 anderer Gegenden (Osteuropa, Asien usw.) grossenteils marinen Ursprung zu haben scheinen. Dieser Umstand erklärt uns, warum Carboninsekten bisher ausschliessHch im westlichen Europa und im östlichen Nordamerika gefunden wurden. Verteilung der insektenführenden Sciiicliten in der Carbonformation Europas.') England Frankreich, Belgien, Schweiz Deutschland, Österreich Stephanien. Oltweiler und Radowenzer Schichten. Steinbachtal , Schiffsweiler, tn Grügeiborn, Wemmetswei- u {Becken von St. Ktienne- 1er in den Rheinlanden. JO Commentry). Wettin , Löbejün , Plötz, o ? Anthracitschiefer von Er- Dölau, Ilmenau, Manehach, Radstockian. big-non in der Schweiz. Gröbzig, Wittekind in der Prov. Sachsen. (Korest of l)ean in Glou- cester). Staffordian. Saarbrücken, Schatzlarer. Orzecher und Karwiner •e Schichten. Saarbrücken , Hirschbach, a Jägersfreude, Labach, Al- m tenwald, .Sulzbach, Dud- O Westphalian. Westfalien. Weiler, Gersweiler in den Rheinlanden. .■s Sadgley, Tipton, Coalbrook- Charleroi , Jemappes , Fra- Frankenholz, St. Ingbert in fc dale (Chesterfield), Dudlev, merie, Flenu bei lUons. der Pfalz. Foley (Staffordshire), Meit- Sars- Longchamps bei La Lugau, Zwickau, Klein-Opitz hill (Fifshire), ? Liverpool. Louviere. Alle diese Fundorte gehören in Sachsen. .Stradonitz, Rakonitz, Wotvo- Lanarkiaa. in die Ascise de Charleroi, vic bei Kladno , Nürschan, Kilniaurs, .Schottland. also in die obere Stufe des Westphalien. Lubna , Tremoschna in Böhmen. «3 Yoredale. Namurien Waldenburger und Osl- -^ in .O hn O u c O lU tfi ._ >: ^ f Upper Lykens series. '^ Tremont, Pa. Lower Transition series. Lower Lykeus series. Near Altamont Colliery, Pa. (? Discordance.) a 3 Maunch Chunk shales. Qreenbrier limestone. Pocono (C'inglomerates, shales and coalsi o C9 -'ulm Hornton series of Nova Scotia. Kohlen- kalk. Die als ,,Little River Group" bezeichneten Schichten von St. John in New Brunswig gehören in die oberen Stulen des Pottsville und dürften mit der Upper Transition series zu parallelisieren sein. Carboniscfae Formation. 5l Klasse: Pterygogenea. Ordnung: Palaeodictyoptera Goldenberg. Unter den palaeozoischen Insekten finden sich viele Formen, welche sich von allen rezenten Ordnungen durch besonders ursprüngliche Eigenschaften unterscheiden und in dieser Beziehung nahezu dem hypothetischen Proten- tomon entsprechen. Der Kopf dieser Formen war gerundet und von massiger Grösse, ihre Fühler waren nicht sehr lang und einfach gebaut, die Mundteile zum Kauen geeignet; der Thorax bestand aus drei einander ähnlichen Ab- schnitten, von denen der zweite und dritte immer Flügel trug, während der erste oft durch flügelartige kleinere Anhänge ausgezeichnet war. Die zwei Flügelpaare waren nahezu gleich, gleichartig und zeichneten sich durch sehr ursprüngliches Geäder aus. Sie besassen eine marginale Costa, eine einfache Subcosta, welche mehr oder minder nahe zur Flügelspitze reichte, einen ein- fachen, mit der Subcosta ziemlich parallel verlaufenden Radius, dessen Sector zwischen Basis und Mitte des Flügels abzweigte und eine verschieden grosse Zahl von Asten schief nach hinten und aussen ausschickte. Die Medialis zer- fiel gleichfalls in eine Anzahl Äste, welche vorwiegend bogenförmig gegen den Hinterrand gerichtet waren. Sehr häufig blieb der erste Ast der Medialis ungeteilt und stand zu den übrigen Ästen in demselben Verhältnisse wie der Radius zu seinem Sector. Ganz ähnlich wie die Medialis war der Cubitus ausgebildet. Die Gruppe der Analadern zog gleichfalls in mehr oder minder gTossem Bogen gegen den Hinterrand. Die Palaeodictyopteren besassen weder Flügelmal noch Nodus, ihre Adern waren nie gekreuzt, das Analfeld nicht vergrössert und nie durch eine Gelenkfalte abgegrenzt, nie fächerartig ent- wickelt. Die Flügel waren nicht faltbar und nur in vertikaler Richtung stark beweglich; sie wurden in der Ruhe jedenfalls horizontal ausgebreitet oder aufgestellt und nicht über dem Hinterleibe gefaltet. Die Zwischenräume zwischen den Längsadern waren stets durch zahlreiche mehr oder minder kräftige, einfache oder verzweigte Queradern überbrückt. Eine regel- mässige Anordnung der Queradern nach einem bestimmten Plane ist nicht zu bemerken. — Die drei Beinpaare waren homonom, massig lang und kräftig, zum Laufen geeignet und hatten aus wenigen Gliedern bestehende Tarsen. Höher entwickelte Typen von Beinen, wie Raub-, Sprung-, Kletter-, Klammer- oder Schwimmbeine etc. wurden nicht beobachtet. Der Hinterleib war mehr oder minder schlank, aber nie auffallend dünn oder auffallend breit, er sass mit breiter Basis an dem Thorax und bestand aus zehn gleichartigen Segmenten. Das elfte Segment scheint noch nicht ganz rückgebildet gewesen zu sein, ebenso wie das Telson. An den Seiten der Segmente finden sich häufig Anhänge, welche entweder mehr das Ansehen von pleuralen Erweiterungen oder von aus Extremitäten hervorgegangenen Tracheenkiemen besitzen, ähnlich wie wir sie heute noch bei vielen Larven- formen finden. Das elfte Segment trug (jedenfalls bei allen Formen) mehr- gliedrige, oft sehr verlängerte Cerci. Bei einigen Formen wurden auch an der Ventralseite in der Gegend des achten oder neunten Segmentes Anhänge Carbonische Formation. ö gefunden, welche sich als Gonapophysen (? oder Gonopoden) deuten lassen. Sämtliche bisher bekannt gewordenen Palaeodictyopterenformen waren von beträchtlicher Grösse. Die Larven dieser Formen waren der Imago ähnlich und entwickelten ihre Flügel allmählich. Ihre Mügelscheiden stehen seithch horizontal vom Thorax ab. Voraussichtlich lebten sie gleich den Imagines vom Raube und wenigstens teilweise im Wasser. Die grosse Übereinstimmung der Palaeodictyopteren mit dem „Proten- tomon", sowie ihr plötzliches Verschwinden am Ende der Carbonzeit und ihr frühes Auftreten berechtigen mich zu der Annahme, dass wir in diesen Formen tatsächlich die ältesten geflügelten Insekten vor uns haben, aus denen sich alle anderen Typen durch höhere Ausbildung der verschiedensten Organe ent- wickelt haben. Wir können die Palaeodictyopteren nach ver.schiedenen Merkmalen bereits in eine Reihe von Verwandt,schaftsgruppen — sagen wir Familien — zerlegen. Bevor ich auf die Besprechung der einzelnen Familien eingehe, will ich hier noch einige Fossile erwähnen, welche ich als Palaeodictyopteren-Larven deute. Ich bezeichne diese (3bjektc mit provisorischen Namen: (Paläodictyopteron) Hageni Goldenb. (Taf. VIII, Fig. 15.) Fundort: Altenwald, Rheinlande, Mittleres Obercarbon. Ternies Hageni pp . Goldenberg, Fauna Saraepont. foss. I. I2. t 2 f. 7 b. 1873. Die Flügelscheide ist ca. s mm lang, spitz zulaufend, auf der ganzen Fläche fein granuliert. Die Adern sind deutlich sichtbar. Man unterscheidet die Co.sta, dann eine bis zur Flügelspitze reichende Subcosta, den parallel mit derselben verlaufenden einfachen Radius und den Sector radii, welcher einen gegabelten und drei einfache Äste nach hinten und aussen entsendet und sich jedenfalls sehr nahe der Flügelbasis von dem Radius trennt; hierauf folgt dann eine isolierte, stark gebogene Ader, welche jedenfalls dem ersten Aste der Medialis entspricht , dann noch etwa vier bogenförmig nach hinten ver- laufende Adern, die ich nicht be.stimmt zu deuten wage. Queradern sind nicht zu sehen. Auf derselben Platte mit dieser Flügelscheide liegt auch ein zweites Fossil, welches von Goldenberg für den Körper einer Termite angesehen, aber seither schon als Spinne gedeutet worden ist. Goldenberg war der An- sicht, der Flügel gehöre zu dem Körper. (Paläodictyopteron) anglicanuni m. (Taf. VIII, Fig. i6.) Fundort: Sadgley, P^ngland. Mittleres Obercarbon. Eine etwa iS mm lange Larve mit ziemlich breitem Hinterleib und fast horizontal ausgebreiteten, schmalen Flügelscheiden, von denen jedoch nur jene des Vorderflügels gut erhalten ist. ]\Ian sieht deutlich die gegen den Hinter- rand gebogenen Adern. Das Orig-inal ist Eigentum des U. S. National Museum in Washin.gton und war als ,.? Leptoblattina exilis Woodw." bestimmt. Er trägt die Nr. 3S 109. Carbonische Formation. 63 (Paläodictyopteron) mazonum m. (Taf. VIII, Fig. 17.) Fundort; Mazon Creek ncar Morris in Illinois, N. Amer. Pennsylvanian ; Kit- laning? (Allegheny) stagc. Mittleres Obercarbon. Ein 18 mm langes Stück einer Flügelscheide von geschweifter und stark zugespitzter Form. Das Original ist Eigentum des U. S. National Museum in Washington und trägt die Nr. 38831. (Paläodictyopteron) latipenne m. (Taf. VIII, Fig. 18.) Fundort: Braidwood in Illinois, N. Amer. Pennsylvanian; Conemaugh? stage. ? Mittleres Obercarbon. Eine 20 mm lange Flügelscheide mit schwach gebogenem Vorderrande, breit abgerundeter Spitze und breiter Basis. Eigentum des U. St. National Museum (Nr. 38 838). (Paläodictyopteron) virginianum m. (Taf. VIII, Fig. ig.) Fundort; Mc Ginners Mine in Hampton, W.Virginia, N. Amer. Mittleres Obercarbon. Eine Partie des Thorax mit den Flügelscheiden und einigen Resten der Abdominalsegmente. Die gut erhaltene Scheide des Hinterflügels zeigt einen stark gebogenen Vorderrand und fast geraden Hinterrand und misst etwa 12 mm. Das Original trägt die Bezeichnung .,Nr. 25635. From Mine of Mc Ginner, from 2';'2 miles from Hampton, W. Virginia" und ist Eigentum des U. S. National Museum. Familie: Dictyoneuridae m. In dieser Familie fasse ich jene Paläodictyopteren zusammen, deren Flügel sich durch sehr unregelmässiges, netzartig verschlungenes Zwischen- geäder und durch wenig verzweigte Hauptadern auszeichnen. In der Regel zerfällt sowohl der Sector radii als die Medialis und der Cubitus in nicht mehr als je 4 — 6 Äste. Jene Formen, deren Körper bekannt sind, zeigen uns flügelartige Anhänge an den Seiten des Pronotum, einfache Laufbeine und ein nicht sehr schlankes Abdomen, dessen Segmente an den Seiten lappen- artige Fortsätze tragen. Das Hinterende ist mit Cercis versehen und der Kopf verhältnismässig klein. Genus : Stenodictya Brongn. Flügel schlank, etwa viermal so lang als breit mit fast geradem Vorder- rande und nicht verbreiteter Basis, am Ende gleichmäs.sig abgerundet. Sector radii mit 3 — 5 fast immer ungegabelten Ästen. Medialis und Cubitahs fast immer je eine einfache Gabel bildend, selten der hintere Ast abermals geteilt. Zwischengeäder gleichmässig und dicht genetzt. 64 Carbonische Formation. Stenodictya lobata Brongniart. (Taf. VIII, Fig. 20.) Fundort: Commentry in Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Scudderia lobata, Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. 61. I8^5 ,, spinosa, ,, ibid. 1885. Stenodictya lobata, ., Faune ent. terr. prim. 508. t. 38, f. I. 2. 1S93. Sector radii etwas vor der Flügelmitte abzweigend, mit drei fazt gleiclien Ästen. Medialis und Cubitalis je eine einfache grosse Gabel bildend. 4 einfache Analadern. Flügellänge 65 — 70 mm. Von dieser Form ist auch ein grosser Teil des Körpers erhalten und man sieht die herzförmigen flügelartigen Anhänge an den Seiten des Pro- thorax, den kleinen gerundeten Kopf mit kleinen Komplexaugen, die einfachen ziemlich kurzen Vorderbeine, den breiten, fast gleich gebildeten Meso- und Metathorax sowie den Hinterleib, dessen Segmente breiter als lang und an den Seiten mit deuthch abgesetzten zuge.spitzten Anhängen versehen sind. Hinter dem 9. Seginente ist die Basis der Cerci zu sehen. Stenodictya Gaudryi Brongniart. (Taf. VIII, Fig. 21.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Stenodictya Gaudryi, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 5o(>. t. 38. f. 5. 1893. Ein 67 mm langer Flügel. Sehr ähnlich St. lobata, aber durch den näher der Basis entspringenden Sector radii, welcher vier einfache Aste entsendet, verschieden. Stenodictya Perrieri Brongniart. (Taf. VIII, Fig. 22.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Stenodictya Perrieri, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 506. t. 38. f. 4. 1893. Ein 66 mm langer Flügel, dessen Costalrand etwas stärker gebogen zu sein scheint. Costalfeld breit. Sector radii ähnlich wie bei lobata, nicht weit vor der Flügelmitte entspringend, mit vier Asten, dessen 2. (von der Basis aus gezählt) am Ende gegabelt ist. Die Medial- und Cubitalader bildet je eine grosse Gabel, ebenso die erste Analader. Stenodictya Arnaudi Brongniart. (Taf. VIII, Fig. 2:^.') Fundort: Commentry, Frankreich. .Stephanien. Oberes Obercarbon. Stenodictya Arnaudi, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 507. t. 38. I. 6, 1893. Ein ca. 66 mm langer Flügel mit sehr schwach gebogenem Vorderrande und schmalem ('ostalfelde. Sector radii weiter vor der Flügelmitte ent- springend als bei lobata, mit vier (oder 5 ?) Ästen. Mediali? einfach gegabelt. Cubitus mit einfachem vorderen und gegabeltem hinteren Ast. i. Analader gegabelt. Carbonische Formation. 65 Stenodictya Fritschi Brongniart. (Taf. VIII, Fig. 24.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Stenodictya Fritschi, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 507. t. 38 f. 7. 1893. Es ist nur ein 38 mm langes Stück aus der Mitte des Flügels abgebildet, der jedenfalls breiter war als die anderen Arten. Das Costalfeld ist schmal und der Sector radii entspringt sehr nahe der Flügelbasis. Die Medialis bildet eine einfache Gabel, der Cubitus eine grosse Grabel mit gespaltenem Vorderast. Stenodictya Oustaleti Brongniart. (Taf. IX, Fig. i.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Stenodictya Oustaleti, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 5ro. t, 38. f. 3. 1893. Ein 70 mm langer Flügel mit schmalem, fast geradem Costalfelde. Radius nicht weit vor der Flügelmitte entspringend, mit fünf (oder 6) ein- fachen Asten. Medialis und Cubitus bilden je eine grosse Gabel, i. Analader doppelt gegabelt, 3. einfach gegabelt. Von dieser Art sind auch drei Beine erhalten , welche kurz und kräftig sind. Stenodictya minima Brongniart. (Taf IX, Fig. 2 — 5.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Stenodictya minima, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 50S. t. 38. f. 8 — II. 1893. Von dieser Form liegen nur einige Bruchstücke vor, welche auf eine Flügellänge von etwa 45 mm hindeuten. Es erscheint mir keineswegs sicher, dass diese Fragmente alle derselben Art angehören, weshalb ich es auch vorziehe, keine Beschreibung zu geben. Genus: Microdictya Brongniart. Die Gattung Microdictya ist sehr ähnlich mit Stenodictya und unter- scheidet sich von derselben nur durch etwas reichere Verzweigung der Hauptadern. Auch scheint der Körper etwas schlanker gewesen zu sein. Ob die Aufstellung einer eigenen Gattung berechtigt ist, muss erst die Zukunft lehren. Brongniart hatte diese Gattung zuerst mit dem Namen Heeria bezeichnet, den er dann aber in der Tafelerklärung als präokkupiert in Microdictya umänderte. Microdictya Vaillanti Brongniart. (Taf IX, Fig. 6.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Heeria (Microdictya) Vaillanti, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 511. t. 38. f. 12. t. 39. f. i. 2. 1893. Costalfeld im Vorderflügel etwas breiter, im Hinterflügel schmäler. Subcosta hinter dem 3. Viertel der Flügellänge in die Costa einmündend. Radius einfach, nicht auffallend weit vom Costalrande entfernt. Sector radii ziemlich weit vor der Flügelmitte entspringend, mit zwei einfachen und einem Handlirsch, Die fossilen Insekien. C 66 Carbonische Formation. gegabelten Aste. Medialis mit langem einfachen vorderen und in drei Äste geteiltem hinteren Ast. Cubitus mit langem Vorderast und gegabeltem Hinterast. i. Analader einfach- oder doppelt gegabelt. Das Zwischengeäder bildet ein feines engmaschiges Netzwerk. Flügellänge 62 mm. Microdictya Hamyi Brongniart. wer Wanawha series. Mittleres Obercarbon. Länge des Fragmentes 34 mm, vermutliche Flügellänge 55 — 60 mm. Es ist leicht möglich, dass diese interessante Form, welche durch ihre auffallend dicken Adern und durch die Gabelung des Vorderastes der Medialis gekennzeichnet ist, später als Typus einer eigenen Familie betrachtet werden wird. Das Original ist Eigentum des U. S. National-Museum in Washington und trägt die Nr. 25631. Carbonische Formation. Genus: Eurythmopteryx m. Diese l^Orm zeit>'t in ihrem (jeäder L;T<>sse Uboreinstimmunj;' mit den schlankflügeligen Dictyi>neuriden, unterscheidet sich aber von denselben durch die feinen, ziemHch reL^elmässii^en und geraden, nirgends netzartig ver- schlungenen Oueradern. Der Mügel ist lang und schmal, fast viermal s<> lang als breit, sein Vorderrand ist fast gerade, sein Hinterrand leicht geschwungen. Die Subciista erreicht etwa -,3 der Flügellänge und zieht schief gegen die Costa. Der Radius verläuft fast parallel mit der Subcosta und später mit dem Radius, bleibt einfach und biegt sich an der Spitze etwas nach hinten. Der Sektor radii entspringt unmittelbar nach der Basis, teilt sich aber erst in "Va der Flügellänge in zwei Aste, deren vorderer drei, und deren hinterer zwei Zweige bildet. Die lange Medialis entsendet ihren isolierten einfachen Vorderast vor dem ersten Drittel der Flügellänge und teilt sich dann etwa in der Flügelmitte in einen vorderen zweiteiligen und in einen hinteren drei- teiligen ^Vst. I )er ungeteilte isolierte Vorderast des Cubitus entspringt un- mittelbar hinter der Basis und zieht in sanftem S förmigen Schwung gegen den Hinterrand, während der hintere Ast des Cubitus nacheinander einen ge- gabelten und zwei einfache Zweige nach hinten entsendet. Die Analadern ziehen im Bogen gegen den Hinterrand. Eurythmopteryx antiqua m. (Taf. X, Fig. 16.) Fundort: Pratt Mines near Birmingham, Ala., Nordamerika. Upper Pottsville, Pratt group, ? Sewell stage. Unteres Obercarbon. Länge des Flügels 50 mm. Auch dieses prachtvoll erhaltene Fossil ist Eigentum des U. S. National- Museum in Wa.shington und trägt die Nr. 3S707. Genus: Propalingenia m. Fritsch beschrieb unter dem Namen Palingenia Feistmanteli einen Flügel und einen Körper, deren Vereinigung ein Bild ergab, welches einer Ephemeride nicht unähnlich war. Nun hat sich aber aus dem genauen Studium der be- treffenden Pulilikation und des Originales ergeben, dass die beiden Objekte allerdings in demselben Steinbruche aber gar nicht im selben Jahre gefunden wurden, dass ferner der Hügel einen mindestens doppelt oder vielleicht dreimal so grossen Körper erfordern würde. Es kann unter diesen Umständen von einer Zusammengehörigkeit wohl nicht die Rede sein, und ich muss daher Körper und Mügel getrennt behandeln. Der Mügel gehört zweifellos zu den Paläodictyopteren und höchst wahr- scheinlich in die Verwandtschaft von Lithomantis und Hadroneuria. Leider ist nur ein Bruchstück aus dessen Mitte erhalten, welches nur eine sehr problematische Rekonstruktion gestattet. Der Vorderrand ist gebogen. Costa, Subcosta und Radius sind fast parallel und durch gleich breite Zwischenräume getrennt. Der Sector radii entsendet mehrere Äste nach hinten. Die Ader, welche ich als \"orderast der Medialis deute, entsendet knapp vor ihrer Einmündung in den Hinterrand Carbonische Formation. 87 ein kurzes Ästchen nach hinten. Auf dem Abdrucke folgen dann noch drei Adern, welche ich als weitere Aste der Mediahs betrachte. Schwierisf ist es, den Zusammenhang der Äste des Sector radii zu erklären, doch glaube ich annehmen zu können, dass der proximale Ast in vier Zweige zerfiel und dass die zwei folgenden Äste ungeteilt waren. In bezug auf die Dicke der Adern und auf die Bildung der Queradern erinnert mich Propalingenia lebhaft an Eurytänia m., d(ich besteht ein auffallender Unterschied darin, dass bei dem böhmischen Fossil alle Adern mit kleinen Wärzchen besetzt sind, ähnlich wie bei einer oben beschriebenen Dictyoneuridenf irm. Das kurze erhaltene Stück des Hinterrandes ist fein sägezähnig, ähnlich wie wir es heute häufig bei den Subimagines der Ephemeriden finden. Propalingenia Feistmanteli Fritsch. (Taf X, Fig. 17.) P'undort: Votvovitz bei Kladno, Böhmen. Mittleres Obercarbon. Palingenia Feistmanteli, Fritsch, Vesmir IX. 241. fig. A. B. 1880. Palingenia Feistmanteli, Beitr. z. Palaeont. Ost. II. I. t. i. fig. 1882. Die Länge des erhaltenen Fragmentes beträgt 27 mm, was einer Flügel- länge von etwa 70 — 80 mm entsprechen dürfte. Es ist zu hoffen, dass neue Funde weiteren Aufschluss über dieses interessante Fossil liefern werden. Die Identität wird schon durch die dicken Adern mit ihren Wärzchen und durch den gezähnten Rand festzustellen sein. Vermutlich gehört in die Gruppe der Lithomantiden auch noch eine weitere Form aus dem böhmischen Carbon, welche von Andrea als Acridites priscus beschrieben wurde. Ich bezeichne sie mit dem Namen Genus: Catadyesthus m. Erhalten ist nur der Basalteil des Flügels, welcher keinen Zweifel an der Paläodictyopterennatur dieses Fossils gestattet. Wir sehen vorne zwei fast parallele Adern, von denen die 2. nahe ihrer Basis einen Sektor entsendet, und können annehmen, dass wir hier Subcosta und Radius vor uns haben. Die folgende Ader entspricht dann jedenfalls der Medialis und ihr Vorderast trennt sich nicht weit hinter dem Ursprünge. Der hintere Ast gabelt sich knapp vor der Bruchstelle, welche etwa der Mügelmitte entsprechen dürfte. Die folgende Adergruppe, jedenfalls der Cubitus, teilt sich bereits nahe der Basis in zwei Hauptäste, deren vorderer in zwei und deren hinterer in drei Zweige zerfällt. Hierauf folgt die Gruppe der (4) Analadern, von denen zwei verzweigt sind. Sie alle ziehen in steilem Bogen gegen den Hinterrand. Die Zwischenräume scheinen durch unregelmässige Queradern überbrückt zu sein. Catadyesthus priscus Andrea. (Taf X, Fig. i8.) Fundort: Stradonitz, Böhmen. Mittleres Obercarbon. .\cridites priscus, Andree, N. Jahrb. Miner. 163. t. 4. f. i. 1864. Acridites priscus, Brongniart, Bull. See. Reuen. (3) XXI. 63, 1885. Spilaptera prisca, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 485. 1893. Länge des Fragmentes 45 mm. Totale Flügellänge etwa 70 mm. 83 Carbonische Formation. Dieses l-^^ssil wurde ursprünglich als Hinterflügel einer Orthupterenform gedeutet, von Scudder dann zu den Homothetiden und von Brongniart zu den Platypteriden („Neuroptera") gestellt. Nach meiner Ansicht dürfte seine richtige Stellung in der Nähe von Lithomantis etc. zu suchen sein. Genus: Rhabdoptilus Brongniart. Dieses Genus wurde von Brongniart auf eine Form errichtet, welche mit den Lithomantiden in bezug auf den Verlauf der Hauptadern grosse Übereinstimmung zeigt, sich aber durch auffallend dicht gestellte gerade und nicht verzweigte Queradern von allen anderen Formen dieser Gruppe unter- scheidet. Der Mügel ist etwa dreimal so lang als breit, sein Vorderrand ist deutlich gebogen, die Spitze breit abgerundet. Die Costa, die lange bis zur Flügel- spitze reichende Subcosta und der Radius sind fast parallel und durch ziemlich schmale Felder getrennt. Der Sector radii entspringt nahe der Flügelbasis und entfernt sich etwa doppelt so weit vom Radius als dieser von der Subcosta. Seine Äste, von denen nur der proximale gegabelt ist, entspringen alle erst hinter der Flügelmitte und sind schief nach hinten gerichtet. Die lange Medialis entsendet ihren vorderen, isolierten und einfachen Ast bereits vor der Mitte, gabelt sich bald darauf in einen zweiästigen und in einen dreiästigen l'eil. Der V(~)rdere, ungeteilte Ast des Cubitus entspringt unmittelbar hinter der Wurzel und bildet einen langen flachen Bogen ; der hintere Ast ist doppelt gegabelt. Von den Analadern ist nur die erste erhalten ; sie zieht in grA der Flügellänge ent- springend, mit 4 nach hinten gerichteten Ästen, deren i, drei und deren 3. zwei Äste bildet. Medialis etwa in der Flügelmitte einen einfachen gebogenen Vorderast entsendend und hierauf in drei Äste geteilt. Cubitus nahe der Basis in zwei Hauptäste gespalten, deren vorderer einen gegabelten und einen ein- fachen Ast nach hinten entsendet, während der hintere doppelt gegabelt ist. Alle Äste des Cubitus, so wie die Analadern bogenförmig gegen den Hinter- rand gerichtet. Queradern ziemlich regelmässig, meist gerade, nicht sehr zahlreich. ProthiTrax mit herzförmigen, gewölbten, flügeiförmigen lateralen Anhängen. Kopf sehr klein. Carbonische Formalion. 95 Homoeophlebia gigantea Agnus. (Tat. XI, Fio. 3.) Fundiert: Commentry in Prankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Homoioptera gigantea, Agnus, Bull. Soc. Ent. Fr. 259. t. I. 1002. Länge des Vdrderflüg'els igo mm. Die Breite beträgt etwas mehr als Vs der Länge und die Fläche zeigt eine grosse Zahl lichter Flecken. Ich halte diese Form für hinlänglich generisch verschieden von Homoioptera. Genus: Anthracentomon Handlirsch. Als Typus dieser Gattung betrachte ich eine Art aus dem mittleren Obercarb(in Belgiens, welche in bezug auf den Verlauf der Hauptadern grosse Ähnlichkeit mit Homoioptera zeigt, durch die etwas unregelmässigeren Quer- adern aber wieder etwas an die Dictyn. Ins. N. Br. I. 1S65. Homothetus fossilis, Scudder, Canad. Nat. n. s. III. 205. t. 3. 1867. Homothetus fossilis, Scudder, Annivers. Mem. Bost. Soc. p. 17. t. i. f. i. 2. 1880. Homothetus fossilis, Hagen, Bull. Mus. comp. zool. VIII. 278. 1881. Homothetus fossilis, Brauer, Ann. Hofmus. Wien. I. iii. 1886. Länge des Vorderflügels 40 mm. Breite etwas mehr als '/:t der Länge. Nach Scudders Ansicht sollte dieses Fossil die genuinen Neuropteren mit den Pseudoneuropteren verbinden. Hagen dagegen hielt es kurzweg für eine Sialide, ebenso Brauer, Brongniart jedoch für eine Ephemeride. Ich habe es versucht Scudders Zeichnung durch Weglassung der offenbar falsch gezeichneten Adern zu verbessern und zu rekonstruieren, wodurch ein schematisches Bild entstand, welches die Paläodictj^opteren-Natur des Fossiles wohl zweifellos erkennen lässt. Familie: Heolidae m. Hierher rechne ich eine amerikanische l-Orm, welche sich durch den Bau der l'lügel. wenn auch nicht wesentlich, aber doch hinlänglich von den Homoiopteriden unterscheidet, so dass man auf Unterschiede im Körperbau rechnen kann. Die Form des Flügels ist eine mehr gestreckte und zu- gespitzte mit sanft gebogenem Vorderrande und gleichmässig gerundetem Hinterrande. Die Analpartie ist nicht verbreitert. Die Äste des Sector radii sind weit gegen die Spitze hinausgerückt und die Äste des Cubitus so wie die Analadern ziehen in sanfterem Bogen gegen den Hinterrand. Die Quer- adern sind fein, weit auseinandergerückt und stellenweise verzweigt. Es ist sehr leicht möglich, dass diese Form nach dem Bekanntwerden des Körpers in eine der vorhergehenden Gruppen einzureihen sein wird. Genus: Heolus m. Flügel zugespitzt, sein Vorderrand schwächer, sein Hinterrand stärker und gleichmässig gebogen, etwa dreimal so lang als breit. Costalfeld spitz zulaufend und massig breit. Die Subcosta erreicht ^'4 der I"lügellänge und mündet in die Costa. Radius einfach, bis zur Spitze reichend und nicht weit vc>n der Subcosta entfernt. Der Sect■! der Flügellänge erreichend und in die Costa mündend. Radius nicht weit von der Subcosta entfernt und bis zur Flügelspitze erhalten, mit mehreren, als Queradern zu bezeichnenden Ästchen. Sector radii nahe der Basis entspringend, hinter der Mitte in zwei grosse Aste zerfallend, deren vorderer in drei sehr kurze und deren hinterer in drei längere Zweige zerfällt. Vorderast der Me- dialis mit fünf Zinken, der Hinterast mit etwa sieben bis zehn. Vorderast des Carbonische Formalion. j j c Cubitus gegen den Rand zu in ein feines Astwerk aufgelöst, der Hinterast nur in wenige Zweige. Scudder rechnet diese Form zu den Protophasmiden, wo er ja auch die dictyoneuraähnlichen Formen untergebracht hat ; Brongniart dagegen stellt sie zu den Protolocustiden, dürfte aber nach meiner Ansicht im Irrtum sein, denn die Protolocustiden haben doch schon viel höher spezialisierte Flügel von anderer Form und keine derart gegen den Hinterrand hinuntergebogenen Analadern. ?Paolia Gurleyi Scudder. (Taf. XII, Fig. 15.) Fundort: French Lick, Orange County, Indiana, Nordamerika. Middle Potts- ville; Mansfield formation; Quinnimont? stage. Unteres Obercarbon. Paolia Gurleyi, Scudder, Proc. Amer. Acad. XX. 173. 1885. Paolia Gurleyi, Melander, Journ. Geol. XI. 18;. t. 7. f. 7. 1903. Ein 30 mm langes Fragment eines etwa 36 mm langen Flügels. Nach Melanders Abbildung zu schliessen, würde die Subcosta ein gutes Stück vor der Spitze in den Radius münden. Der Sector entspringt nahe der Basis und zeigt zwei gegabelte und einen einfachen Ast. Die Medialis teilt sich nahe der Basis in zwei Hauptäste, deren vorderer zwei kurze Äste und deren hinterer drei Aste nach hinten entsendet. Der Cubitus ist etwas geschwungen und erinnert an jenen von P. vetusta. Es ist leicht möglich, dass diese Art in eine eigene Gattung gehört. Familie: Stygnidae m. Hierher rechne ich das älteste bisher bekanntgewordene Insekt aus der europäischen Carbonformation. Die Form des Flügels mit dem nicht abge- grenzten Analfelde, dessen Adern in regelmässigem Bogen gegen den Hinter- rand ziehen, sowie die selbständigen, dem Grundschema sehr nahe kommen- den Längsadern und die unregelmässigen Oueradern verweisen dieses interes- sante Fossil in die Ordnung der Paläodictyopteren. Mit welchen Paläodic- tyopterenformen es am nächsten verwandt ist, lässt sich schwer entscheiden, doch scheinen die Paoliiden die meiste Ähnlichkeit zu haben. Genus: Stygne m. Flügel schlank, mehr als dreimal so lang wie breit, mit fast geradem Vorderrande und sanft gebogenem Hinterrande. Die grösste Breite fällt in die Cubital-Gegend. Costa marginal; Subcosta und Radius nicht weit von- einander entfernt und fast parallel ; erstere etwas mehr als -/s der Flügellänge erreichend und dann in die Costa einmündend. Sector radii bald hinter der Basis abgetrennt und ziemlich weit vom Radius weggerückt; er entsendet eine Reihe kurzer Ästchen nach vorne gegen den Radius, von denen der letzte gegabelt ist, und 2 grosse in je 3 oder 4 Zweige geteilte Aste nach hinten schief gegen den Hinterrand. Die Medialis zieht schief durch die Mitte des Flügels und entsendet etwa in halber Flügellänge den einfachen Vorder- ast, worauf sich der hintere Ast in drei Zweige teilt. Der Cubitus zerfällt Il6 Carbonische Formation. bereits nahe der Flügelbasis in 2 Hauptäste, deren vorderer 3 (z. T. verzweigte) Aste schief nach hinten , und deren hinterer 4 Äste nach vorne entsendet, welche sich aber bogenförmig gegen den Hinterrand wenden. Von den Anal- adern sind nur die 2 ersten erhalten; sie ziehen in kurzem, regelmässigem Bogen gegen den Hinterrand. Die Queradern sind deutlich , unregelmässig verteilt, stellenweise ver- zweigt oder wellig. Stygne Roemeri m. (Taf. XII, Fig. lO.) P'undort: Alfredgrube bei Laurahütte in Oberschlesien. Unteres Obercarbon. ,, Insektenflügel verwandt mit Homothetus", Roemei, Jahresb. Schles. Ges. LXII. 226. 1884. Dieser bisher weder beschriebene noch abgebildete Insektenflügel wurde von Assmann als verwandt mit Homothetus bestimmt. Druck und Gegendruck des sehr gut erhaltenen Fossils befinden sich in der geol. Sammlung der Universität Breslau, wo ich Gelegenheit fand, die beigegebene Zeichnung anzufertigen. Die totale Länge beträgt etwa 2Ö mm und es fehlt nur ein kleines Stück an der Flügelspitzo und ein Teil des Analfeldes. Ich finde keine besonders weitgehende Übereinstimmung mit Homothetus, dagegen einige Ähnlichkeit mit Paolia, einer Form, die gleichfalls aus dem unteren Obercarbon stammt. Familie: Aenigmatodidae m. Ich errichte diese l'amilie auf einen von allen vorhergehenden Formen abweichenden Flügel aus dem mittleren Obercarbon Nordamerikas. Der Flügel ist stark gewölbt, anscheinend von derberer Beschaffenheit und am Ende breit abgerundet. Das Analfeld ist nicht abgesondert und nicht vergrössert, so dass es sich um einen Vorderflügel handeln dürfte. Die Sub- costa reicht nahe bis zur Flügelspitze, der Radius ist einfach, der Sector radii in 3 Zweige zerlegt. Die Medialis zerfällt in 4 Äste. Hinter der Medialis folgt eine schief gegen den Hinterrand gerichtete Ader mit einer kurzen End- gabel und dann noch 3 einfache Adern, welche mit ihren stark gebogenen Enden in den Hinterrand einmünden; vermutlich gehören die zwei letzten erhaltenen Adern bereits zur Analgruppe. Das Zwischengeäder besteht zum Teil aus regelmässigen Queradern, zum Teil aus einem polygonalen Netzwerk. ■ Genus: Aenigmatodes ni. Aenigmatodes Danielsi m. (Taf. XJI, Fig. 17.) Fundort: Mazon Creeck near Morris, Illinois, N.-Amer. Pennsylvanian, Kit- taning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Die Länge des Flügels dürfte 20 mm betragen haben, wovon etwa 18 mm erhalten sind. Durch die Verzweigung der Medialis , deren Vorderast erst nach dem Ursprünge eines hinteren Astes abzweigt, sowie durch die knapp vor ihrem Carbonische Formation. 117 Ende unvermittelt nach hinten umbiegenden Analadern und den schwach ver- zweigten Cubitus ist dieses Fossil sehr gut charakterisiert. Ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich es als Vertreter einer eigenen Paläodictyopterenfamilie betrachte. Das Original ist Eigentum des Herrn L. E. Daniels in Washington. Palaeodictyoptera incertac sedis. Hier will ich jene Formen anführen, deren Paläodictyopterennatur mir über allen Zweifel erhaben scheint, die aber entweder zu mangelhaft erhalten, oder zu mangelhaft abgebildet sind, um mit einiger Sicherheit in den Familien der Paläodictyopteren untergebracht zu werden. Die meisten von diesen Formen werden wohl nach dem Bekanntwerden vollständigerer Individuen voraussichtlich als Typen eigener Familien betrachtet werden müssen, Genus: Archaeoptilus Scudder. Archaeoptilus ingens Scudder. (Taf XII, Fig. 18.) Fundort: Chesterfield, England. Westphalian. Mittleres Obercarbon. Archaeoptilus ingens, Scudder, Geol. Magazine. (2) VIII. 295. 300. 1881. Archaeoptilus ingens, Scudder, Mem. Boston Soc. III. 217. 223. t. 17. f. 10 — 12. 18S3. Dictyoneura ingens, Brongniarl, Bull. Soc. Ent. Fr. 226. 1884. Archaeoptilus ingens, Brongniart, Bull. Soc. Ronen. (3) XXI. 60. 1885. Archaeoptilus ingens, Brongniart, Faune ent. terr. ]>rim. 498. t. 37. f. 6. 1893. Ein kleines Stück aus dem Basalteil eines riesigen Flügels, auf welchem hintereinander 4 sehr kräftige und dann 4 viel schwächere Längsadern zu erkennen sind, welche durch ziemlich regelmässige dichtgedrängte Queradern verbunden sind. Die Paläodictyopterennatur scheint mir aus der marginalen Costa und aus der starken Krümmung der letzten Adern hervorzugehen. Scudder hält diese Form für eine Protophasmide, Brongniart zuerst für ein ,Neurorthopteron" aus der Gruppe der Sthenaropteriden, später für ein Neuro- ptcron aus der Gruppe der Platypteriden. ? Archaeoptilus Lucasi Brongniart. (Taf. XII, Fig. ig.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Archaeoptilus Lucasi, Brongniart, Bull. Soc. Ronen. {3) XXI. 60. 1885. Archaeoptilus Lacazei, Brongniart, Faune ent. terr. prini. 49g. t. 37. f. 7. 1893. Zwei Fragmente (?) eines sehr grossen Flügels, deren Adern die Paläo- dictyopterennatur wohl leicht erkennen lassen. Wir können den einfachen Radius, den Sector radii mit seinen zahlreichen, dicht beisammen liegenden, nach hinten gerichteten Ästen, dann die Medialis mit ihrem etwas hinter dem Ursprünge des Sector radii abzweigenden Vürderaste und weiterhin auch den Cubitus erkennen , dessen Vorderast jedenfalls näher bei der Basis entspringt. Ausserdem sehen wir noch eine schiefe Ader aus der Analgruppe. Die Queradern sind ähnlich wie bei der vorhergehenden Art, gegen die Flügel- spitze zu aber etwas netzartig verschlungen. Brongniarts Rekonstruktion scheint mir doch etwas zu gewagt und ich ziehe es daher vor, die beiden Fragmente allein abzubilden. Jedenfalls waren Ij8 Carbonische Formation. die Archäoptilusarten weitaus die grössten unter den Paläodictyopteren und man wird sie als Vertreter einer eigenen Familie, für welche der Name Ar c h äop t i 1 idae m. zu verwenden wäre, betrachten müssen. Genus: Paraniegaptilus m. Paramegaptilus Scudderi Brongniart. (Taf, XII, Fig. 20) I'^undort: Commentry, PVankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. ? Megaptilus Scuddeti, Brongniart, Faune ent. lerr. prini. 497. t. ^7. f. 4.. 18113. Ein Stück aus der ]\Iedial- und Cubitalgegend eines grossen Flügels. Ich deute die wenigen erhaltenen Adern anders als Brongniart und kann mir nicht denken, warum er die erste vierästige Ader für den Sector radii hielt, der unter allen verwandten Formen niemals derart gestaltet ist. A^iel zwang- loser erscheint es mir, diese Ader als Medialis (V nach Brongniart) zu deuten, denn dann begreifen wir sofort den Zusammenhang des einfachen, einen grossen Bogen beschreibenden Vorderastes mit dem 4 teiligen Hinterast. Die folgende Adergruppe wäre dann natürlich nicht mit V sondern mit VII zu bezeichnen, d. h. als Cubitus zu deuten, und zwar als typischer Paläodictyopterencubitus mit bogenförmigem, isoliertem Vorderast. Das Zwischengeäder, welches aus mehr welligen feinen Queradern besteht und die steil nach hinten gerichteten Adern legen den Gedanken nahe, dass es sich um eine Breyeriide handeln könnte. Sicher lässt sich das jedoch vorläufig nicht sagen. Genus: Breyeriodes m. Breyeriodes Kliveri m. (Taf XII, Fig. 21.) Fundort: Saarbrücken, Rheinlande. Mittleres Obercarbon. (? Dictyoneura sp.) Kliver, t'alaeontogr. XXIX. 2bU t. 35. f. 6, 1883. Dieser höchst unvollkommene h'lügelrest besteht möglicherweise aus Teilen von Vorder- und Hinterflügel, oder er ist zerrissen, so dass seine Teile in unnatürliche Stellung zueinander gekommen sind. Es fällt mir infolge- dessen auch sehr schwer, eine Deutung der Adern vorzunehmen, und ich be- gnüge mich, darauf hinzuweisen, dass ähnlich breite Gabeln der ]\Iedialis und des Cubitus, zusammen mit einem so unregelmässigen und zarten Zwischen- geäder noch am meisten an die Ikeyeriiden erinnern. Genus: Campteroneura m. Campteroneura reticulata m. (Taf. XII, Fig. 22.) Fundort; Cordova in Ala. Nordamerika. Middle (?) Pottsville; Mary Lee group; Upper Quinnimont (?) stage. Unteres Obercarbon. Ein 47 mm langes Stück aus der Analpartie eines grossen Flügels, welches hintereinander 8 fast durchwegs gegabelte, stark gegen den Hinter- rand gebogene Adern erkennen lässt, die jedenfalls der Analgruppe und vielleicht (die ersten 2) der Cubitalgruppe angehören und durch sehr weit- maschiges feines und unregelmässiges Zwischengeäder verbunden smd. Die Krümmung dieser Adern gestattet keinen Zweifel an der Paläodictyoptern- Carboniüche Formation. i ig natur dieses Fossils, über dessen verwandtschaftliche Beziehungen ich jedoch sonst keine Angaben machen kann. Das Original ist Eigentum des U. S. National-Museum und trägt die Nr. 38 709. Genus: Orthogonophora m. Orthogonophora distincta m. (Tat. Xll. Fig. 23,) Fundort: Drews Creek, W. Va. Nordamerika. Obercarbon. Ein kleines Stück von der Spitze und dem Hinterrande eines mittel- grossen Flügels, auf dem man das Ende des einfachen Radius, dann ein Stück des Sector radü mit dem letzten kleinen Ast erkennt. Dann folgen die Enden von 8 weit getrennten und fast parallelen gegen den Hinterrand gebogenen Adern, welche jedenfalls teils als Aste des Sector radü, teils als solche der Medialis aufzufassen sein werden. Alle diese Adern sind durch auffallend gerade senkrechte Queradern verbunden. Die systematische Stellung dieser Form unter den Paläodictyopteren ist mir noch unklar. U. S National-Museum. Genus: Bathytaptus m. Bathytaptus falcipennis m. (Taf, XII, Fig. 24.) Fundort: Coalburg near Birmingham, Ala. Nordamerika. Upper Pottsville; Pratt group ; probably Sewell Stage. Unteres Obercarbon. Die Spitze eines grösseren Flügels, dessen geschweifter Hinter- und gerader Vorderrand etwas an Breyeria erinnert. Die .Subcosta ist fast bis zur Flügelspitze erhalten und mündet in die Costa. Der Radius ist einfach und läuft parallel mit der Subcosta. Der Sector radü, durch ein breites Feld vom Radius geschieden, entsendet seine teils gegabelten, teils einfachen Äste schief nach hinten. Feine, etwas wellige und stellenweise verzweigte Queradern verbinden die Längsadern, bilden aber kein Netzwerk. Dieses Fossil erinnert in einigen Punkten an die Breyerüden, lässt sich aber vorläufig nicht sicher in eine der Familien einreihen. Das Original ist Eigentum des U. S. National-Museum und trägt die Nr. 38708 Genus: Palaiotaptus m. Palaiotaptus niazonus m. (Taf. XII, Fig. 25.) Fundort : Mazon Creek, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian, Kittaning ? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Auch von diesem Fossil liegt nur die Spitze des Flügels vor. Der Vor- derrand ist sanft gebogen, der Hinterrand nicht geschweift. Subcosta der Costa genähert und fast bis zur Spitze reichenti. Radius einfach. Sector radü mit schief nach hinten ziehenden einfachen oder gegabelten Ästen, durch einen breiten Raum vom Radius getrennt. Das Zwischengeäder besteht aus einem weitmaschigen Netzwerk, ähnlich wie bei den Dictyoneuriden. Das Original ist Eigentum des U. S. National-Museum und trägt die Nr. 38815. J20 Carbonische Formation. Genus: Leipsanon ni. Leipsanon reticulatum m. (Taf. XII, Fig. 26.) Fundort: Monceau-sur-Sambre pres Charleroi, Belgien. Westphalien. Mittleres Obercarbon. Palaeodiclyopteron, Handlirsch, Mem. Mus. lie]g. III. lu. t. 2. I'. II. 1904. Dieses Fragment ist wohl sehr klein und unvollständig, doch glaube ich nicht fehlzugehen, wenn ich auch hier an eine Paläodictyopterenform denke, mit netzartigem Zwischengeäder. Ich habe dieses Fossil hauptsächlich des Fundortes wegen berücksichtigt und glaube, dass es nicht schaden wird, wenn ich es mit einem provisorischen Namen belege. Zu einer bereits bekannten Art gehört es ja sicher nicht. Genus: Mecynostoma Brongniart. Mecynostoma Dohrni Brongniart. (Taf. XIII, Fig. i.) Fundort: Commentry, PVankreich. .Stephanien. Oberes Obercarbon. Mecynostoma Dohrni, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 574. t. 53. f. 8—12. 1893. Ich habe das allerdings etwas undeutliche Origmal dieser von Brongniart zu den Hemipteren gezogenen I-"orm gesehen und finde, dass jenes Gebilde, welches Brongniart als gerade vorgestreckten Schnabel zeichnet, in Wirk- lichkeit nicht ganz so deutlich ist und ebensogut auf ein Bein zu beziehen sein kann. Auch das sogenannte Auge sehe nicht so deutlich. Die 3 Beine sind gut erhalten. Ihre Tibien sind länger als die Schenkel, die Tarsen kurz und anscheinend aus höchstens 3 Gliedern zusammengesetzt. Das Flügelgeäder lässt deutlich die Paläodictyopterennatur des Fossils erkennen. Man sieht kein abgegrenztes Analfeld und die Adern ziehen im Bogen gegen den Hinterrand. Der Sector radii entspringt vor der Flügelmitte und entsendet einige Äste nach hinten, Der vordere Ast der ;\Iedialis ist gegabelt, der hintere mehrfach verzweigt. Der \'orderast des Cubitus scheint einfach zu sein, der hintere Ast verzweigt. Analadern teils einfach, teils gegabelt. Die zahlreichen Queradern waren nicht netzartig verscnlungen. Obwohl ich an der Zugehörigkeit dieses Fossiles zu den Paläodictyo- pteren nicht zweifle, bin ich doch nicht in der Lage, es in irgend einer meiner Famihen unterzubringen. j\Iit Eugereon hat es nichts zu tun. Genus: Pseudopaolia ni. Pseudopaolia Lacoana Scudder. Fundort: Pittston, Pa. X'ordamerika. Mittleres Obercarbon. Paolia lacoana, Scudder, Proc. .Vmer. Ac. XX. 173. 18S5. Die Beschreibung dieser Form lautet: l'"ore wings narrower than in the other series (vetusta, (lurleyi); anal nervules .straight and nearly as longitu- dinal as the sweep of the general mass of nervures, with no terminal forks, and reaching no farther than the middle of the wing. Wings not exceeding 4 cm in length ; externomedian vcin bcginning to fork before the middle of the wing; branches of intcrnomedian vcin terminal. Ciiibonische Formation. j2i So knapp diese Angaben auch sind, kann man doch daraus schliessen, dass diese Form generisch von Paolia (Typus vetusta!) zu trennen ist. Genus: Parapaolia m. Parapaolia superba Scudder. Fundort: ]\Iazon Creek, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning ? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Paolia superba, Scudder, Proc. Amer. Acad. XX. 173. 1885. Die Beschreibung dieser Form lautet: Fore wings narre wer than in the other series (vetusta, Gurleyi); anal nervules straight and nearly as longitu- dinal as the sweep of the general mass of nervures, with no terminal forks and reaching no farther than the middle of the wing-. Wings very large reaching a length of nine centimeters; externomedian -vein beginning to fork far beyond the middle of the wing; branches of internomedian vein superior to Upper fork. Auch diese I-"orm dürfte einer eigenen Gattung angehören. Genus: Pseudohomothetus m. Pseudohomothetus erutus Matthew. (Taf. XII, lig. 27.) Fundort: St. John in New Brunswig. Little River Group. Mittleres Obercarbon. Homothetus erutus, Mattliew, Trans. R. Soc. Canad. IV. p. 05, t. I. f. II. 1894. Ein Flügel, dessen Spitzen- und Hinterrand nicht erhalten ist. Vorder- rand schwach gebogen, Costa marginal, Subcosta fast parallel, einfach und bis gegen die Spitze erhalten. Radius einfach, Sector radii nahe der Basis entspringend, mit 4 in gleichen Abständen angeordneten, schief nach hinten gerichteten Ästen. Medialis und Cubitalis nicht gut erhalten (oder nicht gut gezeichnet?), anscheinend aber mit stark gebogenem, isoliertem Vorderast und bogenartig nach hinten gerichteten hinteren Ästen. Analfeld nicht ab- gegrenzt. Einige unregelmässige nicht netzartig verschlungene Queradern sind angedeutet. Länge ungefähr 40 mm. Matthew gibt dem Flügel eine eigentümlich abgestutzte Form, die ich in der fein punktierten Linie auf meiner Zeichnung wiedergebe. Die groben Punkte bezeichnen die Form, welche der Flügel tatsächlich haben dürfte, und diese Form entspricht den Paläodictyopteren, welchen dieses Fossil zweifellos zugerechnet werden muss. Matthew stellt dieses Fossil ohne weiteres in die Gattung Homothetus, womit ich mich nicht einverstanden erklären kann, soferne die Zeichnung- auch nur halbwegs richtig ist. Schon die ^"erzweigung■ des Sector radii und der Verlauf des Vorderrandes berechtigen zur Aufstellung einer eigenen Gattung, für welche ich den Namen Pseudohomothetus vorschlage. Matthew will in den Homothetiden die Vorgänger der Phasmiden er- kennen, womit ich mich nur insoferne einverstanden erklären kann, als die Homothetiden wie überhaupt die Paläodictyopteren, Vorgänger alle r rezenten Insektenordnungen sind, also auch der Phasmiden. Nähere Beziehungen be- stehen, wie ich später nachweisen werde, gewiss keine. J22 Carbonische Formation. Genus: Xenoneura Scudder. Xenoneura antiquorum Scudder. ( Taf. XII, Vig. 28.) Fundort: St. John in New Brunswig-. Little River Group. ? Pottsville. Alittleres Obercarbon. — — Scudder, Devon. Ins. N. Br. i. 1865. Xenoneura antiquorum, Scudder, C;inad. nat. n. 's. III. 206. f. 5. 1867. Xenoneura antiquorum, Scudder, Annivers. Mem. Bost. Soc. p. 24. t. I. f. 5 — 7. 1S80. Ein kleiner Flügel mit schwach gebogenem Vorderrande, marginaler Costa, paralleler, bis gegen die Spitze erhaltener einfacher Subcosta, einfachem Radius, dessen Sector etwas vor der Flügelmitte entspringt und ? mehrere Aste schief nach hinten entsendet. Medialis mit isoliertem gebogenen ersten Ast und verzweigtem hinteren Ast. Vorderast des Cubitus isoliert und bogen- förmig nach hinten ziehend. Hinter diesem Aste ist in grösserer Entfernung noch eine ähnliche Ader zu sehen, welche entweder dem Cubitus oder der Analgruppe angehört. Von Queradern sind nur wenige in der Costalgegend erhalten. Länge des Fragmentes ca. 13 mm. Vermutliche Länge des ganzen Flügels 15 — 16 mm. Auch dieser höchst mangelhaft erhaltene Rest gab Anlass zur Auf- stellung der gewagtesten Hypothesen und bildete ein arges Streitobjekt. Nahe der Basis des Flügels sieht man auf dem Abdrucke eine eigenartig gerunzelte Stelle, welche von Scudder sofort für ein Stridulationsorgan erklärt wurde. Dementsprechend gründete er eine neue Familie, die Xenoneuriden, welche Charaktere der Locustiden mit solchen der Neuropteren vorbinden sollte! Darwin, Dawson und Packard benützten dann dieses F'ossil als „prächtiges" Beispiel für eine synthetische Type und für das erste Auftreten von Stimm- apparaten. Später musste dann Scudder freilich selbst zugestehen, dass die als Stridulationsorgan bezeichnete Bildung gar nichts mit dem Flügel zu tun habe. Dafür fand er aber nun in dem runzeligen Ding Charaktere der Ephe- meriden, Sialiden. Raphidien und Coniopterygiden vereinigt ! Hagen hält das Fossil für ein Neuropteron im engeren Sinne und kon- statiert durch neuerliche Untersuchung des Originales, dass zwei Mügel über- einander liegen und dass das von Scudder rekonstruierte Geäder nicht ganz dem einen Flügel angehöre. Brauer findet auch hier wieder Übereinstimmungen mit Sialiden. Ich habe es versucht, aus der Abbildung von Scudder mit Hilfe der Angaben, welche Hagen auf Grund neuer Untersuchung des Originales ge- macht hat, jene Teile herauszuheben, an deren Existenz kaum zu zweifeln ist. Auf diese Weise entstand die beigefügte schematische Figur, aus welcher mir hervorzugehen scheint, dass Xenoneura ein Paläodictyopteron war und dass alle Schlüsse, welche Scudder aus diesem Fossil zog, nichts sind als leere Worte. Carbonische Formation. j2i Genus: Dyscritus Scudder. Dyscritus vetustus Scudder. (Taf. XII, Fig. 29.) P'undort: St. John in Brun.'^wig. Little River (xroup. ? Pottsville. Mittleres Obercarbon. — — Scudder, Dev. Ins. N. Br. 1. 1865. Dyscritus vetustus, Scudder, Geol. Mag. V. 172. 176. 1868. Dyscritus vetutus, Scudder, Anniv. Mem. Bost. Soc. p. 20. t. i. f. 4. 1880. Ein kleine.s Fragment mit einigen bogenförmig gegen den Hinterrand verlaufenden Adern, welche durch unregelmässige Queradern verbunden sind. Länge des Fragmentes ca. 15 mm. Hagen und Brauer wagen keine Deutung und Brongniart versucht es, in dem Fossil eine Ephemeride zu erkennen. Nach meiner Ansicht wird es sich wohl auch um ein Paläodictyopteron handeln. Sicher lässt sich das nach einem so mangelhaften Objekte wohl nicht sagen. Genus: Lithentomum Scudder. Lithentomum Harttii Scudder. (Taf. XII, Fig. 30.) Fundort: St. John in Neu-Brunswig. Little River Group. Mittlerer Obercarbon. Scudder, Dev. Ins. N. B'. I. 1865. Lithentomum Harttii, Scudder, Canad. Nat. (2) III. 206. t. 4. 186;. Lithentomum Harttii, Scudder, Anniv. Mem. Bost. Soc. p. 22. t. i. f. 3. 1880. Ein Fragment aus der Mitte eines grösseren Flügels, welches uns fünf Längsadern erkennen lässt, von denen die dritte zwei Äste entsendet, während die vierte eine einzige grosse Gabel bildet und die letzte wieder in drei Äste zerfällt. Die Zwischenräume .sind durch unregelmässige, stellenweise ver- schlungene Queradern ausgefüllt. Eine Deutung der Adern scheint mir zu gewagt, weil kein Teil des Flügelrandes erhalten ist und daher jede Orien- tierung fehlt. Erkennen lässt sich nur, dass die verzweigten Adern in sanftem Bogen nach hinten verlauten, ähnlich wie wir es bei den Paläodictyopteren finden. Scudder sagt von diesem Fossil: „Very few persons seeing it would recognize it as an insect!" — findet aber trotzdem ,, Beziehungen" zu Ephe- meriden, Embiden und Raphididen, kommt dann zu dem Schlüsse, das Fossil sei zunächst mit Sialiden verwandt, unterscheide sich aber doch wieder durch einige wesentliche Merkmale von denselben und müsse als Vorläufer der Sia- liden betrachtet werden. Darum errichtet er rasch eine neue Neuropteren- familie, die C hr on i c o s i ali d en. Die Errichtung einer solchen Familie hält Hagen für überflüssig, denn nach seiner Ansicht handle es sich um eine echte Sialide. Brongniart und Brauer sind vorsichtiger und wagen keine Deutung; letzterer findet, dass ähnliche Bildungen auch bei Orthopteren und Flomopteren vorkommen können. In seinem Kataloge führt Scudder diese Art dann unter den „Hemeristinen" an. Nach meiner Ansicht gehört auch dieses Fossil zu den Paläodictyopteren und bestimmt nicht zu Sialiden. J24 Carbonische Formation. Genus: Titanophasma Brongniart. Titanophasma Fayoli Brongniart. (Taf. XIII, Fig. 2.) Fundort: Cominentry, Frankreich. Stephanien, (oberes Obercarbon. Titanophasma Fayoli, Brongniart, C. R. XCV. 122S. 18S2. Titanophasma Fayoli, Brongniart, Bull. Soc. Ronen. (3) XXI. 60, 1S85. Titanophasma Fayoli, Brongniart, Faune ent. teu. prim. 523. l. 45. f. 2. 1893. Unter diesem Namen wurde von Brongniart ein riesiger Körper von 260 mm Länge beschrieben, welcher einen gerundeten istmanteli nicht zusammen, sondern jedenfalls zu ganz verschiedenen Paläodictyopterengattungen, was ich durch die Verwendung neuer Genusnamen zum Ausdruck bringe. Der Körper gehört jedenfalls einer Paläodictyopterenform an und dürfte ohne Cerci eine Länge von höchstens 45 mm erreicht halicn. Die Segmente des Hinterleibes sind homonom und einzeln viel breiter als lang. Die Cerci waren sehr lang und gegliedert, verhältnismässig dick. Zwischen denselben sieht man ein kleines Gebilde, welches entweder als Tels(Mi oder als ved. Smith für eine Gryllotalpa, von Benj. J26 Carbonische Formation. Cooke für eine Chrysopa resp. Notochrysa gehalten wurde. Soviel aus der Abbildung zu entnehmen ist, handelt es sich um eine echte Paläodictyopteren- form, vielleicht aus der Verwandtschaft von Lithomantis. Das Original befindet sich in der Ravenhead CoUektion , Free Public Museum in Liverpool. ? (Paläodictyopteron) sp. Fundort: F^oley, Staffordshire, England. Peacock Marl (Westphalian). Äfittl. Obercarbon. „affin. Litiiomantis carbonarius". Stubbs, Geol. Mag. ^n. s.) X. 524. 1903. Diese Form ist weder beschrieben noch abgebildet, soll aber der Litho- mantis carbonaria sehr ähnlich sein. Die Richtigkeit dieser Angabe vorausgesetzt, handelt es sich also hier um ein echtes Paläodictyopteron, dessen genaue Abbildung und Beschreibung sehr erwünscht wäre. Ordnung: Mixotermitoidea m. Ich errichte diese provisorische Ordnung auf zwei Formen, welche in vielen Merkmalen grosse Übereinstimmung zeigen und durch ihr ziemlich ursprüngliches Flügelgeäder noch sehr stark an die Paläodictyopteren erinnern. Einige Momente deuten jedoch bereits auf höhere Spezialisierung und veran- lassen mich, diese Formen aus- der Paläodictyopterenreihe auszuscheiden, und zwar : die weitgehende Verkürzung der Subcosta, die starke Reduktion des Analteiles verbunden mit einer Streckung der Analadern. Das Analfeld ist nicht abgegrenzt. Familie; Mixotermitidae m. Genus: Mixotermes Sterzel. Flügel in der Apikaihälfte am breitesten, mit breit abgerundetem Spitzen- rande und schwach gebogenem Vorderrande. Costa marginal. Subcosta bald hinter der halben Flügellänge in den Radius mündend. Radius fast gerade, einfach und bis zur Spitze reichend. Sector radii nahe der F'lügelbasis ent- springend, mit drei schief nach hinten gerichteten Asten, von denen der zweite eine grosse Gabel bildet. Die Medialis gabelt sich bereits sehr nahe der Basis und ihr vorderer Ast nähert sich sehr dem Sector radii, um dann parallel mit den Asten desselben gegen den Spitenrand zu ziehen, wo er eine kurze End- gabel bildet. Der Hinterast der Aledialis bildet eine lange fast gerade Gabel, mit welcher auch der Cubitus parallel läuft, dessen drei oder vier (?) gegabelte Aste in schwacher Biegung gegen den Hinterrand ziehen. Die wenigen kurzen Analadern ziehen schief gegen den Hinterrand. Fast gerade, senkrecht auf die Hauptadern orientierte Queradern scheinen in regelmässiger Verteilung und massiger Zahl vorhanden zu sein. Carbonische Formation, ^oy Mixotermes lugauensis Sterzel. (Taf. XIII, Fig. 7.) Fundort: Gottes-Segen-Schacht (Hauptflötz), Lugau, Sachsen. Mittl. Obercarbon. Termes (Mixotermes?) lugaueusis, Sterzel, Ber, N'at. Ges, Chemnitz VII, 273, f, 3 — 5, 1881. Mixotermes lugauensis, Scudder, Mem. Bost, Soc, III, 331. 18S5, Chrestotes lugauensis, Brongniart, Bull, Soc, Rouer. (3) XXI. 66, 1885, Länge der Vorderflügel etwa 24 mm. Sudder stellte diese von Sterzel als Termite beschriebene Form zu den Homothetiden, wo sie auch Brongniart unterbrachte, indem er sie kurzweg in die Gattung Chrestotes einschob. Dem Entgegenkommen des Herrn Prof. Dr. Sterzel verdanke ich die Gelegenheit einer neuen Untersuchung des Originals, welche mich zu der Überzeugung brachte, dass dieses interessante F"ossil weder mit Homothetus noch mit Chrestotes in näherer Beziehung stehen kann. Genus: Geroneura Matthew. Flügelform und Geäder scheinen sehr ähnlich zu sein, wie bei Mixotermes. Die Subcosta erreicht etwa die halbe Flügellänge. Der Sector radii bildet auch hier zwei einfache und einen gegabelten Ast. Die Medialis gabelt sichi etwas weiter von der Basis und kommt dadurch in nicht so nahe Berührung mit dem Sector radii. Ihr vorderer Ast läuft parallel mit jenem des Sector und bleibt einfach, während sich der hintere Ast gabelt. Cubitus schief gegen den Hinterrand gerichtet, ? mit einem nach hinten abzweigenden Aste. Anal- adern kurz und schief gegen den Hinterrand gerichtet. Queradern gerade, meist senkrecht und ziemlich regelmässig verteilt. Geroneura Wilson! Matthew. Taf. XIII, Fig. 8.) Fundort: St, John in New-Brunswig. Little River Crroup, Mittleres Obercarbon. Geroneura Wilsoni, Matthew, Tr. R. Soc. Canada. IV. 57. t. 4. i. 10. 1889. Länge des Vorderflügels etwa i6 mm. Die vorliegende Abbildung scheint etwas schematisch zu sein, zeigt aber eine weitgehende Ähnlichkeit mit Mixotermes, so dass ich nicht an der Ver- wandtschaft der beiden Formen zweifle. ? Ordnung: Reculoidea m. Diese provisorische Ordnung gründet sich auf den Basalteil eines kleinen Vorderflügels mit marginaler Costa, breitem Costalfelde und kleinem nicht gut abgegrenzten Analfelde, dessen wenige Adern schief gegen den Hinter- rand verlaufen. Die Medialis ist reich verzweigt, der Cubitus dafür stark reduziert. Es ist möglich, dass dieses Fossil in die Reihe der Protorthoptera oder Protoblattoidea gehört. J28 Carbonische Formation, Familie: Reculidae m. Genus: Recula ni. Flügel von der Basis gegen die Mitte verbreitert, mit schwacli gebogenem Vorderrande. Subcosta nicht bis zur Spitze reichend, eine Reihe schiefer unregelmässiger Äste in das breite Costalfeld entsendend. Radius mit einigen nach vorne gerichteten Astchen, nahe an die Subcosta herangerückt. Sector radii etwa in ^j^ der Flügellänge abzweigend, erst hinter der Flügelmitte ver- zweigt und weit vom Radius abgerückt. Medialis von der Basis an frei, in drei abermals verzweigte Äste geteilt, die sich über den grössten Teil des Flügels ausbreiten. Cubitus frei, bereits nahe der Basis in einen vorderen stark gebogenen und in einen hinteren schief zum Hinterrand ziehenden Ast geschieden. Die erste Analader schief zum Hinterrande ziehend, die ? vier oder fünf folgenden ähnlich, einfach. Queradern fein und unregelmässig verteilt, etwas wellig und stellenweise verzweigt. Recula parva Schlechtendal. (Taf. XIII, Fig. 9.) Fundort : Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. (Blatt.) parva, Schlechtendal, i. 1. Länge des erhaltenen Flügelteils 15 mm. Länge des ganzen Flügels etwa 20 mm. Das Original ist Eigentum des Museums in Halle (Nr. 211). Ordnung: Protorthoptera m. In diese Ordnung stelle ich eine Reihe paläozoischer Formen, welche sich durch höher spezialisierte Flügel auszeichnen imd welche nach meiner Ansicht den Übergang von den Paläodictyopteren zu den Orthopteren ver- mitteln. Die Flügel dieser Formen sind in der Ruhe über dem Hinterleibe gefaltet; die vorderen haben nicht mehr jenes einfache Geäder, welches wir bei den Palaeodictyopteren gesehen haben, und ihre Adern ziehen nicht mehr in regelmässigem Bogen gegen den Hinterrand. Die Hinterflügel sirid den vorderen ziemlich ähnlich, besitzen jedoch bereits ein vergrössertes, durch eine Falte begrenztes Analfeld. Der Körper ist mehr oder minder kräftig gebaut, der Prothorax gross, oft stark verlängert, der Kopf gross mit kräftigen, kauenden Mundteilen und langen dünnen Fühlern. Die Beine sind entweder homonom und zum Laufen eingerichtet oder die Hinterbeine sind zu Sprung- beinen umgewandelt. Stridulationsorgane waren noch nicht vorhanden. Familie: Spanioderidae m. Eine Anzahl amerikanischer Protorthopteren zeichnet sich durch einen stark verlängerten Prothorax aus und durch eine stark geschwungene Cubital- ader, deren Äste schief nach hinten gerichtet sind. Diese Formen hatten keine Sprungbeine. Die Costa war marginal, das Costalfeld massig breit und spitz Carbonische Formation. 129 zulaufend, der Radius einfach, der Sector radii in normaler Weise verzweigt, die Medialis frei und nicht sehr stark entwickelt. Das Analfeld der Vorder- flügel war nicht scharf abgegrenzt. Genus: Spaniodera m. Vorderflügel mit breit abgerundetem Endrande, schwach geschwungener marginaler Costa und verkürzter Subcosta. Radius einfach, fast bis zur Spitze reichend. Sector radii nahe der Basis entspringend, hinter der Mitte gegabelt und jeder Ast abermals verzweigt. Die Medialis zerfällt ungefähr in der Flügelmitte in zwei gegabelte Äste. Der Cubitus ist lang, sanft S-förmig ge- schwungen und entsendet fünf einfache Äste schief nach hinten. Die wenigen Analadern sind sanft geschwungen. Hinterflügel mit einem durch eine gerade Falte abgetrennten grossen Analfelde, dreiästigem Sector radii und einfach gegabelter Medialis. Ihre Cubitalader ist stärker geschwungen und die Äste ziehen gegen den Spitzenrand, resp. gegen die Analfalte. Queradern nicht sehr deutlich, im Costalfelde schief, sonst mehr senkrecht gestellt. Der Prothorax ist lang und schmal, der Kopf ziemlich gross mit massig entwickelten Komplexaugen und anscheinend prognath. Mittel- und Hinter- beine scheinen weit auseinander gerückt und waren ziemlich lang und kräftig. Spaniodera ambulans m. (Taf XIII, Fig. 10 — 12.) Fundort: Mazon Creek, near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian; Kittang ? ( Allegheny)stage. Mittleres Obercarbon. Länge des ganzen Tieres 4S mm. Länge des Vorderflügels 35 mm. Das gut erhaltene Original ist Eigentum des U. S. National Museum und trägt die Nr. 38817. Genus: Gyrophlebia m. Sehr ähnlich Spaniodera. Costa fast gerade. Subcosta weiter zur Flügel- spitze fortgesetzt. Radius einfach. Sector radii nahe der Basis entspringend, mit 3 nach hinten gerichteten Ästen. Medialis ? nicht gegabelt. Cubitus ge- schwungen, mit vier schief gegen den Hinterrand ziehenden Ästen. Analadern ähnlich wie bei Spaniodera. Prothorax lang; der Kopf etwas prognath, Fühler lang und dünn. Vorderbeine kürzer, Mittel- und Hinterbeine länger, alle nur zum Teil erhalten und daher nicht genauer zu beschreiben. Gyrophlebia longicollis ni. (Taf. XIII, Fig. 13.) Fundort: Mazon Creek, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian; Kittaning?(Alle- gheny)stage. Mittleres Obercarbon. „Near Cheliphlebia'% Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 329. t. 30. f. 7. 1885. Länge des ganzen Tieres 40 mm. Das Objekt liegt auf der Seite und ist ziemlich unvollständig erhalten. Der lange Prothorax und die Cubitalader gestatten kaum einen Zweifel an der Verwandtschaft mit Spaniodera. Handlirsch. Die fossilen Insekten. Q I30 Carbonische Formation. Scudder hat dieses Fossil bei den Homothetiden untergebracht und die Verwandschaft mit Chehphlebia richtig erkannt. Das Original ist Eigentum des U. S. National Museum und trägt die Nr. 38 150. Zu meiner Abbildung habe ich noch zu bemerken, dass der hinterste Ast des Sector radii vielleicht auch als Vorderast der Medialis zu deuten wäre, der sich dann, ähnlich wie bei Dieconeura, vorübergehend an den Sector radii geschmiegt hätte. Genus: Propteticus (Scudder i. 1.) Lacoe. Prothorax stark halsartig verlängert, Körper plump. Vorderflügel fast elliptisch mit breit gerundetem Spitzenrande und fast geradem Vorderrande. Subcosta verkürzt, Radius einfach, geschwungen, Sector radii nahe der Basis entspringend, schwach verzweigt. Medialis aus zwei Hauptästen bestehend, deren vorderer eine kurze Endgabel bildet. Cubitus stark entwickelt, sanft geschwungen, mit etwa drei oder vier nach hinten gerichteten Ästen. Anal- adern nicht deutlich erhalten. Queradern reichlich erhalten, unregelmässig. Propteticus infernus (Scudder i. 1.) Lacoe. (Taf. XIII, Fig. 14.) Fundort; J^ittle Vermillion River, Vermillion Co., Illinois, Nordamerika. Penn- sylvanian ; Allegheny? stage. ? Mittleres Obercarbon. Propteticus infernus, Lacoe, List. pal. foss. ins. 14. 1883. Propteticus infernus, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 334. t. 31. f. 3. 4. 1885. Die Länge des Vorderflügels beträgt etwa 30 mm. Scudder stellte diese Form zu den Paläopterinen, einer Familie seiner neuropteroiden Paläodictyopteren. Brauer sprach sich über die systematische Stellung nicht bestimmt aus, fand aber Beziehungen zu Sialiden. Für mich erscheint es kaum zweifelhaft, dass auch diese Form zu den Protorthopteren gehört, und zwar in die nähere Verwandtschaft von tfpaniodera. Genus: Camptophlebia m. Dieses provisorische Genus errichte ich auf Melanders Dictyoneura clari- nervis, welche gewiss mit Dictyoneuriden nichts zu tun hat. Der Flügel scheint ein Vorderflügel zu sein und stimmt mit den Spanioderiden in der verkürzten Subcosta, dem einfachen Radius mit seinem langen, schwach ver- zweigten Sector und in der Form der Medialis überein, welche eine lange Gabel bildet, deren vorderer Ast verzweigt ist. Auch der lange geschwungene Cubitus mit seinen nach hinten gerichteten (? 5) Ästen ist wie bei den vor- stehenden Formen gebaut. Von dem Analfelde ist nur eine schiefe Ader er- halten. Queradern reichlich entwickelt, unregelmässig. Camptophlebia clarinervis Melander. (Taf. XIII, Fig. 15.) Fundort: Danville, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian, Commaugh (or Free- port?) stage. Oberes Obercarbon. Dictyoneura clarinervis, Melander, Journ. Geol. XI. 185. t. 6. f. i. t. ". f. S. i')03. Die Länge des Flügels beträgt etwa 2O mm. Carbonische Formation. ißi ? Genus Paracheliphlebia m. Eine mit Spaniodera etc. jedenfalls sehr nahe verwandte Form mit langem Prothorax und ziemlich kleinem, vermutlich prognathem Kopf. Beine homonom und derb. Abdomen massig schlank. Das Geäder scheint nach demselben Plane gebaut zu sein, wie bei den vorigen Gattungen und ist jedenfalls auf der Zeichnung nicht richtig wiedergegeben : Sector radii und Medialis scheinen nicht richtig auseinandergehalten zu sein. Der Cubitus sendet eine Anzahl Aste nach hinten. ? Paracheliphlebia extensa Melander. (Taf. XIII, Fig. i6.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. — Pennsylvanian Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Cheliphlebia extensa, Melander, Journ. Geol. XI. i86. t. 6. f. 2. t. 7. f. 9. 1903. Länge des Vorderflügels etwa 26 mm. Melander stellt diese Form zu den Homothetiden. Vielleicht ist dieses Fossil identisch mit Miamia bronsoni Dana. ? Genus: Petromartus Melander. Gleichfalls eine Form mit stark verlängertem Prothorax und kleinem, prognathem Kopf. Die Zeichnung gibt das Flügelgeäder in sehr unvoll- kommener und sicher entstellter Weise wieder, lässt aber deutlich den ge- schwungenen Cubitus mit seinen nach hinten auslaufenden Ästen erkennen. ? Petromartus indistinctus Melander. (Taf. XIII, Fig. 17.) Fundort: Pettys Ford, Little Vermillion River (Danville), Illinois, Nordamerika Pennsylvanian; Allegheny ? stage. '? Mittleres Obercarbon. Petromartus indistinctus, Melander, Journ. Geol. XI. 192. t. 6. f. 6. t. 7. f. 12. 13. 1903. Flügellänge etwa .35 mm. Auch diese Form wird von Melander bei den „neuropteroiden" Homo- thetiden untergebracht. ? Genus : Miamia Dana. Miamia Bronsoni Dana. (Taf. XIII, Fig. 18.) Fundort: Morris, Illinois. Pennsylvanian, Kittaning?( Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Miamia bronsoni, Dana, Amer. Journ. Sc. (2) XXXVII. 34. f. i. 1864. iliamia bronsoni, Scudder, Mem. Bost. Soc. 1. 190. l. 6. f. 2. 4. iSöb. Miamia bronsoni, Bronj^niart, Bull. Soc. Ronen, (3) XXI. 62. 1885. Die Originalabbildung von Dana lässt deutlich eine Form mit verlängertem Prothnrax und ziemlich schlankem Hinterleibe erkennen, deren Kopf relativ klein und deren Beine homonom und derb gewesen sein dürften. Die Flügel liegen übereinander ober dem Abdomen und lassen eine etwas verkürzte Sub- costa, einen einfachen Radius mit langem, schwach verzweigtem Sector, eine 9' 17 2 Carbonische Formation. in wenige Äste geteilte Medialis und einen langen geschwungenen Cubitus erkennen, dessen Aste schief nach hinten gerichtet sind. Die Analadern ziehen gleichfalls schief gegen den Hinterrand. Die Länge der Vorderflügel dürfte etwa 35 mm betragen haben. Dana hielt dieses Fossil für ein Neuropteron aus der Verwandtschaft von Chauliodes, also für eine Sialide. Scudder gründete dann auf dasselbe eine eigene „Neuropterengruppe" „Palaeopterina", die er mit Termitinen in Be- ziehung brachte. Gerstärker hielt die Form für eine Perlide und Brongniart für eine Neuropterenform aus der Gruppe „Hadrobrachypoda". Brauer fand wieder mehr Anklänge an Orthopteren. Die grosse Ähnlichkeit dieses Fossiles mit Spaniodera etc. ist so auf- fallend, dass ich nicht zögere dasselbe in der Gruppe der Protorthopteren unterzubringen. Vielleicht ist es sogar identisch mit Paracheliphlebia ex- tensa Mel. ? Genus : Metacheliphlebia m. ? Metacheliphlebia elongata Scudder. (Taf. XIII, Fig. 19.) Fundort: Mazon Creck, near Morris, Illinois, Nordamerika. — Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny)stage. Mittleres Obercarbon. Cheliphlebi.i elongata, Scudder, Mem. Best. Soc. III. 328. t. 29. f. 7. 1885. Ein sehr unvollständig erhaltenes Fossil, dessen vier übereinandergelagerte Flügel in bezug auf die Bildung des Cubitus mit den Spanioderiden überein- zustimmen scheinen. Genus: Dieconeura Scudder. Flügel schlank, mit abgerundetem Spitzenrande und schwach geschwun- gener marginaler Costa. Subcosta verkürzt. Radius einfach, fast bis zur Spitze reichend. Sector radii nahe der Basis entspringend, zwei gegabelte Äste nach hinten entsendend. Der Vorderast der Medialis vereinigt sich für eine kurze Strecke mit dem Sector radii, trennt sich aber gleich wieder und zieht nun wie ein Ast des Sector radii gegen den Rand. Hinterast der Medialis ein- fach. Cubitus stark S-förmig geschwungen, mit sechs nach hinten abzweigen- den Ästen, deren letzter (proximaler) in die Analfalte (oder erste Analader ?) einmündet. Analadern ähnlich wie bei Gyrophlebia und Spanindera. Quer- adern spärlich entwickelt und unregelmässig verteilt. Hinterflügel etwas kürzer als die vorderen, sehr unvollständig erhalten. Kopf und Thorax scheinen ähnlich gebaut gewesen zu sein, wie bei den genannten Gattungen, der Pro- thorax jedoch nicht so stark verlängert. Hinterleib schlank, gleichmässig segmentiert und mit massig langen, deutlich über das Endsegment hinaus- ragenden Gonapophysen oder Gonopciden. Dieconeura arcuata Scudder. (Taf. XIII, Fig. 20, 21.) Fundort: Mazon Creek, Illinois, Nordamerika. Kittaning? (.Vlleghen}') stagc. Mittleres Obercarbon. Dieconeura arcuata, Scudder, Mem. Best. Soc. III. 336. I. 30. f. 4. 18S5. Länge des Vorderflügels 27 mm. Carbonische Formation. I3c Das Original ist Eigentum des U. S. National Museum und trägt die Nr. 38 146. Es ist leider nicht deutlich genug, um danach Kopf, Thorax und Hinterflügel vollständig rekonstruieren zu können. Scudder stellte dieses Fossil zu den ,,Paläopterinen" einer Familie seiner Palaeodictyoptera neuropteroidea. Genus: Dieconeurites m. Mit diesem Namen will ich ein von Scudder als Dieconeura rigida be- schriebenes sehr unvollständiges Flügelfragment bezeichnen, welches, nach dem gekrümmten Cubitus zu schliessen auch in die Familie der Spanioderidae gehören dürfte. Zu einer generischen Vereinigung mit Dieconeura arcuata liegt vorläufig kein Grund vor, um so mehr als die Medialis frei und reicher verzweigt ist als bei dieser Art. Dieconeurites rigidus Scudder. (Taf. XIII, Fig. 22.} Fundort : Interconglomerate beds, Pittston, Pa., Nord-Amerika. ? Mittleres Obercarbon. Dieconeura rigida, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 336. t. 20. f. 10. rSSj. Das Original, ein 13 mm langes Fragment, Eigentum des U. S. National- Museum, trägt die Nr. 38156. Es ist leider sehr schlecht erhalten und ge- stattet keine sichere Deutung. Genus: Metryia m. Vorderflügel ähnlich geformt wie jener von Dieconeura, jedoch etwas weniger schlank. Die marginale Costa nicht geschwungen. Subcosta verkürzt. Radius einfach, bis zur Spitze reichend. Sector nahe der Basis entspringend, hinter der Flügelmitte in zwei gegabelte Äste geteilt. Medialis vermutlich einfach. Cubitus, wie es scheint, einen grossen Bogen bildend, aus welchem nacheinander ein einfacher, dann zwei gegabelte und endlich noch ein kurzer einfacher Ast nach hinten abzweigen Analfeld mit zwei gegabelten und einer einfachen Ader. Oueradern nur am Vorderrande erhalten. Metryia analis m. (Taf. XIII, Fig. 23.) Fundort: Mazon Creek, 111., Nord-Amerika. Pennsylvanian ; Kittaning ? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Dieser 34 mm lange Flügel gehört höchstwahrscheinlich auch zu einer Spanioderidenform, obwohl die Cubitalis etwas anders gebildet zu sein scheint wie bei den anderen Gattungen dieser Gruppe. Das Original trägt die Nr. 38834 und ist Eigentum des U. S. National- Museum. Familie: Ischnoneuridae m. Unter den fossilen Insekten aus Commentry finden sich Formen, welche in vieler Beziehung lebhaft an die Spanioderiden erinnern, leider aber nicht so 134 Carbonische Formation. vollständig- erhalten sind, als es zu wünschen wäre, um die verwandschaftlichen Beziehungen mit voller Sicherheit feststellen zn können. Aus diesem Grunde ziehe ich es auch vor, diese europäischen Formen vorläufig in einer eigenen Familie unterzubringen. Brongniart stellte sie mit dem Namen Hadrobrachy- poda in die Nähe der Protophasmiden. Der Vorderflügel zeigt uns eine marginale Costa, eine verkürzte Subcosta, einen einfachen Radius, dessen Sector mehrere Äste nach hinten entsendet, dann eine freie schwach verzweigte Medialis und einen langen geschwungenen Cubitus mit schief nach hinten gerichteten Ästen. Das Analfeld ist leider nicht gut erhalten, ebenso wie die Hinterflügel. Die Flügel .sind über dem Hinter- leibe gefaltet. In bezug auf den verlängerten Prothorax und den prognathen Kopf sowie auf die kürzeren Vorderbeine und längeren homonomen IMittel- und Hinterbeine herrscht auffallende t'bereinstimmung mit Spaniodera. Genus: Ischnoneura Brongniart. Vorderflügel schlank mit schwach gebogenem Vorderrande und abge- rundeter Spitze. Costa marginal. Subcosta verkürzt und in den einfachen bis zur Spitze reichenden Radius einmündend. Sector radii bald nach der Basis entspringend, mit vier einfachen schief nach hinten gerichteten Ästen. Medialis frei, nicht mit dem Sector radii verbunden, hinter der Flügelmitte in einen gegabelten Vorderast und in einen einfachen Hinterast gespalten. Der Cubitus bildet einen langen geschwungenen Hauptstamm, von dem etwa ö Äste nach hinten auslaufen. Die Analpartie ist leider nicht gut kenntlich (auf der Photo- graphie !). Zahlreiche Queradern verbinden die Längsadern. Der Prothorax ist verlängert, der Kopf mit kräftigen prognathen Mandibeln versehen. Vorder- beine kurz, Mittel- und Hinterbeine länger. Ischoneura Oustaleti Brongniart. (Taf. XIV, I-'ig. i, 2.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Leptoneuia sp. Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. t. 5. f. 3. 1885. Leptoneura Oustaleti, Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. 62. t. 5. f. 4. 1885. Ischnoneura Oustaleti, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 555. t. 52. f. i. 2. 3. 18Q3. Die Länge des Vorderflügels beträgt etwa 60 mm. Brauer hielt dieses Fossil für eine echte Phasmide, Bronginart für ein Orthopteron aus der Verwandtschaft der Protophasmiden. Familie: Cnemidolestidae m. Ich sehe mich veranlasst zwei von den Formen, welche Bronginart zu der Gattung Protophasma gestellt hatte, als Typus einer eigenen Familie der Protorthopteren zu betrachten. Diese Formen erinnern durch ihren verlängerten Prothorax und prognathen Kopf sehr an die Spanioderiden, unterscheiden sich aber von denselben durch die bedeutend vergrösserten Vorderbeine. Leider sind die Flügel nicht hinlänglich gut erhalten, aber ich glaube trotzdem aus den erhaltenen Partien schliessen zu können, dass das Geäder jenem der anderen Protorthopteren ähnlicher war als jenem von Protophasma. Die Carbonische Formation. I^S Vorderflügel waren breit und hatten einen deutlich gebogenen Vorderrand mit marginaler Costa. Der Sector radii entsprang nahe der Basis, die Medialis war frei und gegabelt, der Cubitus bildete einen grossen Bogen und sandte seine Aste schief nach hinten. Analfeld schwach entwickelt. Costalfeld breit mit unregelmässigen Queradern. Die Mittelbeine waren viel zarter als die Vorderbeine, welch letztere vermutlich zum Ergreifen der Beute dienten. Die Hinterbeine waren den Vorderbeinen ähnlich. Fühler lang und dünn, vielgliedrig. Genus: Cnemidolestes m. Schenkel und Schienen sind kantig und bedornt. Der Kopf ist verhält- nismässig klein mit gut entwickelten Komplexaugen. Zwei Arten. Cnemidolestes Gaudryi Brongniart. iTaf XIV, Fig. 3.) Fundort : Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Protophasraa Gaudryi, Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. t. 2. f. i. 1885. Protophasma Gaudryi, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 549. t, 49. f. 5. 6. 1893. Der etwa 50 mm lange Vorderteil eines mindestens 60 mm langen Insektes. Flügel dem Anscheine nach einfarbig. Cnemidolestes Woodwardi Brongniart. (Taf. XIV, Fig. 4.) Fundort; Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Protophasma Woodwardii, Brongniart, Bull. Soc. Ent. Fr. 20, 1883. Protophasma Woodwardii, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 549. t. 49. f. 4. 1893. Viel grösser als die vorige Art, etwa qo mm lang. F'lügel mit breiten dunklen Ouerstreifen. Genus: Protodiamphipnoa Brongniart. Protodiamphipnoa Tertrini Brongniart. (Taf. XIII, Fig. 24.) Fundort: Commentry, trankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Protodiamphipnoa Tertrini, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 533. t. 40. f. 7. 8. 9. 1893. Unter diesem Namen beschrieb Bronginart einige Flügelfragmente, die er für Reste einer Protoperlidenform hielt. Der Flügelschnitt, das breite Costalfeld, die auf dem einen F'lügel sichtbare geschwungene Cubitalader und die Grösse erinnern mich so lebhaft an Cnemidolestes, dass ich keine Bedenken trage, auch diese Form hier bei den Protorthopteren unterzubringen. Das Fossil dürfte eine Länge von etwa 60 mm gehabt haben und fällt durch die zahlreichen dunklen Flecken auf, welche sich in den Zellen des Geäders erhalten haben. Familie: Prototettigidae m. Goldenbergs Gryllacris lithanthraca, welche ich als Typus dieser Familie betrachte, gehört wohl ohne Zweifel zu den Protorthopteren, weicht aber von den anderen Formen dieser Ordnung doch in vielen Punkten ab, so dass mir die Gründung einer eigenen Familie berechtigt erscheint. 136 Carbonische Formation. Der Flügel ist auffallend breit mit gebogener marginaler Costa, breitem Costalfelde, langer Subcosta, einfachem Radius, dessen Sector ungefähr in der Flügelmitte entspringt und sich mehrfach verzweigt. Die Medialis bildet eine lange Gabel mit schwach verzweigten Zinken. Der Cubitus entsendet mehrere verzweigte Aste nach hinten und die Analadern sind in geringer Zahl ent- wickelt, nicht gegen den Hinterrand gebogen. Die Subcosta entsendet eine Reihe schiefer zum Teil verzweigter Adern gegen die Costa. Zwischen diesen Adern liegen feine Queradern. Das Zwischengeäder ist überhaupt reichlich entwickelt, unregelmässig und stellenweise sogar netzartig verschlungen. Genus: Prototettix Giebel. Prototettix lithanthraca Goldenberg. (Taf. XIV, Fig. 5.) Fundort : Frankenholz, Deutschland. Obere Saarbrücker Schichten. Mittleres Obercarbun. Gryllacris lithanthraca, Goldenberg, Palaeontogr. IV. 24. t. 4. 1. i. 2. 1854. Prototettix lithanthraca, Giebel, Ins, d. Vorwelt. 30Ö. 1856. Genoptery.\ lithanthraca, Scudder, Mem. Best. Soc. III. 328. 1885. Lithopliasma lithanthraca, Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. 59, 1885. Länge des Flügels etwa 65 mm. Dieses Fossil wurde zuerst als Orthopteron beschrieben, von Scudder aber ohne Grund in die Gattung Genopteryx eingereiht und mit dieser zu den neuropteroiden Formen in die Familie Homothetidae verwiesen. Brongniart hielt diese Form für eine Protophasmide, Brauer für ein Orthopteron. Nachdem das schöne Fossil sicher nicht zu Gryllacris gehört, sehe ich mich veranlasst den Giebelschen Genusnamen beizubehalten. Familie: Homaiophlebidae m. Hierher rechne ich zwei orthopteroide Formen aus Commentry, von denen leider nur die Flügel gut erhalten sind. Diese weichen von den übrigen Protorthopterenflügeln in einigen Punkten ab, so durch den stärker reduzierten Sector radii und die dafür mehr ausgebreitete Medialis. Genus: Homalophlebia Brongniart. Homalophlebia Finoti Brongniart. (Tal. XIV, Fig. 6.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Homalophlebia Finoti, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 56c. t. 51. f. 8. q. 1893. Ein 60 mm langer, schlanker Flügel mit gebogenem Vorderrande, mar- ginaler Costa, etwas abgerundeter Spitze, ziemlich schmalem Costalfelde und abgekürzter, in die Costa einmündender Subcosta. Radius am Ende mit einigen kleinen, nach vorne gerichteten Adern. Sector radii ungefähr am Ende des ersten Viertels der Flügellänge entspringend und erst nahe dem Ende in vier kurze genäherte Äste geteilt. Die Medialis ist frei und tritt nicht mit dem Sector radii in Verbindung; sie verzweigt sich reichlich und bildet etwa ein Dutzend Äste, welche alle fast gerade gegen den Spitzenrand ziehen. Carbonische Formation. j ■ly Viel weniger verzweigt erscheint der Cubitus. Die Analadern sind in grösserer Zahl entwickelt, fast gerade und nicht gegen den Hinterrand gekrümmt. Queradern reichlich entwickelt, unregelmässig verteilt. Brongniart hat diese Form bei den Protolocustiden untergebracht. Genus: Parahomalophlebia m. Parahomalophlebia Courtini Brongniart. (Taf. XIII, Fig. 25.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Homalophlebia Courtini, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 560. t. 45. f. 3. 1893. Länge des Vorderflügels 50 mm. Flügel breiter als bei Homalophlebia, mit gebogener marginaler Costa, verkürzter Subcosta und ? einfachem Radius, dessen Sector nahe der Flügelbasis entspringt und erst gegen den Rand zu in zwei Ästchen zerfällt. Die reich verzweigte Medialis tritt auch hier nicht mit dem Sector radii in Verbindung und zerfällt in etwa ein Dutzend Zweige. Cubitus schwach verzweigt, Analfeld klein mit wenigen nicht nach hinten ge- bogenen Adern. Queradern reichlich entwickelt, unregelmässig. Ich halte es für angezeigt, diese Form nicht in dieselbe Gattung zu stellen wie die vorhergehende und schlage deshalb den Genusnamen Para- homalophlebia vor. Familie; Protokollariidae m. In diese Familie stelle ich eine von Brongniarts Protoperliden. Es er- scheint mir kaum zweifelhaft, dass diese Form zu den Protorthopteren gehört und mit Perhden nichts zu tun hat. Von den Homalophlebiden unterscheidet sie sich durch den mächtig entwickelten Sector radii und durch die stark reduzierte Medialis. Die etwas gegen den Hinterrand hinuntergebogenen verzweigten Analadern erinnern noch in gewissem Grade an Paläodictyo- pteren. Genus : Protokollaria Brongniart. ProtokoUaria ingens Brongniart. (Taf. XIV, Fig. 7.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. ProtokoUaria ingens, Brongniart, Bull. Soc. Ronen. (3) XXI. 66. t. 3. f. 3. 1885. Protokollaria ingens, Brauer, Annalen Hofmus. Wien. I. loS. t. 7. f. 6. 1886. Protokollaria ingens, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 532. t. 40. f. 6. 1893. Ein 50 mm langes Stück eines etwa 60 mm langen schlanken Vorder- flügels mit fast gerader marginaler Costa, schmalem Costalfelde, einfachem Radius und nahe der Basis entspringendem Sector radii, dessen erster Ast schon vor der Flügelmitte nach hinten abzweigt, ebenso wie die folgenden zwei (oder drei ?) Äste. Die Medialis tritt nicht mit dem Sector radii in Ver- bindung und verzweigt sich nur sehr wenig. Auch die Cubitalis ist sehr schwach verzweigt. Die erste Analader ist gestreckt und zieht schief gegen den Hinterrand, . die zweite und dritte ist reicher verzweigt und sendet die etwas gebogenen Äste gegen den Hinterrand. Das Zwischengeäder ist derb und reichhch, in den breiteren Feldern, namentlich zwischen Cubitus und Analis unregelmässig netzartig verschlungen. 138 Carbonische Formation. Brauer hat die Beziehungen dieser Form zu Orthopteren und speziell zu Locustiden schon richtig erkannt. Ich habe nach Brongniarts photographischer Abbildung eine Zeichnung hergestellt, welche wesentlich von der schematischen Abbildung in Brongniarts Werk abweicht und die Deutung der Adern er- möglicht. Familie; Pacliytylopsidae m. Diese Gruppe vereinigt einige Formen mit schlanken, am Ende abge- rundeten Flügeln, marginaler Costa, breitem Costalfelde und auffallend kleinem Analfelde. Der Radius ist dadurch charakterisiert, dass er vor dem Ende eine oder zwei Adern schief nach hinten entsendet. Der Sector radii entspringt bereits nahe der Basis und bildet eine grosse Gabel mit verzweigten Zinken. Ahnlich ist die Medialis gegabelt; der vordere Gabelast derselben nähert sich sehr dem Sector radii, ohne sich jedoch ganz mit demselben zu vereinigen. Der Cubitus zerfällt in zahlreiche Äste und er- streckt sich schief längs des Hinterrandes bis über die halbe Flügellänge hinaus. Queradern sehr zart und unregelmässig, vielfach verschlungen. Genus: Pachytylopsis De Borre. Pachytylopsis Persenairei De Borre. (Taf. XIV, Fig. 8.) Fundort: Jemappes (Hainaut), Belgien. Westphahen. Mittleres Obercarbon. Pachytylopsis Persenairei, De Borre, Ann. Soc. Ent. Belg. XVIII. 5. t. 5. f. i. 1875. Pachytylopsis Persenairei, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 341. t. 31. f. 7. 1885. Pachytylopsis Persenairei, Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. 66. 1885. Pachytylopsis Persenairei, Hamllirsch, Mem. Mus. Belg. III. i. 6. 1". 22. 23. 1904. Ein etwa 40 m.m langer Vorderflügel. Co.sta marginal und fast gerade. Costalfeld breit. Subcosta etwas über die halbe Flügellänge reichend und dann mit der Costa verbunden. Radius bis zur Flügelspitze reichend, mit einem grösseren nach hinten abzweigenden gegabelten Ast und mit einem kleineren einfachen Ästchen. Sector radii sehr nahe der Flügelbasis ent- springend, ungefähr in halber Flügellänge in zwei gegabelte Hauptäste ge- teilt. Medialis vor der Flügelmitte einen nach vorne gebogenen Ast ent- sendend, der sich dem Stamme des Sector radii nähert und mit demselben durch eine kurze Querader verbunden ist und gegen den Rand zu eine kleine Gabel bildet. Der Hinterast der Mediahs zerfällt in drei Zweige. Cubitus schief gegen den Hinterrand ziehend und in sechs Zweige geteilt. Analfekl klein, mit schief gegen den Rand ziehenden Adern. Queradern sehr fein und unregelmässig, nur ganz undeutlich erhalten. De Borre hielt diesen Flügel für jenen einer Acridide. Scudder stellte das Fossil zu den Hemeristinen (Palaeodictyoptera neuropteroidea), Brongniart zu den Homothetiden, die er für ephemeroide Paläodictyopteren hielt. Brauer fand Beziehungen zu Sialiden. Ich zweifle nicht an der Zugehörigkeit dieser Form zu den Protortho- pteren und bin überzeugt, dass die Auffindung reicheren Materiales meine Ansicht bestätigen wird. Carbonische Formation. 13g Genus: Palorthopteron Handlirsch. Palorthopteron melas Handlirsch. (Taf. XIV, Fig. g.) Fundort: Frameries, Belgien, Westphalien. Mittleres Obercarbon. Palorthopteron melas. Handlirsch, Mem. Mus. Belg. III. t. 5. f. 24. 1904. Ein 36 mm lange.s schlecht erhaltenes Fragment eines etwa 40 mm langen Flügels. Das Costalfeld ist mehr zugespitzt und reicht viel weiter zur Spitze des Flügels als bei Pachytylopsis. Wie dort entsendet auch hier der Radius einen gegabelten Ast nach hinten. Der Sector radii entspringt etwas weiter von der Basis und bildet eine grosse Gabel mit drei- oder vierzackigem Vorderaste und einfach gegabeltem Hinteraste. Vorderast der Medialis durch eine Ouerader mit dem Sector radii verbunden. Diese Form ist offenbar mit Pachytylopsis sehr nahe verwandt. Genus: Symballophlebia Handlirsch. Symballophlebia latipennis Handlirsch. (Taf. XIV, Fig. lo.) Fundort: Flenu, Belgien. Westphalien. Mittleres Obercarbon. Symballophlebia latipennis, Handlirsch, Mem. Mus. Belg. III. t. 6. f. 25. 26. 1904. Ein 32 mm langes Fragment eines etwa 45 mm langen Vorderflügels, dessen Breite etwa 16 mm betragen dürfte. Costa marginal, schwach gebogen. Costalfeld breit. Subcosta weit über die Mitte des Flügels fortgesetzt. Der Sector radii entspringt nahe der Basis und entfernt sich so weit von dem Radius, dass ich annehmen muss, es seien auch hier einige Äste aus dem letzteren entsprungen. Sector radii etwa in der Flügelmitte in zwei gegabelte Äste geteilt. Medialis mit gegabeltem Vorderaste, der sich gleich an der Basis scharf nach vorne biegt und für eine ganz kurze Strecke an den Sector radii anlegt. Hinterast der Medialis mit drei Zinken. Cubitus zart entwickelt, undeutlich, schief gegen den Hinterrand ziehend und eine Anzahl Äste bildend. Anal- adern nicht erhalten, das Analfeld aber jedenfalls sehr klein. Queradern fein und unregelmässig, stellenweise verschlungen. Nach der Bildung der Medialis und des Sector radii zu schliessen, ist dieses interessante Fossil nahe mit Pach3rtylopsis verwandt, unterscheidet sich aber durch die grössere Flügelbreite und mehrere Details hinlänglich, um die generische Trennung gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Genus: Thoronysis m. Thoronysis ingbertensis Amnion. (Taf. XIV, Fig. ii.) Fundort: St. Ingbert, Bayerische Pfalz. Saarbrücker Stufe. Mittleres Ober- carbon. Oedischia Ingbertensis, Ammon, Geognost. Jahresh. XV. 282. 1903. Oedischia Ingbertensis, Steinkohlenf. Bayr. Pfalz. 51. f. 8. 1903. Ein schlanker, etwa 60 mm langer Vorderflügel, der etwa 3^/2 mal so lang als breit ist und seine grösste Breite etwa in der Mitte erreicht. Costa lAQ Carbonische Formation. marginal, Costalfeld breit, Subcosta vor der Spitze in den Radius mündend. Radius vor dem Ende mit einigen nach hinten abzweigenden Ästchen. Sector radii im ersten Drittel der Flügellänge entspringend, nach einander einen drei- teihgen, einen gegabelten und einen einfachen Ast nach hinten aussendend. Die Medialis gabelt sich etwas hinter dem Ursprünge des Sector radii, dem ihr vorderer Ast sehr nahe kommt, ohne jedoch in Verbindung zu treten. Jeder Haupta.st zerfällt in etwa vier Zweige. Cubitus in etwa acht Zweige gespalten. Analfeld durch eine schiefe Falte begrenzt, kurz und nur etwa drei kurze, schiefe Adern enthaltend. Das Zwischengeäder scheint namentlich gegen die Peripherie zu aus einem feinen Netzwerk zu bestehen. ? Familie; Laspeyresiidae m. In diese provisorische Gruppe stelle ich eine interessante Form, welche von Schlechtendal als Laspeyresia Wettinensis beschrieben wurde und jeden- falls in die Ordnung der Protorthoptera gehört. Dieses Tier scheint sehr schlank und schmal gewesen zu sein. Die vier übereinander gelagerten Flügel waren fast gleich lang, am Ende abgerundet. Der .Sector radii der Vorderflügel ent- sprang vor der Flügelmitte und schickte eine Reihe (etwa 7 — 8) regelmässiger Äste nach hinten. Die Aledialis sowie der Cubitus scheinen frei aber nicht stark entwickelt gewesen zu sein. Genus: Laspeyresia Schlechtendal. Laspeyresia Wettinensis SchlechtendaL (Taf XIV, Plg. 12.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Laspeyresia Wettinensis, Schlechtendal i. 1. Flügellänge etwa öo mm, grösste Breite etwa 10 mm. Das Original ist Eigentum der geologischen Landesanstalt in Berlin. Ich konnte es leider nicht selbst vergleichen und bin daher auf eine Photographie angewiesen, welche mir Herr Dr. v. Schlechtendal in liebenswürdiger Weise zur Benützung überliess. Nach dieser Photographie ist die beigegebene stark schematisierte Skizze angefertigt worden. Diese Form zeigt wohl einige Anklänge an Sthenarocera, Ischnoneura und Genentomum, scheint aber von all diesen Gattungen ziemlich stark abzu- weichen. Ob sie als eigene Familie zu betrachten sein wird oder nicht muss erst die Zukunft lehren. Familie: Caloneuridae m. In diese Familie stelle ich eine von Brongniarts Paläacrididen, welche sich durch schöne, längs der Adern dunkel gezeichnete Flügel und sehr lange Fühler auszeichnet. Der Thorax ist ähnlich wie bei rezenten Locustiden, ge- drungen und kräftig, der Prothorax nicht verlängert, der Kopf orthognath, das erste Beinpaar zarter als das zweite. Ob Sprungbeine entwickelt waren, kann ich nicht feststellen, doch schemt es mir wahrscheinlich. Der .Sector radii ist Carbonische Formation. i/|^i Stark entwickelt, die Medialis und besonders der Cubitus vie^l schwächer. Analadern der Vorderflügel spärlich und gestreckt. Genus: Caloneura Brongniart. Caloneura Dawsoni Brongniart. ( Taf. XIV, Fig. 13.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Caloneura Dawsoni, Prongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. 59. 1885. Caloneura Dawsoni, Brongniart. Faune ent. teir. prim. 562. t. 52. f. 5 — 11. 1893. Costa marginal, schwach gebogen, Costalfeld schmal, Subcosta ziemlich lang. Radius einfach. Sector radii nahe der Basis entspringend, hinter der Flügelmitte 4 oder 5 schief nach hinten gerichtete Aste entsendend. Medialis nicht mit dem Sector radii verbunden und einfach gegabelt. Cubitalis dem Anscheine nach nicht verzweigt. Analadern der Vorderfiügel gestreckt, schief gegen den Hinterrand ziehend. Hinterflügel wahrscheinlich mit grösserem, fächerartigem Analteil, der aber auf den Abbildungen nicht kenntlich ist. Queradern reichlich entwickelt, deutlich und ziemlich regelmässig. Alle Längsadern waren breit dunkel gerändert. Wühler sehr lang und ähnlich wie bei Locustiden gebildet. Flügellänge etwa 40 mm. Ich bin nicht davon über- zeugt, dass alle von Brongniart in dieser Spezies vereinigten Formen wirklich zusammengehören, kann aber ohne Vergleich der Originale keine Trennung vornehmen. Brongniart hielt diese Tiere für die direkten Vorfahren der Acridier, was wohl nicht ganz richtig ist. Scudder stellte sie zu seinen orthopteroiden Paläodictyopteren. Familie; Sthenaropodidae m. Hieher rechne ich eine von Brongniarts Protolocustidenformen, welche durch den langen halsartigen Prothorax lebhaft an die Spanioderiden erinnert. Auch der Kopf scheint ähnlich gewesen zu sein, wie bei jenen Formen, ebenso die zarten Beine, von denen die hinteren am längston sind, so dass man sie beinahe für Sprungbeine halten könnte, wenn die Schenkel etwas stärker wären. Die Vorderflügel haben einen schwach gebogenen Vorderrand und ein breit abgerundetes Ende. Ihre Costa ist marginal, die Subcosta verkürzt, der Radius mit einer Anzahl nach vorne gegen den Costalrand ziehender Astchen und mit einem in Mitte der Flügellänge entspringenden mehrfach verzweigten Sector versehen. Der Vorderast der Medialis vereinigt sich mit dem hintersten Ast des Sector radii, trennt sich dann aber wieder von demselben. Der hintere Ast der Medialis ist gegabelt. Die Cubitalis bildet einen langen Bogen, aus welchem mehrere lange Zweige schief nach hinten ziehen. Die Analadern laufen schief gegen den Hinterrand. An den Hinterflügeln scheint die Medialis nicht mit dem Sector radii in Verbindung zu stehen. Queradern reichlich entwickelt. 1,2 Carbonische Formation. Genus: Sthenaropoda Brongniart. Sthenaropoda Fischen Brongniart. (Taf. XIV, Fig-. 14 — lö.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Sthenaropoda Fischeri, Brongniart, Bull. Soc. Reuen. (3) XXI. 59. t. i. f. 4. 1885. Oedischia Fischeri, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 559. t. 51. f. 5. 6. 1893. Länge des ganzen Tieres etwa 73 mm. Länge des Vorderflügels etwa 50 mm. Brongniart stellte dieses Fossil zuerst (1S.S5) zu den Paläacrididen , um es später (1893) "li'- Oedischia zu vereinigen und zu den Protolocustiden zu verweisen. Die Unterschiede zwischen Sthenampoda und Oedischia scheinen mir genügend, um eine Trennung in verschiedene Familien zu rechtfertigen. Familie: Oedischiidae m. Eine Anzahl Protorthopterenformen zeichnet sich dadurch aus, dass der vordere Ast der Medialis der Vorderflügel mit dem Sector radii in Verbindung tritt, um sich später wieder zu trennen und scheinbar als Ast des Sector radii fortzusetzen. Leider ist nur bei einer dieser Arten mehr als der Flügel er- halten, und wir sehen bei dieser die verlängerten Hinterbeine mit ihren gegen die Basis zu verdickten Schenkeln — offenbar Sprungbeine. Genus: Oedischia Brongniart. Costalrand fast gerade, Spitze der Flügel abgerundet. Grösste Breite in der Gegend des Analfeldes. An der Basis ist ein kurzes dreieckiges Prae- costalfeld zu bemerken. Subco.sta abgekürzt, in die Costa einmündend und etwa "/-i der Flügellänge erreichend. Radius mit einigen kurzen nach vorne gerichteten Ästchen. Sector radii etwa in der Flügelmitte entspringend, massig reichlich verzweigt. Medialis ziemlich reichlich verzweigt und ihr vorderster Ast für eine kurze Strecke mit dem Sector radii verbunden. Cubitus lang- gestreckt und geschwungen, mit zahlreichen schief nach hinten gerichteten Ästen. Analadern spärlich, schief gegen den Hinterrand gerichtet. Queradern reichlich entwickelt, unregelmässig und fein. Oedischia Williamsoni Brongniart. (Taf. XIV, Fig. 17 — 19.) Fundort: Commentry, P'rankreich. Stephanien. ( )beres Obercarbon. Oedischia Williamsonii, Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. 58. t. 1. f. 3. 1SS5. Oediscliia Williamsonii, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 559. t. 51. f. I — 4. 1S93. Länge des Vorderflügels 62 mm. Der Sector radii erreicht mit etwa 9 Ästen den Flügelrand, die Medialis mit 7 und der Cubitus mit (>. Die Hinterbeine sind wie bei den Locustiden gebildet, ihre Schenkel gegen die Basis zu verdickt, die Schienen an der Oberseite mit zahlreichen Dornen be- setzt. Vorder- und Mittelbeine waren viel kürzer und zarter. Brongniart hat diese schöne Form zuerst bei den Paläacrididen und später bei den Protolocustiden untergebracht. Carbonische Formation. j.-. Oedischia Filholi Brongniart. (Taf. XIV, Fig. 20.1 Fundort : Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Sthenaropoda Filholi, Brongniart, Bull. Soc. Ronen. (3) XXI. 59. t. i. f. 5. 1S85. Oedischia Filholi, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 559. t. 51. f. 7. 1893. Von dieser Form ist nur der Apikaiteil eines Flügels abgebildet, der auffallende Ähnlichkeit mit jenem der vorhergehenden Art zeigt. Der Sector radii zerfällt in 7 Äste, die Medialis in 1 1. Cubitus ähnlich wie bei Williamsoni, ebenso die Queradern. Auch diese Form wurde zuerst zu den Paläacrididen und erst später zu den Protolocustiden gestellt. Genus: Acridites Germar. Der vorhergehenden Gattung sehr ähnlich. Die Subcosta noch mehr verkürzt, der Sector radii näher der Flügelbasis entspringend, in wenige Äste geteilt. Medialis mit dem Sector radii für eine kurze Strecke verbunden und In 7 oder 8 Äste gespalten. Cubitus ähnlich wie bei Oedischia, mit ca. 9 Ästen. Analadern zum Teil verzweigt und schief gegen den Hinterrand gerichtet. Queradern sehr unregelmässig, stellenweise netzartig verschlungen. Acridites carbonarius Germar. (Taf. XIV, Fig. 21.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Acridites carbonarius Germar, Münster, Beiträge. V. 93. t. 13. f. 5, 1842. Blattina carbonaria, Heer, Viertelj. nat. Ges. Zürich. IX. 288. Nr. 15. 1864. Lithosialis carbonaria, Scudder, Meni. Best. Soc. HI. 340. 1885. Megathentomum carbonatum, Brongniart, Bull. Soc. Ronen. (3) XXI. 60. 1885. Länge des Flügels etwa 40 mm, Länge des erhaltenen Teiles 33 mm. Germar hielt dieses Fossil ursprünglich für einen Heuschreckenflügel, meinte aber später es könne auch der Hinterflügel seiner Blattina didyma sein. Dieser letzteren Ansicht schlössen sich auch Heer und Goldenberg an. Scudder verwies das Fossil dann zu den Hemeristinen, einer Gruppe seiner neuropteroiden Paläodictyopteren und Brongniart vereinigte es mit der Gattung Megathentomum, die er bei den Sthenaropteriden, einer Familie seiner Neur- orthoptera untergebracht hatte. Von allen Autoren ist also Germar zuerst der Wahrheit am nächsten gekommen. Das Original trägt ausser der Bezeichnung „Acridites carbonarius" auch den Vermerk „cf Blattina didyraa, Hinterflügel". Genus: Macrophlebium Goldenberg. Ein gegen die Mitte stark verbreiteter Flügel mit stark verkürzter Sub- costa, nach vorne verästeltem Radius, dessen Sector etwas vor der Flügelmitte entspringt und nur wenige schiefe Äste gegen den Spitzenrand entsendet. Die Medialis ist stark entwickelt und bildet etwa ein Dutzend Äste, von denen der vorderste mit dem Sector radii in Verbindung tritt. Der Cubitus ist weniger reichlich verzweigt. Das Zwischengeäder ist in den breiteren Feldern unregel- mässig, netzartig, in den schmäleren Feldern aber regelmässig. Alle Adern j^^ Carbonische Formation. sind von einem breiten dunklen Saume umgeben und erscheinen dadurch sehr dick. Macrophlebium Hollebeni Goldenberg. (Taf. XIV, Fig. 22). Fundort: Älanebach, Thüringen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Macrophlebium hollebeni, Goldenberg, Neue Jahrb. Min. 164. t. 3. f. 12. 1869. Dieses leider nicht sehr gut erhaltene Fossil wurde von Goldenberg als Bindeglied zwischen Fulgoriden und Cikaden betrachtet. Scudder sprach dann die Vermutung aus, es könne auch eine Blattide sein, und Brongniart stellte es zu den Palilacrididen. Ich zweifle nicht, dass Brongniart der Wahrheit am nächsten gekommen ist, und halte Macrophlebium für eine Protorthopteren- form aus der Verwandtschaft von Oedischia etc. Der Flügel, jedenfalls ein Vorderflügel, hat eine Länge von 50 mm. Genus: Berlichia Schlechtendal. Nahe verwandt mit Macrophlebium. Subcosta nicht weit über die halbe Länge des Flügels hinausreichend. Radius mit vielen nach vorne gerichteten Zweigen. Sector radii schon von der Basis aus getrennt, sehr schwach ver- zweigt. Medialis mit fünf meist gegabelten Ästen, deren vorderster mit dem Sector radii in Verbindung tritt. Cubitus in drei mehrfach verzweigte Äste gespalten. Analadem reichlich verzweigt und schief gegen den Hinterrand ziehend. Queradern unregelmässig und weitläufig verteilt, meist wellig. Berlichia Wettinensis Schlechtendal. (Taf. XIV, Fig. 23.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Berlichia Wettinensis, Schlechtendal, i. 1. Länge des Flügels 34 mm. Das Original ist Eigentum des Alineralischen Museums in Halle. Genus: Genentomuni Scudder. Vorderflügel mit schwach gebogener marginaler Costa, verkürzter Sub- costa, die nicht weit über die Flügelmitte hinausragt. Sector radii ung-efähr in V* der Flügellänge entspringend, schwach verzweigt (? nur zwei Äste). Medialis mit vier zum Teil gegabelten Hauptästen, deren vorderster mit dem Sector radii in Verbindung tritt. Cubitus mit etwa fünf schief nach hinten ziehenden Ästen. Analadern verzweigt und schief gegen den Hinterrand ge- richtet. Queradern ausser in der Costalpartie nur undeutlich erhalten, massig- reichlich entwickelt. Hinterflügel mit stark verzweigtem Sector radii, dessen acht Zweige gegen den Spitzenrand ziehen. Dahinter folgen zwei fast parallele gerade Adern, welche offenbar der Medialis angehören. Cubital- und Analfeld nicht gut erhalten. Carbonische Formation. j,c Genentomum validum Scudder. (Taf. XIV, Fig. 24, 25.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois. Nord-Amerika. Pennsylvanian, Kittaning ? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Genentomum validum, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 329. t. 30. f. 2. 3. 1885. Oedischia valida, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 559. 1893. Länge des Flügels etwa 45 mm. Scudder stellte diese Form zu den Homethetiden (neuropteroiden Palaeo- dictyopteren); er hielt den Hinterflügel für den Vorderflügel und umgekehrt. Brauer brachte das Fossil in Beziehung zu Sialiden und nur Brongniart hat dessen systematische Stellung richtig erkannt, wenn er auch mit der Ein- reihung in das Genus Oedischia nach meiner Ansicht einen Schritt zu weit gegangen ist. Das Original ist Eigentum des U. S. National-Museum. Genus: Progenentomum m. Der vorigen Gattung nahe stehend. Der Vorderflügel etwas mehr zu- gespitzt. Vorderrand schwach gebogen. Subcosta abgekürzt. Radius einfach, sein Sector weit vor der Mitte entsprmgend, mit vier zum Teil gegabelten Haupt- ästen. Medialis mit (?) fünf fast parallelen Hauptästen, deren vorderster mit dem Sector radii an einem Punkte in Berührung tritt. Cubital- und Analteil nicht erhalten. Queradern fast gerade, ziemlich regelmässig und zahlreich, aber nicht sehr stark ausgeprägt. Progenentomum carbonis m. (Taf. XIV, Fig. 26.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois. Nord-Amerika. Pennsylvanian; Kittaning ? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Es ist nur ein 35 mm langes Stück des ungefähr 50 mm langen Flügels erhalten. Eigentum des Herrn L. E. Daniels in Washington. Familie: Omalidae m. Unter den Insekten des belgischen mittleren Obercarbon ist eine Form welche durch ihre Flügelform und durch das nach vorne bogenförmig be- grenzte Analfeld an Blattoiden erinnert, in den übrigen Charakteren aber mit den Protorthopteren dermassen übereinstimmt, dass ich nicht zögere, sie hier unterzubringen. Die Costa ist marginal, das Costalfeld lang, der Radius ver- mutlich einfach mit einem ungefähr in der Flügelmitte entspringenden, schwach verzweigten Sector. Medialis mit einem nach hinten abzweigenden Ast, dann gegabelt und durch einen Ast mit dem Sector radii verbunden. Cubitus mächtig entwickelt, mit zahlreichen gegen den Hinterrand ziehenden Ästen. Analfeld mit einigen schiefen Längsadern. Queradern unregelmässig, ein weitmaschiges Netzwerk bildend. Handlirsch, Die fossilen Insekten. 146 Carbonische Formation. Genus: Omalia Van Beneden et Coemans. Omalia macroptera Van Beneden et Coemans. (Taf. XV, Fig. i.) Fundort: La Louviere (Hainaut), Belgien. Westphalien. Mittl. Obercartaon. Omalia macroptera, Van Beneden et Coemans, Bull. Acad. Belg. (2) XXIII. IV. 384. fig. 1867. Omalia macroptera, Brongniart, Bull. Soc. Reuen. 1,3) XXI. 66. 1885. Omalia macroptera, Handlirsch, Mem. Mus. Belg. III. t. 5. f. 21. 1904. Ein 55 mm langes Fragment eines etwa 70 mm langen Flügels. Costa und Subcosta stark gebogen, gegen die Flügelspitze allmählich convergent. Radius nicht sehr weit von der Subcosta entfernt und fast parallel mit der- selben. Sector radii etwas vor der Flügelmitte entspringend, bis zu seiner Verbindung mit dem Vorderaste der Medialis sanft S-förmig gebogen und weiterhin fast parallel mit dem Radius verlaufend, um sich bald in einige Äste zu teilen. JMedialis bis über die Flügelmitte hinaus frei, dann einen Ast nach hinten entsendend, bald darauf gegabelt und durch den vorderen der auf diese Weise entstandenen Äste mit dem Sector radii verbunden. Cubitus stark ent- wickelt und fast die hintere Hälfte der Flügelfläche einnehmend, mit etwa acht nach hinten gerichteten Asten. Erste Analader in sanftem, gleichmässigen Bogen gegen den Hinterrand ziehend, ähnlich die zweite, die dritte bereits gerade und schief gestellt. Queradern weitläufig verteilt, unregelmässig und stellenweise netzartig verbunden. Dieses Fossil wurde ursprünglich mit Sialiden in Verbindung gebracht, dann von Scudder zu den Homothetiden, einer Gruppe der neuropteroiden Paläodictyopteren gestellt. Trotz der riberflächlichen Ähnlichkeit mit gewissen Blattiden bin ich doch überzeugt, dass es sich hier um eine etwas aberrante Protorthopterenform handelt, welche ich als eigene Familie an die Oedischiiden anreihe, mit denen sie in bezug auf die Verbindung von Sector radii und Medialis am meisten übereinstimmt. Die Form des Flügels scheint jedoch eine viel breitere gewesen zu sein. Familie: Geraridae m. In diese Familie stelle ich eine Reihe grösserer amerikanischer Arten, die meist nicht vollständig genug erhalten sind, um genau beschrieben zu werden, die aber dennoch deutlich erkennen lassen, dass sie zu den Protortho- pteren gehören. Die Körper sind nicht gut erhalten, scheinen jedoch ziemlich schlank gewesen zu sein, und der Prothorax macht einen gedrungenen Ein- druck. Er scheint breit und kurz gewesen zu sein mit Kanten, Leisten oder Fortsätzen, vielleicht ähnlich wie bei vielen rezenten Orthopteren. Es liegen leider bei allen Formen Vorder- und Hinterflügel übereinandergefaltet ober dem Hinterleibe, so dass die Entzifferung des Geäders mit bedeutenden Schwierigkeiten verbunden ist. Vielleicht wird bei genauerer Kenntnis der Arten diese Familie mit den Oedischiiden zusammenfallen. Carbonische Formation. j^y Genus: Gerarus Scudder. Flügel mit leicht gebogenem Vorderrande, marginaler Costa, breit ab- gerundetem Ende und verkürzter Subcosta. Radius einfach. Sector radii nahe der Basis entspringend, mit zahlreichen, teilweise verzweigten Ästen. Medialis (wenigstens auf den Hinterflügeln) frei, Cubitus mit mehreren nach hinten abzweigenden Ästen. Analfeld der Hinterflügel jedenfalls fächerartig vergrössert. Gerarus vetus Scudder. (Taf. XV, Fig. 2.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois (Nordamerika). Pennsylvanian, Kittaning ? (Allepheny) stage. Mittleres Obercarbon. Gerarus vetus, Scudder, Mem. Best. Soc. III. 344. t. 31. f. 6. 1885. Die Type Nr. 38 136 in der Sammlung des U. S. National- Museum in Washington zeigt die übereinandergelagerten Vorder- und Hinterflügel von etwa 50 mm Länge. Man sieht auf der linken Seite meiner Abbildung neben- einander die marginale Costa des Vorder- und Hinterflügels, dann die Sub- costa, den Radius und einige Äste des Sector radii, ferner ein Stück von der Medialis und den stark gebogenen Cubitus mit den Resten zweier Äste. Queradern sind nur stellenweise zu sehen. Scudder gründete auf diese und noch eine zweite Art das Genus Gerarus, welches er als Typus seiner „Gerarina", einer Gruppe der „neuropteroiden Paläodictyopteren", betrachtete. Gerarus longus m. (Taf. XV, Fig. 3.) Fundort: Mazon Creek near Morris, lUinois (Nordamerika). Pennsylvanian, Kittaning ? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Ein Exemplar, Nr. 38S22 des U. S, National- Museum. Diese Form scheint bei gleicher Flügellänge (50 mm) schlanker resp. schmäler gewesen zu sein wie Gerarus vetus. Ganz ähnlich wie dort, liegen auch hier die vier Flügel übereinander, was die Deutung sehr erschwert. Gerarus Daniels! m. (Taf. XV, Fig. 4, 5.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois (Nordamerika). Pennsylvanian, Kittaning ? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Druck und Gegendruck eines prachtvoll erhaltenen Exemplares aus der Sammlung des Herrn Daniels in Washington. Leider liegen auch hier wieder die Flügel übereinander, aber man ist doch in der Lage, mehr zu entziffern, als bei den anderen Stücken, weil der Vorderflügel mit Ausnahme des Costal- randes nur geringe Spuren hinterlassen hat. Unsere Abbildung zeigt auf der rechten Seite die deutliche marginale Costa, dann die vor der Spitze in die Costa mündende Subcosta, den einfachen Radius, den nahe der Flügelwurzel entspringenden Sector radii mit fünf ein- fachen oder (links!) verzweigten Ästen, dann die mehrfach verzweigte Medialis und endlich den Cubitus mit seinen abgekürzten, gegen die Analfalte hinunter- j^3 Carbouische Formation. ziehenden Ästen. Von dem offenbar gefalteten Analfächer sind eine Anzahl radienartig divergierender, gerader Adern zu sehen. Oueradern scheinen ziem- lich reichlich entwickelt gewesen zu sein, sind aber nicht scharf ausgeprägt. Der Hinterleib war kürzer als die Flügel und massig dick, der Prothorax sattelförmig mit vier lateralen langen, dnrnartigen Fortsätzen und zwei ver- mutlich höckerartigen Erhebungen auf der Oberseite. Vor dem Prothorax ist ein langes, anscheinend zylindrisches Gebilde zu sehen , welches vermutlich dem Kopfe angehörte. Gerarus angustus m. (Taf. XV, Fig. 6.) Fundort: Mazon Creek, Illinois, Nordamerika. Pennsyivanian; Kittaning? (Alle- gheny) stage. Mittleres Obercarbon. Diese Art war länger und schmäler als die vorhergehenden und dürfte eine Flügellänge von etwa 65 mm gehabt haben. Das erhaltene Fragment der Flügel hat eine Länge von 53 mm. Leiderliegen auch hier wieder Vorder- und Hinterflügel übereinander, so dass die Entzifferung mit grossen Schwierig- keiten verbunden sein wird. Das Original ist Eigentum des U. S. National- Museum und trägt die Nr. 3881 1. ? Gerarus mazonus Scudder. (Taf XV, Fig. 7.) Fundort: Mazon Creek, Near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsyivanian; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Gerarus mazonus, Scudder, Mem. Bost. Soc. HI. 344. t. 32. f. 7. 1885. Diese Form kann man nur nach dem Habitus beurteilen, weil das Geäder der vier übereinandergelagerten Flügel so unklar gezeichnet ist, dass man es nicht entziffern kann. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte die Art in das Genus Gerarus gehören, Genus: Genopteryx Scudder. In dieses Genus stellt Scudder eine Art, die jedenfalls mit Gerarus sehr nahe verwandt sein dürfte, von Scudder aber trotzdem nicht zu den (rerarinen, sondern zu den Homothetiden gestellt wird. Genopteryx constricta Scudder. (Taf XV, Fig. 8.) l'undort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsyivanian; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Genopteryx constricta, Scuilder, Mem. Bost. Soc. III. 327. t. 29. f. 11. 1885. Gut erhalten ist ein 30 mm langes Stück aus der Mitte eines etwa 40 mm langen Hinterflügels. Es zeigt uns die marginale Costa, die verkürzte Sub- costa, den einfachen Radius und dessen langen, nahe der Basis entspringenden Sector, mit einer Reihe (ö) gegabelter, nach hinten abzweigender Aste. Die folgenden Adern sind nur an der Basis erhalten. Queradern undeutlich. Das Original ist Eigentum des U. S. National-Museum und trägt die Nr. 3S 148. Carbonische Formation. ii|.g ? Genus : Geraroides Handlirsch. Eine provisorische Gattung. Geraroides maximus Melander. (Taf. XV, Fig. 9.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Diecoiieura maxima, Melander, Journ. Geol. XI. 193. t. 6. f. 5. t. 7. f. 14 — 16. 1903. Eine Form von dem Habitus der Gerariden, mit etwa 38 mm langen, über- einandergelagerten Flügeln und ziemlich plumpem Leibe. Das Geäder vermag ich nach der Zeichnung nicht zu entziffern, doch scheint es jenem der Gerarus- Arten nicht unähnlich zu sein. Zu Dieconeura möchte ich das Fossil auf keinen Fall stellen. Melander reihte die Form bei den „neuropteroiden" Paläopterinen ein. Familie; Sthenaroceridae m. Genus: Sthenarocera Brongniart. Brongniarts Paläacrididengattung Sthenarocera ist zwreifellos mit Calo- neura und Oedischia verwandt, scheint sich aber von beiden doch wesentlich zu unterscheiden. Leider ist das Geäder der auffallend schlanken Flügel nicht leicht zu entziffern, und ich ziehe es daher vor, das interessante Fossil vor- läufig nicht mit einer der genannten Formen zu vereinigen, sondern in eine eigene, allerdings nur provisorische Gruppe zu stellen. In bezug auf den breiten, kurzen Prothorax, den orthognathen grossen Kopf und die kräftigen, sehr langen Fühler, ebenso wie in bezug auf die Vorderbeine und Mittelbeine reiht sich Sthenarocera an Caloneura an. Die Hinterbeine waren bereits stark verlängert und jedenfalls schon zum Springen geeignet. Die Flügel lagen dachartig über dem Abdomen und waren sehr lang und schmal. Costa, Sub- costa, Radius und Sector radii laufen fast parallel und nahe aneinander. Letzterer entsendet eine Reihe regelmässiger Äste schief nach hinten (etwa 6). Wenn ich mich nicht irre, so vereinigte sich der vordere Ast der Medialis für eine kurze Strecke mit dem Sector radii. Die folgenden Adern sind undeutlich, und ich kann nach den photographischen Abbildungen ihren Zusammenhang nicht ermitteln. Queradern reichlich entwickelt. Sthenarocera pachytyloides Brongniart. (Taf. XV, Fig. lo.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Sthenarocera patytyloides, Brongniart, Bull. Soc. Ronen. (3) XXI. 5g. t. i. f. i. 2. 1885. Sthenarocera patytyloides, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 563. t. 48. f. 13. t. 51. f. 11. 12. 1893. Länge des ganzen Tieres (ohne Fühler) 100 mm. Carbonische Formaüon. ? Sthenarocera Bureaui Brongniart. Fundort: Commentry, I-rankreich ; Stephanien. Oberes Obercarbon. Sthenarocera Bureaui, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 563. 1893. Von dieser l'"orm sagt Brongniart nur, sie sei kleiner als Pachytyloides. Protorthoptera inccrtae sedis. Genus: Distasis Handlirsch. Distasis rhipiphora Handlirsch. (Taf. XV, Fig. n.) Fundort: Frameries, Belgien. Westphalien. Mittleres Obercarbon. Distasis rhipipliora, Handlirsch, Mem. Mus. Belg. III. 17. t. 7. fig. 31. 32. 1904. Der 30 mm lange Apikaiteil eines Flügels von etwa 50 mm Länge. Costa, Subcosta und Radius genähert und fast parallel. Subcosta etwas vor der Flügelspitze in die Costa mündend. Radius etwas längs des Randes auf dem Spitzenrande herunterziehend. Sector radii jedenfalls ziemlich nahe der Flügel- basis entspringend, in zwei gegabelte Äste geteilt. Medialis, wie es scheint, bereits nahe der Basis gegabelt, jeder Hauptast mit vier Zinken. Hierauf folgt eine schief gegen den Rand ziehende lange Ader mit drei kurzen, nach hinten gerichteten Asten — jedenfalls der Cubitus — und dann folgt eine in fünf dicht aneinandergedrängte Äste geteilte Ader und endlich noch eine ähn- liche gegabelte Ader. Beide dürften bereits zur Analgruppe gehören, und es scheint sich demnach um einen Hinterüügel mit fächerartig vergrössertem Analfelde zu handeln. Die Queradern sind regelmässig und gerade. Vermutlich gehört auch diese I^'orm zu den Protorthopteren. Genus: Anthracomastax Handlirsch. Anthracomastax furcifer Handlirsch. (Taf. XV, Fig. 12.) l'undort: I'rameries, Belgien. Westphalien. Mittleres Obercarbon. Anthracomastax lurcifer, Handlirsch, Mem. Mus. Belg. III. 17. t. 7. f. 29. 30. 1904. Ein J5 mm langes Fragment aus dem Apikalteile eines etwa 50 mm langen Mügels. Vorderrand deutlich gebogen. Subcosta abgekürzt, in die C<»ta einmündend. Radius mit drei kurzen, gegen die Costa ziehenden Ast- chen. Hierauf folgen zwei mit dem Radius fast parallele, gegabelte Adern, welche ich als Äste des Sector radii anspreche, dann folgt eine gleichfalls fast parallele Ader, welche nacheinander vier Äste schief nach hinten enisendet, dann eine mit diesen Ästen parallele lange Gabel, deren Zusammenhang mit der letztgenannten Hauptader, in welcher wir die Medialis vermuten können, kaum zweifelhaft erscheint. Gegen den Hinterrand zu ist dann noch eine schiefe nach hinten verzweigte Ader zu sehen — jedenfalls der Cubitus. Queradern zart und undeutlich. Nach der Gestalt des Radius und nach der Richtung der Äste des Sector radii zu schliessen, dürfte es sich um eine Porm handeln, die mit Oedischia etc. eine gewisse Ähnlichkeit hatte, jedenfalls aber um ein Protorthopteron. Carbonische Formation. 15 1 Genus: Paläomastax Handlirsch. Paläomastax carbonis Handlirsch. (Taf. XV, Fig. 13.) Fundort: Frameries, Belgien. Westphalien. Mittleres Obercarbon. Paläomast.ix carbonis, Handlirsch, Mem. Mus. Belg. III. i6. t. 7. f. 27. 28. 1904. l^Yagment eines Flügels, dessen Länge etwa 50 mm betragen haben dürfte Man sieht die marginale gebogene Costa, ein breites Costalfeld, die fast gerade Subcosta, dann den Radius, dessen Sector etwa in der Flügelmitte entspringt, ferner die Medialis, welche sich jedenfalls erst gegen die Flügel- mitte zu teilte und durch eine kleine Querader mit dem Cubitus verbunden war. Hinter dem Cubitus ist ein sehr breites Feld ohne Längsadern, und hinter demselben sieht man noch zwei gegabelte, schief gegen den Hinterrand ziehende Analadern. Die Queradern sind im Costalfelde ziemlich regelmässig und schief gestellt, im übrigen mehr wellig, unregelmässig und stellenweise verzweigt. Diese Form hat auffallende Ähnlichkeit mit Archimastax, aber nachdem die Apikaihälfte des Flügels fehlt, kann diese Ähnlichkeit auch auf Täuschung beruhen. Jedenfalls handelt es sich um eine Protorthopterenform, deren Ein- reihung in eine meiner Familien vorläufig nicht möglich ist. Ordnung: Protoblattoidea m. In dieser Ordnung will ich jene Formen unterbringen, welche mir durch einige Merkmale den Übergang zwischen Blattoiden und Faläodictyopteren zu vermitteln scheinen. Ich will damit nicht behaupten, dass wir in diesen bis jetzt bekannten Formen wirklich die Vorläufer der Blattoiden vor uns haben, und glaube vielmehr, dass es sich um die letzten Reste einer damals schon aussterbenden Gruppe handelt, aus welcher bereits in früherer Zeit die Blattoiden hervorgegangen waren. Es ist auffallend, dass die Protoblattoiden auch mit gewissen Formen der Protorthopteren gemeinsame Züge aufweisen, ohne dass es darum möglich wäre, sie von diesen abzuleiten. Dieser Umstand führt mich eben zu der Ansicht, dass beide Entwickelungsreihen, sowohl die Orthopteroiden als die Blattoiden, aus nahe verwandten Paläodictyopteren her- vorgegangen sein dürften. Eine solche Annahme würde auch die auffallende Übereinstimmung erklären, die noch heute zwischen den weniger spezialisierten Formen der beiden Reihen (Unterklassen) herrscht. Die Protoblattoiden zeichnen sich durch einen freien gerundeten Kopf, durch einen nicht oder nur massig verbreiterten Prothorax und durch Flügel aus, welche zwischen dem Blattoiden- und Paläodictyopterentypus etwa in der Mitte stehen. Die Flügel sind in der Ruhe über das Abdomen zurück- gelegt. Die vorderen haben ein massig scharf begrenztes, mit bogenförmig oder schief gegen den Hinterrand ziehenden Adern ausgefülltes Analfeld, die hinteren ein vergrössertes, faltbares Analfeld. Der Körper war nicht sehr schlank. 152 Carbonische Formation. ? Jugendformen von Protoblattoiden. Sellards hat uns mit cinii^en Larvenformen bekannt gemacht, die er für Blattoiden mit deutlich entwickelter Legescheide hält. Ich habe diese Objekte zwar nicht im Originale gesehen, glaube aber aus den Abbildungen schliessen zu können, dass sie nicht zu den Blattoiden gehören, sondern eher zu Protoblattoiden. etwa aus der Verwandtschaft von Eucaenus oder Gerapompus. Was die fraglichen, als Legescheiden gedeuteten Organe anbelangt, so bin ich von deren Existenz wohl noch nicht ganz überzeugt, denn es kann sich auch um irgend eine Zufallsbildung handeln. Sollten übrigens wirklich Gonapophysen bei diesen Larven bereits angelegt sein, so wäre es nicht allzu merkwürdig, um so mehr, als ja auch bei Imagines der obengenannten Formen solche Legescheiden zu bemerken sind. (Protoblattoidea?) Sellardsi m. (Taf. XV, Fig. 14.) Fundort: Mazon Creek, near Morris, Illinois, Nordamerika. — Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny) stage. — Mittleres Obercarbon. Etoblattina mazona, Sellards, Amer. Journ. Sc. (4) XV. 309. t. 7. f. i. 2. 1903. Etoblattina mazona, Sellards, ibid. XVIII. 129. f. 14. 1904. Dürfte eine Larve im letzten Entwickelungsstadium sein. Das Pronotum ist fast halbkreisförmig. (Protoblattoidea?) minor m. (Taf. XV, Fig. 15.) Fundort ; Mazon Creek, near Morris, Illinois, Nordamerika. — Pennsylvanian. Kittaning? (iVllegheny) stage. — Mittleres Obercarbon. Etoblattina mazona, Sellards, Amer. Journ. Sc. 1,4) XV. 309. t. 7. f. 3. 4. 1903. Etoblattina mazona, Sellards, ibid. XVIII. 129. f. 13. t. i. f. 2. 1904. Kleiner als die vorige Form, aber jedenfalls in gleichem Stadium. Pronotum mehr dreieckig. Dieses Objekt soll eine deutliche Legescheide zeigen. Familie: Stenoneuridae m. Hierher rechne ich zwei von Brongniarts Stenoneura-Arten mit nicht erweitertem Prothorax und dicht genetzten Flügeln, freiem rundlichen Kopf und kurzen Beinen. Genus: Stenoneura Brongniart. Stenoneura Fayoli Brongniart. (Taf XV, Fig. i6 — iS.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Protascalaphus — , Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXl. 67. 18S5. Stenoneura Fayuli, Bnmgniart, Faune ent. terr. prini. 551. t. 50. f. 1—5. 1S93. Vorderflügel im Verhältnis zum Körper sehr gross, von fast elliptischer (Grundform. Der Vorderrand ist gleichmässig gebogen, nicht verdickt, so dass Caibonische Formation. , - t ich die Costa für rückgebildet halte. Costalfeld breit. Subcosta lang-, unweit der Spitze in den Costalrand einmündend. Radius einfach, nahe und parallel mit der Subcosta verlaufend. Sector radii sehr nahe der Basis entspringend, in eine massig grosse Zahl gegen den Spitzenrand ziehender Äste geteilt. Medialis eine lange schmale Gabel bildend, nicht mit dem Sector radii ver- bunden. Cubitus mächtig entwickelt, in eine grosse Zahl unregelmässiger Äste zerlegt. Analadern in grosser Zahl entwickelt und bogenförmig gegen den Hinterrand ziehend. Das Analfeld nicht so scharf begrenzt wie bei den Blattoiden. Von der Subcosta ziehen sehr viele Äste schief gegen den Vorderrand. Hinterflügel lang, mit schmalem Costalfelde und gefaltetem vergrösserten Analfelde. Alle Zwischenräume sind durch dichtes und grobes netzartiges Zwischen- geäder ausgefüllt. Der Kopf ist frei, gerundet; der Prothorax nicht erweitert, der Körper massig schlank und viel kürzer als die Flügel. Vorderbeine kurz und kräftig. Länge der Vorderflügel 45 mm. Länge des ganzen Tieres etwa 55 mm. Brongniart hielt diese Form für ein echtes Neuropteron und stellte sie in seine Familie Protomyrmeleonidae. Später änderte er seine Ansicht und verwies das Fossil zu den Protophasmiden. Genus: Stenoneurites m. Stenoneurites Maximi Brongniart. Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Stenoneura Maximi, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 552. 1893. Brongniart hat diese Form weder abgebildet, noch genau beschrieben. Seine Bemerkung die Analadern seien „peu abondantes" im Gegensatze zu Stenoneura Fayoli, wo sie „tres nombreuses" genannt werden, veranlasst mich, die Form aus dem Genus Stenoneura auszuscheiden, weil erfahrungsgemäss solche Unterschiede innerhalb einer Gattung nicht vorkommen. Familie: Protophasmidae (Brongniart) m. In diese Familie, welche von den Autoren geradezu als Depot für alle schwer zu deutenden fossilen Insekten benützt wurde und daher dem Um- fange nach ungemein wechselte, stelle ich nur die eine Form, welche Bron- gniart zur Errichtung der Familie Anlass gegeben hatte. Ausdrücklich will ich jedoch hervorheben, dass ich trotz Beibehaltung des Namens, zu der mich leider die nomenklatorischen Prinzipien verpflichten, in den Protophasmiden absolut nicht die Vorläufer der Phasmiden erblicke, sondern eine Gruppe aus der Blattoiden-Reilie, die mit Phasmiden gar nichts zu tun hat. Die Flügel zeigen in vieler Beziehung Übereinstimmung mit jenen der Stenoneuriden, die Beine jedoch waren lang und kräftig. Der Thorax scheint schwach erweitert gewesen zu sein und der Kopf daher frei. I CA Carbonische Formalion. Genus: Protophasnia Brongniart (s. str.) Protophasma Dumasi, Brongniart. (Taf. XVI. Mo. i, 2.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Piotojihasma Dumasii, Brongniart, C. R. Soc. Ent. Belg. (2) XLVII. 9 — 12. 1878. Protophasma Dumasii, Brongniart, Ann. Sc. Nat. (6). VII. t. 6. f. i — 4. 6. 9. 1878. Protophasma Dumasii, Brongniart, Faune ent. terr. jirim. 549. t. 49. f. i — 3. 1893. Dieses massig gut erhaltene Fossil wurde von Brongniart zuerst ganz falsch abgebildet und beschrieben. In seiner damals noch sehr jugendlichen Phantasie sah der Forscher in dem Abdrucke eine Menge Details, die tat- sächlich auch mit dem besten Willen nicht festzustellen sind. Er hielt die beiden vorhandenen grossen Flügel für zwei gleiclie Hinterflügel und kon- struierte darum aus undeutlichen Flecken des Abdruckes, von denen der obere wahrscheinlich die Basis eines dritten Flügels, der untere aber jene eines Beines vorstellt, zwei verkürzte Vorderflügel, ähnlich jenen der rezenten Phasmiden. Ferner konstruierte er einen langen Prothorax, Taster, Fühler und fünfgliederige Tarsen mit einer Schärfe heraus, die nichts zu wünschen übrig liess, und so entstand denn aus dem Fossile glücklich eine schöne typische Phasmide ! Im Jahre uS.s^ hatte sich bereits eine Wandlung in Brongniarts An- schauungen vollzogen, denn er hielt jetzt das Fossil nicht mehr für eine Phasmide, sondern für ein „Neurorthopteron" und vereinigte es mit Litho- phasma ((rryllacris) lithanthraca und Titanophasma zu der Gruppe „Proto- phasmida". Offenbar hatte er jetzt schon erkannt, dass von den grossen Flügeln der eine ein Vorderflügel und der andere ein Hinterflügel ist, dass also die kurzen Phasmidenvorderflügel Phantasiegebilde waren. Scudder rechnete die Protophasmiden zu den orthopteroiden Paläo- dictyopteren, zusammen mit Titanophasma, Litoneura, Dictyoneura, Polioptenus, Archaeoptilus, Breyeria, Meganeura, Aedeophasma, Goldenbergia, Haplophle- bium und Paolia. Er charakterisiert diese Grtippe durch den Besitz von vier gleichen Flügeln, bildet aber doch noch in Zittels Handbuch das Protophasma mit den von Brongniart erfundenen kurzen Vorderflügeln ab, ohne auf diesen Widerspruch aufmerksam zu machen. Im Jahre i.Sy3 finden wir dann bei Brongniart die Protophasmiden wieder bei den Orthopteren, aber sie enthalten ausser der Gattung Proto- phasma, in welche noch zwei heterogene Elemente eingeschoben wurden, nur mehr Lithophasma und Stenoneura. Die Phasmidenvorderflügel sind jetzt aus der Zeichnung verschwunden, ebenso wie die meisten seinerzeit so klar abge- bildeten Details. Die photographische Abbildung lässt die Basis eines V^orderflügels er- kennen, an dem wir ein breites Costalfeld mit schief gegen den ^'orderrand ziehenden Ästen der Subcosta, die knapp nebeneinander hinziehende Radial- und Medialader und die weiter entfernte Cubitalader unterscheiden, die jeden- falls reich verzweigt war. Die ersten Analadern ziehen im Bogen gegen den Hinterrand, die folgenden mehr schief. Der Hinterflügel ist viel besser er- halten und zeigt ein schmales Costalfeld. Der Sector radii trennt sich bereits nahe der Basis und teilt sich in vier Äste, ebenso die Medialis. Viel reicher Carbonische Formation. jcr verzweigt ist der Cubitus, welcher etwa 10—12 Zweige bildet. Das Analfeld ist umgeschlagen und zeigt uns zwei einfache, gerade, schief gegen den Rand verlaufende Adern und dahinter eine fast parallele dritte, aus welcher etwa acht zum Teil gegabelte Zweige schief nach hinten auslaufen. Vorder- und Hinterflügel waren durch dunkle Querbänder geziert. Ausser den Flügeln sind die langen und sehr kräftigen homonomen Beine (5) mit etwas gebogenen, anscheinend kantigen Schienen deutlich zu sehen. Die hinteren waren am grössten, die vorderen am kleinsten. Der Prothorax scheint scheibenförmig, relativ klein und breiter als lang gewesen zu sein. Ich zweifle nicht an der Verwandtschaft dieses Fossils mit Stenoneura und an dessen Zugehörigkeit zur Protoblattoidenreihe. Phasmidenähnlichkeit kann ich mit bestem Willen nicht finden. Familie: Eoblattidae m. Eine von Brongniart in die Gattung Stenoneura gestellte Form unter- scheidet sich von dieser Gattung ausser dem Flügelgeäder auch durch einen viel grösseren Prothorax der bereits viel mehr an jenen der Blattiden erinnert. Wohl sehr nahe mit Protophasma verwandt. Genus: Eoblatta m. Eoblatta robusta Brongniart. (Taf XV, Fig. ig.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Leptoneura robusta, Brongniart, Bull. Soc. Reuen. (3) XXI. 62. 1885. .Stenoneura robusta, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 552. t. 48. f. g. 10. 1893. Vorderflügel mit nicht sehr breitem Costalfeld und langer Subcosta, aus welcher viele schiefe Ästchen nach vorne ziehen. Radius einfach, Sector radii nahe der Basis entspringend, mit 5 oder 6 schief nach hinten gerichteten Ästen. Medialis frei, mit einer einfachen kleinen Gabel. Der stark entwickelte Cubitus zerfällt in mehr als ein Dutzend gegen den Hinterrand gerichteter Zweige. Das durch eine bogenförmige Ader begrenzte Analfeld enthält eine grössere Zahl gegen den Hinterrand ziehender Adern. Queradern reichUch entwickelt, aber nicht so derb und dicht netzartig verschlungen wie bei Stenoneura. Länge des Flügels ca. 60 mm. Der Prothorax ist breit gerundet, der Kopf gross. Brongniart nannte dieses Fossil zuerst Leptoneura robusta und stellte es in die Familie Hadrobrachypoda. Später änderte er den Genusnamen in Stenoneura um und schob die Gattung zu den Protophasmiden. Gleichzeitig deutete er nun auch ein zweites undeutliches Fossil (t. 48 f. 8) als Stenoneura robusta. Mir erscheint jedoch diese Vereinigung zu gewagt. Familie; Oryctoblattinidae m. Diese Familie umfasst eine Reihe von Formen, welche von den Autoren teils zu den Blattiden, teils zu den Homopteren (Fulgeriden) gestellt worden [;() Carbonisclie Formation. waren. Sie zeichnen sich durch ein gut begrenztes Analfeld mit einer ver- schieden grossen Zahl mehr oder minder schiefer oder gebogener Längsadern, durch einen stark verzweigten Sector radii, eine minder reich verzweigte Äle- dialis und durch eine grosse Zahl vom Cubitus schief nach hinten ausgehender feinerer Adern aus. Das Costalfeld war breit und durch zahlreiche von der Subccista ausg-ehende schiefe Adern ausgefüllt. .\uch vom Radius zogen ähn- liche Adern nach vorne. Das Zwischengeäder ist reichlich entwickelt und bildet zwischen den Hauptadern meist Schaltsektoren. Der Prothorax war, soviel bekannt, nicht stark vergrössert, der Kopf frei und gross, die Mandibeln kräftig und zum Kauen eingerichtet, die Fühler lang und vielgliedrig, die Beine kräftig und homonom. Sehr ähnlich entwickelte P'lügel finden sich noch heute bei Mantiden, z. B. Metalleutica. Genus: Oryctoblattina Scudder. Medialader von der Basis an frei, nicht mit dem Sector radii verbunden. Oryctoblattina laqueata Scudder, (Taf XV, Fig. 20.) Fundort: Kansas City, Mo. Nord-Amerika. Chanuteshaies; Conemaugh ? stage. Oberes Obercarbon. Oryctoblattina laqueata, Scudder, Bull. U. S. Geol. Surv, Nr. 124. 133. t. 11. f. 6. 1S95. Länge des Vorderflügels 20 mm. Die F~orm ist fast elliptisch, mit stark gebogenem Vorderrande. Costalfeld massig breit, nicht weit über die halbe Flügellänge reichend, gegen die Basis zu mit netzartigem Zwischengeäder, weiterhin mit schief gegen den Vorderrand ziehenden Äderchen. Radius nicht bis zur Flügelspitze reichend, von der Subcosta durch ein breites, zuerst mit Netzwerk und weiterhin mit schief nach vorne ziehenden kleinen Adern aus- gefülltes Feld getrennt. Sector radii im ersten Drittel der Flügellänge ent- springend, in Q bis IG Äste gespalten, deren Zwischenräume durch einfache Oueradern überbrückt sind. Medialis von der Basis an frei, mit einfachem Vorderast und mehrfach verzweigtem Hinterast. Cubitus frei, gegabelt und nach hinten von einem breiten Felde begrenzt, welches zuerst durch ein enges Netzwerk und weiterhin durch viele schief gegen den Rand ziehende Adern ausgefüllt ist. Analfeld durch eine schwach gebogene Falte begrenzt, mit etwa 6 schiefen Analadern. Scudder hielt das Genus Oryctoblattina, in welches er ursprünglich auch Germars Blattina reticulata gestellt hatte, die jedoch bereits damals einen anderen gültigen Genusnamen besass, für eine Palaeoblattarie. Icii verwende den Scudderschen Genusnamen für diese nach Abtrennung der anderen Formen übrig bleibende Art — ein Vorgang, gegen welchen wohl kaum jemand Fin- wand erheben wird. Carbonische Formation. j cy Oryctoblattina americana m. (Taf. XV, Fig. 21.) Fundort: "Wills Creek near Steubenville, Ohio, Nord- Amerika. Conemaugh formation; shales above the Arnes Limestone. Oberes Obercarbon. Ein Vorderflügel von 19 mm Länge. Ähnlich laqueata. Sector radii mit vier fast parallelen und beinahe gerade gegen den Spitzenrand gerichteten Asten. Medialis frei und unabhängig, hinter der Flügelmitte in drei gegabelte Äste geteilt. Cubitus aus zwei langen Ästen bestehend, welche zahlreiche schiefe Zweige gegen den Hinterrand aussenden. Subcosta und Radius mit ähnlichen gegen den Vorderrand gerichteten Zweigen. Analfeld ziemlich klein, mit wenigen schwach gebogenen Adern. Zwischengeäder leider nicht gut erhalten. Das Original ist Eigentum des U. S. National -Museum und trägt die Nr. 38647. Oryctoblattina latipennis m. (Taf. XV, Fig. 22.) Fundort: Wills Creek near Steubenville, Ohio. Conemaugh formation. Oberes Obercarbon. Ein II mm langes Fragment aus der Basis eines ungefähr 18 mm langen und verhältnismässig breiten Flügels. Der Raum vor der Subcosta mit schiefen Adern ausgefüllt, der breite Raum zwischen Subcosta und Radius durch ziemlich regelmässige Queradern. Sector radii mit nur wenigen weit getrennten Ästen. Medialis frei, erst hinter der Mitte gegabelt. Cubitus ge- gabelt, mit vielen schief nach hinten ziehenden Ästchen. Alle Zwischenräume sind durch gerade oder wellige Queradern ausgefüllt. Analfeld nicht erhalten. Das Original ist Eigentum des U. S. National - Museum und trägt die Nr. 38656. Genus: Blattinopsis GiebeL Diese Gattung wurde von Giebel (Z. f. d. g. N. XXX 1867. p. 417)*) für Gcrmars Blattina reticulata aufgestellt. Ausser dieser Art rechne ich hieher auch noch Brongniarts Fulgorina Godenbergi und ovalis, nebst einer neuen Form, die sich alle von r)ryctoblattina dadurch unterscheiden, dass proximal vom Ursprünge des Sector radii noch eine oder zwei Längsadern aus dem Radius entspringen. Die Deutung dieser Adern erscheint mir ungemein schwierig, denn man kann sie ebensogut dem Sector radii zuzählen, wie der Medialis. In ersterem Falle müsste man annehmen, dass der Sector noch ein Stück weit an den Radius angeschmiegt bleibt, nachdem er bereits einen oder zwei Äste ausgeschickt hat. Im anderen Falle müsste man annehmen, dass die vorderen Äste der Medialis ein Stück weit mit dem Radius gemeinsam laufen und sich erst später von demselben trennen. Mir erscheint vnn diesen zwei Deutungen die letztere aus dem Grunde natürlicher, weil bei einer später zu besprechenden Gattung die ganze Medialis bis gegen die Flügelmitte zu mit dem Radius verbunden bleibt. 1) Auf diese von Scudder übersehene Gattung hat mich Herr Dr. v. Schlechtendal aufmerksam gemacht. I cg Carbonische Furmation. Blattinopsis reticulata Germar. (Taf. XVI, Fig. 3.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Blattina reticulata, Germar, Verst. Wettin. (7) 8;. t. 39. f. 15. 1S51. Blattinopsis reticulata, Giebel, Z. f. d. ges. Nat. XXX. 417. 186;. Oryctoblattina reticulata, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 122. t. 4. f. 13. 1879, Die Originale dieser Art gehören zu zwei verschiedenen Formen, von denen Herr Dr. v. Schlechtendal die kleinere als reticulata bezeichnet, während er die grössere mit dem Namen Taschenbergi belegt. Die kleinere F'orm hat eine Länge von etwa 22 mm und ist zweifellos ein Vorderflügel. Der Vorder- rand ist stark gebogen, das Costalfeld breit, die Subcosta bald hinter der Mitte mit dem Vorderrande verbunden. Radius weit vor der Spitze in den Vorderrand einmündend. Sector radii mit sechs zum Teil gegabelten Asten. Vor dem Sector entspringt ein scheinbar selbständiger Ast aus dem Radius, vermutlich der vordere Ast der Medialis. Der andere Teil der Medialis frei, mit drei geraden, nach vorne abzweigenden Asten. Cubitus mit einigen schief nach hinten gerichteten Hauptästen und zahlreichen gegen den Hinterrand ziehenden Nebenästchen. Analfeld durch eine deutliche Bogennaht begrenzt, mit fünf oder sechs schief gegen den Rand gerichteten Analadern. Die Räume zwischen Costa und Radius sind mit schiefen Queradern ausgefüllt, die übrigen Räume meist durch gerade oder netzartig verschlungene Queradern. Gegen den Rand zu liegen zwischen den Hauptästen des Sector radii und der Medialis Schaltsectoren. Etwa in der Mitte des Flügels werden alle Adern durch eine bogenförmige Querfalte gekreuzt. Ahnliche F"alten finden sich bei Fulgoriden, Mantiden, und vielen anderen Insekten. Blattinopsis Taschenbergi Schlechtendal. (Taf. XVI, Fig. 4.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Blattinopsis Taschenbergi, Schlechtendal, i. 1. Flügellänge etwa 34 mm. Der vorhergehenden Art ähnlich. Vor dem Sector radii entspringen zwei Adern aus dem Radius. Der freie Teil der Medialis mit zwei nach hinten abzweigenden Asten. Zwischengeäder hinter dem Cubitus weniger regelmässig. Das Original trägt die Bezeichnung „Oryctoblattina reticulata Germ, sp." Blattinopsis Goldenbergi Brongniart. (Taf. XVI, Fig. 5.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Oborcarbon. Fulgorina Goldenbergi, Brongniart, Bull. Soc. Reuen. (3) XXI. 67. 1885. Fulgorina Goldenbergi, Brongniart, Faune ent. terr. prini. 569, t. 53. f. i. 2. 1S93. Länge des Vorderflügels ca. 42 mm. Geäder sehr ähnlich jenem der Blattinopsis reticulata. Vor dem Sector radii entspringt nur eine Ader aus dem Radius. Medialis im übrigen schvvach verzweigt. Analfeld gross, durch eine schwach gebogene Falte begrenzt, mit vier bis fünf fast parallelen Längs- adern. Brongniart bildet zwei ganz ähnliche Flügel ab (Fig. 1 und 2) und einen dritten etwas abweichenden (Fig. 3). Nach der Tafelerklärung wären nun Carbonische Formation. LSQ Fig. [ und 3 Fulg. Goldenbergi, Fig. 2 Fulg. ovalis, was offenbar auf einem Irrtume beruht. Es ist höchst merkwürdig, mit welcher Zähigkeit die Autoren an der Hemipterennatur dieser F'ossilien festhielten; mit einer Zähigkeit, die selbst durch die Auffindung eines Körpers nicht erschüttert wurde, an dem ausser den beissenden Mundteilen auch die langen vielgliedrigen Fühler zu sehen waren. Alle diese Momente schienen für Brongniart weniger relevant als die gewisse Querfalte, die er für einen spezifischen Charakter der Fulgoriden hielt, die aber, wie wir schon erwähnt haben, auch bei Mantiden, Blattoiden etc. vorkommen. Ich führe den betreffenden Passus aus Brongniarts Werk hier wörtlich an, als besten Beweis gegen Brongniarts Ansicht über die systema- tische Stellung dieser interessanten Fossilien : Nous possedons un certain nombre d'echantillons trouves ä Commentry qui peuvent rentrer dans ce genre, et plusieurs presentent non seulement les alles admirablement conservees, mais aussi des parties du corps. Le Corps est trapu ; la tete est assez grosse, a yeux gros, arrondis, saillants sur les cotes; les antennes sont inserees en avant des yeux, sur les cütes de la tete; elles sont tres longues et composees d'anneaux dont les deux Premiers sont plus courts et plus gros que les autres qui sont greles, allongrs, legerement renfles ä leur extremite. Sur Tun des echantillons, on voit une antenne qui atteint une longueur de 55 mm. Or, chez les F\ilgorides vivants, les antennes sont d'une extreme brievete. On distingue entre les yeux un prolongement arrondi. Le prothorax est tres court, arrondi, en forme de petit ecusson; le mesothorax est plus grand que le prothorax, ä bord saillant, et le metathorax est encore plus grand et saillant en arriere. L'abdomen n'est visible sur aucun echantillon; sur l'une des empreintes, on voit en avant deux petites tiges dirigees l'une vers l'autre qui peuvent etre considerees comme des mandibules; dans ce cas, ces insectes ne seraient pas pourvus d'un sugoir. Les pattes sont courtes, trapues, sillonnees; la cuisse est tres elargie; les pattes les plus longues sont Celles de la troisieme paire; elles sont finement epineuses. Voilcä donc des insectes qui, tout en presentant la nervation des Fulgo- rides vivants, en different par la longueur considcrable des antennes, et, ce qui est encore plus important, par les organes buccaux qui ne sont pas dis- poses en sucoir, mais presentent des mandibules courtes. Blattinopsis ovalis Brongniart. (Taf. XVI, Fig. 6.) F'undort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Fulgorina ovalis, Brongniart, Ball. Soc. Ronen. (3) XXI. 78. 1885. Fulgorina ovalis, Brongniart, Faune ent. terr. prim. 569. t. 53. f. 3. 1893. Diese Art, deren Abbildung leider zu undeutlich ist, um eine genauere Beschreibung zu ermöglichen, scheint breitere und kürzere Flügel gehabt zu haben als Bl. Goldenbergi, und wahrscheinlich ein noch grösseres Analfeld. l5o Carbonische Formation. Blattinopsis anthracina m. (Taf. XVI, Fig. 7.) Fundort: Wills Creek near Steubenville, Ohio, Nordamerika. Conemaugh formation ; Shales above Arnes Limestone. Oberes Obercarbon. Länge des Vorderflügels etwa 17 mm. Costalrand stark gebogen. Costal- feld breit. Subcosta nicht weit über die Flügelmitte verlängert. Radius weit gegen die Spitze fortgesetzt. Sector radii mit sechs fast parallelen Asten, deren dritter in drei Zinken zerfällt. Vor dem Sector radii entspringt nur ein gerader Ast aus dem Radius. Medialis ausserdem zweimal gegabelt. Cubitus gegabelt mit zahlreichen gegen den Rand ziehenden Astchen. Analfeld durch eine geschwungene Falte begrenzt, mit mehreren fast geraden Längsadern. Queradern im Costalfelde schief, ebenso in der Endhälfte des Raumes vor dem Radius, sonst in der Basalhälfte des Flügels mehr gerade. Zwischen den Ästen des Sector radii und der Medialis sind polygonale Zellen, ebenso wie in dem Postcubitalfelde und hinter dem Radius. In den schmäleren I'"e]dern sind diese Zellen in zwei Reihen angeordnet, so dass ihre Verbindungsadern, wie bei den anderen Arten, fast zu Schaltsectoren werden. Das (original ist Eigentum des U. S. National-Museum in Washington und trägt die Nr. 3867g. Blattinopsis elegans Schlechtendal. (Taf. XVI, Fig. 8.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes OlDcrcarbon. Blattinopsis elegans, Schlechtendal, i. 1. Ein 2 1 mm langer Flügel mit schmalem Spreitenteil und vergrössertem Anallappen, also jedenfalls ein Flinterflügel. Costalfeld schmal. Sector sehr nahe der Basis entspringend, mit acht Hauptästen, von denen einige g-egabelt sind. Medialis und Cubitus in wenige Äste geteilt. Zahlreiche Queradern und gegen den Rand zu Schaltadern. Genus: Anadyomene K. v. Fritsch. Nahe verwandt mit Oryctoblattina und BlattinDpsis. Der Sector radi entspringt näher der Basis. Die Medialis ist bis gegen die Flügelmitte mit dem Radius resp. dessen Sector verbunden, und man kann nur schwer ent- scheiden, welche von den proximalen Ästen des Sectors zur Medialis zu rechnen sind. Nach meiner Ansicht dürfte der erste gegabelte und der darauffolgende einfache Ast zur Medialis gehören. Der Cubitus ist frei und ähnlich wie bei den anderen Gattungen, ebenso das grosse Analfeld mit seinen sielien oder acht Längsadern und das Zwisclicngeäder. Anadyomene Huysseni K. v. Fritsch. (Taf. XVI, Fig. g.) Fundort: .Schladebach in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarboii. Anadyomene Huysseni, K. v. Fritsch, Abhandl. Preuss. Geol. Landesanstalt n. f. .Nr. lo. 45. t. I f. 10. 1899. Vorderrand sehr stark gebogen. Costalfeld breit und kurz, in der Basal- hälfte genetzt, weiterhin mit schiefen Queradern. Das l'cld zwischen Subcosta Handlirsch: Fossile Insekten. Rezente Insekten: Schema des Kliigelgeäders (i) — Locustoidca (2— u) — Grylloiden Taf. 20) — Pliasmoidea (21 — 23). llaiullirsch: Fossile Insekten. Kezenti- Iiiscktrn: Acridiiiiilca (l - 3) - ] )erm,ii)tri'a (i) - Mniitoidca (5 — 8) — Blattoid Tat. '9-17) — Isoptera (18-22). Ilandlirsi'h: Fossile Insekten. Rezent<' liisi-ktcii: 'l"liysaiui]>tcra (1—2) — Conudmlia (3 71 I lymi-noiHcra »8 i /) - Taf. 11 — Strepsiptera (29) — Knibioidea 130 31) 1 landlirsch: Fossile Insekten. J, c ü.,'d., -^ Rezente Insekten: Pnlaria (i 6) Odonnta (7 10) - Pleetoptcra (20 22) Mcgal Taf. IV. ea (23—24). Handlirsch: Fossile Insekten 1 Rezente Insekten; Megaloptcra (t) — Rnplüdoidea (2) — Neuroptera (3-^5! l'anor] Taf. V. e (16 — 18) — Phryganoidea (19—23) Hancllirsch: Fossile Insekten. ■U-^-^n. Rezente Insekten: l.e|)i-, '1&^, j;g>^,^^ «^ h &P i?^# i ^^ ^ IS 1!) iZj L'l =zi:z^Mm ^ du rbon-Insekten: Palacodictyoptera (15—24). landlirsch: Fossile Insekten. C a r lu) )i - 1 n s c k t c n : ! 'alacodicty optcra ( i - 28). Taf. IX. ^ • Cu DIE FOSSILEN INSEKTEN UND DIE PHYLOGENIE DER REZENTEN FORMEN. EIN HANDBUCH FÜR PALÄONTOLOGEN UND ZOOLOGEN VON ANTON HANDLIRSCH, K. U. K. KUSTOS AM K. K. NATURHISTORISCHEN HOFMUSEUM IN WIEN. HERAUSGEGEBEN MIT UNTERSTÜTZUNG AUS DER TREITL-STIFTUNG DER KAISERL. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN IN WIEN. II. LIEFERUNG. (BOGEN- II -20 NEBST TAFEL 10-18.) C[6S\S LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN igo6 Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. Elemente der Geologie. Von Hermann Credner. ;^=:^ Neunte, neu bearbeitete Auflage. ==^^= Mit 624 Abbildungen im Text. gr. 8. 1902. Geh. MI;, /j.- -. /;/ Hnlbfraiiz geb. Mk. 17.S0. Fossile Insekten aus dem Diatomeenschiefer von Kutschlin bei Bilin (Böhmen). Von J, V. Deichmüller. (Nova Acta Leop. XLIl. Nr. 6.) gr. 4. 1881. Mk. j. . Die Insektenfauna der Tertiärgebilde von Üningen und von Radoboj in Kroatien. Von Oswald Heer. 3 Teile. Mit 39 iitliogr. Taf. gr. 4. 1847. 49. 53. Mk. jo. -. 1. Teil. Käfer. Mit 7 lithographierten Tafeln. 1847. Mk. g.—. 2. Teil. Heuschrecken, Florfliegen, Aderflüglcr, Schmetterlinge u. Fliegen. Mit 17 lithogr. Tafeln. ilatti>iden. Genus: Prisca K. v. Fritsch. Dieses Genus unterscheidet sich durch ein schmäleres, spitz zulaufendes und nicht so stark verkürztes Costalfeld. Der Sector radii zerfällt in fünf gerade, gegen den Rand laufende, einfache Aste. Die vollkommen unabhängige Medialis hat drei Äste, ("ubitalis fast gerade, mit einer Reihe schief nach hinten ziehender Astchen. Analfeld nach vorno durch eine fast gerade 1^'alte begrenzt. Prisca wettinensis K. v. Fritsch. (Taf. XVI, Fig. 12). Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Prisca wettinensis, K. v. Fritsch, Abb. Preuss. geol. Landesansi. n. f. Nr. 10. 45. i8i)q. Blattinopsis Fritschi, Schlechtendal. i. 1. Länge des Vorderflügels 8 mm. Querfalte deutlich. Schaltadern gut entwickelt. Queradern in geringer Zahl ausgebildet. Genus: Rhipidioptera Brongniart. Rhipidioptera elegans Brongniart. (Taf. XVI, Flg. 13.) Fundort: Commentry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Kliipidioptera elegans, Brongniart, Bull. Soc. Kouen. (3) XXI. 67. 1885. Hhijiidioptera elegans, Brongniart, Faune enl. lerr. prim. 570. l. 53. f. b. '. 1893. Unter diesem Namen beschrieb Brongniart einen Flügelrest, der, nach der Abbildung zu schliessen, einem riesigen Tiere angehört haben müsste, wenn nicht Brongniart vergessen hat, die Vergrösserung anzugeben. Wir sehen eine Subcosta, welche zahlreiche verzweigte Äste nach vorne entsendet, dann einen Radius, dessen Sector sechs Äste nach hinten aussendet, welche sich fächerartig ausbreiten. Proximal von dem Sector radii entspringt aus dem Radius noch eine dreizinkige grosse Gabel — vermutlich die Medialis — und dann noch eine einfach gegabelte Ader, welche zahlreiche Astchen nach hinten ausschickt und welche ich daher mit dem Cubitus der Orycto- blattiden identifizieren möchte, dem sie ja sehr ähnlich ist. Dahinter sieht man noch einige lange Adern des Analfeldes, welche darauf hindeuten, dass es sich um einen Hinterflügel handelt. Die Zwischenräume sind teils durch ein- fache, teils durch netzartig verschlungene Queradern überbrückt. Nach der Zeichnung zti schliessen, müsste der Flügel eine Länge von etwa 160 mm gehabt haben, was mir, wie gesagt, unwcihrschcinlich vorkommt, nachdem es Carbonische Formation. 163 sich offenbar um eine Oryctoblattidenform handelt und alle anderen Formen dieser Gruppe nur eine bescheidene Grösse erreichten. Familie; Aetophiebidae m. In diese Familie, welche ich als eine provisnrische betrachte, stelle ich einen von Scudder beschriebenen Flügel, der mit jenen der Oryctoblattiniden manche Übereinstimmung zeigt, aber doch wieder von denselben so ver- schieden ist, dass man ihn nicht leicht in dieselbe Familie stellen kann. Genus: Aetophlebia Scudder. Aetophlebia singularis Scudder. (Taf. XVI, Fig. 14.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Aetophlebia singularis, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 338. t. 31. f. 9. 1885. Ein etwa 33 mm langer Flügel, dessen grüsste Breite etwa ein Drittel der Länge beträgt. Costalrand schwach gebogen. Costalfeld breit. Subcosta anscheinend in den Radius einmündend und zahlreiche schiefe Adern gegen die Costa entsendend. Der Sector radii entspringt nicht weit vor der Flügel- mitte aus dem Radius und entsendet drei oder vier Äste gegen den Spitzen- rand. Die Medialis zerfällt in einen vorderen gegabelten und in einen hinteren reicher verzweigten Ast. Der Cubitus entsendet vier oder fünf Äste schief gegen den Hinterrand. Analfeld lang und schmal, durch eine schwach ge- bogene Ader begrenzt. Die grösseren Zwischenräume sind durch weit aus- einandergerückte Queradern überbrückt. Der ganze Flügel war stark gewölbt und zeigt einige durch Knickung entstandene Querfalten, welche das Geäder stellenweise undeutlich erscheinen lassen. Die Type befindet sich in der Sammlung des U. S. National-Museum und trägt die Nr. 3S 147. Scudder stellte das l'ossil zu den „Paläopterinen", einer Gruppe, welche er für „Neuropteroide" hielt. Nach meiner Ansicht kann kaum daran ge- zweifelt werden, dass es sich viel eher um „Orthopteroiden" handelt, und fast sicher um ein Tier aus der Protoblattoidcn-Seric. Familie: Cheliphlebidac m. Gleichfalls eine provisorische Gruppe, errichtet zur Aufnahme eines nord- amerikanischen Fossils, dessen systematische Stellung noch nicht ganz auf- geklärt erscheint, obwohl viele Momenta dafür sprechen, dass es in die Protoblattoidenserie gehört. 164 Carbonische Formation. Genus: Cheliphlebia Scudder. Cheliphlebia carbonaria Scudder. (Tat. XVI, Fig. 15, 16) Fundort: Mazon Creek near Morris, lUimiis, Nordamerika. Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny) stagc. Mittleres Obercarbon. Cheliphlebia carbonaria, Scudder, Mem. Bost. Soc. III, 32S. t. 30, f. 8. 1885. Flügel über den Hinterleib zurückgelegt, etwas über 40 mm lang, mit deutlich gebogenem Vorderrande, breitem, von unregelmässigen schiefen und verschlungenen Adern ausgeiulltem Costalfelde und verkürzter Subcosta. Der Radius verläuft parallel und nahe der Subcosta und entsendet vor der Flügel- mitte einen in drei oder vier Äste geteilten Sector. Medialis frei mit ge- gabeltem Vorderaste und mehrfach verzweigtem Hinteraste. Cubitus frei, mit einer Anzahl gegen den Hinterrand ziehender Aste. Analfeld klein, durch eine gebogene Ader begrenzt. Queradern unregelmüssig , stellenweise netzartig. Druck und Gegendruck dieses etwas undeutlich erhaltenen Fossils be- finden sich in der Sammlung des U. S. National-Museum in Washington und tragen die Nr. 38 149. Scudder hielt das Tier für eine „neuropteroide" Form aus der Gruppe der Homothetiden. Nach meiner Ansicht kann es unmöglich zu den Paläodictyopteren ge- hören, wo Homothetus unterzubringen ist, sondern nur zu den orthopteroiden oder blattoiden Formen ; für letztere spricht die Verkürzung der Subcosta und das bogenförmig begrenzte Analfeld. Jedenfalls ist aber die Auffindung besser erhaltener Exemplare abzuwarten, bevor wir über die systematische Stellung sicher entscheiden können. Familie: Eucaenidae m. In dieser Familie vereinige ich eine Reihe amerikanischer F'ormen von ausgesprochen blattoidenähnlichem Habitus mit breiten fast elliptischen Vorder- flügeln, schildartig vergrössertem länglichen Prothorax und robustem Körper, mit verwachsenem Meso- vmd Metathorax. Mittel- und Hinterbeine waren kurz, ihre Schenkel dick, die Vorderbeine dagegen länger und offenbar zum Ergreifen der Beute geeignet. Am Ende des Hinterleibes sassen kurze Cerci. Bei einigen Exemplaren sind deutliche Legescheiden zu sehen. Das Geäder wird durch ein sehr breites, etwa Vh der Flügellänge erreichendes Costalfeld, durch eine Reduktion der Radialis auf wenige Aste und durch die Vergrösse- rung des Cubitalfeldes charakterisiert. Das Analfeld ist verkürzt und durch eine bogenförmige Naht begrenzt. In der Ruhe waren die derb chitinisierten Flügel über dem Abdomen gefaltet. Carbonische Formation. lö? Genus: Eucaenus Scudder. Eucaenus ovalis Scudder. (Taf. XVI, Fig. 17, 18.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Eucaenus ovalis, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 325. t. 29. f. 4, 1885. Die Länge des Vorderflügels beträgt 22 mm, dessen Breite etwa 8 mm. Das Geäder ist an dem Originalexemplare nicht leicht zu entziffern, weil die Adern des Vorder- und Hinterflügels schwer auseinanderzuhalten sind. Ein zweites Exemplar vom selben Fundorte zeigt ein deutlich erhaltenes Pronotum, nach welchem ich an der Zeichnung des ersteren {Vig. 18) in punktierten Linien diesen Körperteil ergänzen konnte. Ein drittes Exemplar ist etwas grösser und hat eine Flügellänge von 2;^ mm (Fig. 17). Scudder hielt dieses Tier für eine neuropteroide Form und stellte es zu den Homothetiden. Einige Exemplare dieser Art zeigen deutliche, über das Ende des Ab- domen hinausragende Legescheiden. Eucaenus mazonus Melander. (Taf XVI, Fig. 19.) Fundort: Mazon Creek, near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian; Kittaning? i" Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Eucaenus mazonus, Melander, Journ. Geol. XI. iS8. l. 6. f. 3. t. 7. f. 10. 1903. Flügel etwa 14 mm lang und verhältnismässig breit. Der längliche Pro- thorax deutlich zu erkennen, ebenso einige Beine und das Costalfeld der Vorderflügel. Eucaenus attenuatus Melander. (Taf XVI, Fig. 20, 21.) Fundort: Mazon Creek, near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Eucaenus altenuatus, Melander, Journ. Geol. XI. i88. t. 6. 1. 4. t. 7. f. 11. 1903. Flügel etwa iS mm lang und verhältnismässig schmal. Das U. S. National Museum besitzt ein Exemplar, welches jedenfalls zu dieser Art gehört (Nr. 3882S) und den Prothorax sehr deutlich erkennen lässt und vor demselben sogar noch einen Teil des Kopfes. Aus diesem Exemplare entnehme ich, dass Melanders Zeichnung (Fig. 11, Taf. VII) unglücklich schematisiert ist, so dass aus dem Prothorax ein Kopf gemacht wurde. Eucaenus rotundatus m. (Taf XVI, Fig. 22.) tundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. „Neuropleroid. Kam. Homothetidae", Scudder, Mem. Bost. Soc. III. t. 29. f. 9. 1885. Ein Vorderflügel von etwa 32 mm Länge und i,s nim Breite. Das Costalfeld erreicht kaum - 3 der Flügellänge und ist sehr breit. Der Radius ist erst hinter der Flügelmitte geteilt und bildet nur einige Äste, ebenso £56 Cat bonische l''ornialion. die Mcdialis. Mehr als die Hälfte der Flügelbreitc wird von den zahlreichen, meist gegabelten Ästen des Cubitus ausgefüllt. Das Original trägt die Nr. 38 153 und ist Eigentum des U. S. National Museum. Familie: Gerapompidae m. Die Formen dieser Gruppe schliessen sich ziemlich eng an die Eucae- niden an, doch erscheint das Costalfcld der Vorderfiügel mehr reduziert und durch eine Menge vom Radius nach vorne ziehender Aste verdrängt. Auch hier sind Radius und Medialis auf Kosten des mächtig entwickelten Cubitus zurückgedrängt. Das Analfeld ist durch eine gebogene Falte abgegrenzt. Der Prothorax verlängert. Genus: Gerapompus Scudder. Gerapompus Schucherti m. (Tat. XVII, Fig. i.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (Alleghcny) stage. Mittleres Obercarbon. Länge des Vorderflügels 27 mm. Breite desselben 11 mm. Die Form des Flügels ist fast elliptisch, mit stark gebogenem Vorderrande und breit gerundetem Endrande. Die Subcosta reicht nicht weit über die Flügel- mitte hinaus und entsendet sieben teils einfache, teils verzweigte Adern gegen den Vorderrand. Das Costalfeld ist mehr bandförmig, schmäler als bei Eucaenus. Der fast gerade gegen den Vorderrand ziehende Radius entsendet etwa ein Dutzend schief nach vorne gerichteter Zweige; der Sector entspringt etwa in der Flügelmitte und bildet eine einzige Gabel. Die Medialis zerfällt in drei Äste und der mächtig entwickelte Cubitus entsendet etwa acht zum Teil verzweigte Äste schief nach hinten. Das Analfeld ist durch eine ge- bogene Falte begrenzt und enthält zahlreiche gegen den Hinterand gerichtete Adern. Zwischen vielen Hauptästen sind Schaltadern zu bemerken. Das Original, auf dem beide Vorderflügel übereinander liegen, ist Eigen- tum des U. S. National Museum und trägt die Nummer 3SS16. Es stammt aus der Sammlung Lacoe. Gerapompus blattinoides Scudder. (Taf. XVII, Fig. 2.) i'undort: J\Iazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian; Kittaning? (AUegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Geiaponij>us blauinoides, Scudder, Wem. Bost. Soc. III. 32(1. t. 29. f. i. 1885. Länge des Vorderflügels 21 mm. Das Gcäder scheint jenem von Schucherti sehr ähnlich zu sein. Der Prothorax ist verlängert. Ein (?) Hinter- bein von normaler Länge. Scudder hielt diese Form für eine Homolhetide, also für ein neuropteroides Insekt. Diese Art ist als Typus der Gattung zu betrachten. C.irbonische Formation. 167 Gerapompus extensus Scudder. ( laf. XVII, Fig. 3 — ^5.) Fundort: INIazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Gerapompus extensus, Scudder, Mem. Boston Soc. III. 326. t. 29. f. 5. 8. 18S5. F'lügeliängo etwa 30 mm. Geäder ähnlich wie bei den vorhergehenden Arten, aber das Costalfeld noch schmäler als bei Schucherti, mit sechs ein- fachen Adern. Sector radii näher der Flügelbasis entspringend. Prothorax stark verlängert. Druck u. (Gegendruck dieses Fossils befinden sich in der Sammlung des U. S. National Museum (Nr. 38 141), sind aber durch die übereinander gelagerten Vorder- und Hinterflügel schwer zu entziffern. Trotzdem erscheint es mir zweifellos, dass die Form in die Gattung Gerapompus gehört, mit der sie in der Bildung der Subcosta und des Radius übereinstimmt. Familie: Adiphiebidac m. In diese Familie stelle ich zwei Formen mit stark spezialisierten Flügeln und vergrössertem schildartigen Prothorax. Der Habitus dieser Formen ist entschieden blattoidenartig, aber das Geäder weicht von jenem aller bekannten paläozoischen Blattoiden so stark ab, dass es kaum möglich sein dürfte, eine Ableitung aus solchen vorzunehmen. Die Äste des Radius, der Medialis und des Cubitus verlaufen, so wie jene der Subcosta, fast strahlenartig aus der Flügelbasis und sind durch zahlreiche Schaltadern getrennt; die Zwischenräume durch viele Queradern überbrückt. Nach meiner Ansicht dürfte es sich hier um einen stark aberranten Seitenzweig der Protoblattoidea handeln, der vermutlich bereits im Palaeo- zoicum erloschen ist. Genus: Adiphlebia Scudder. Adiphlebia Lacoana Scudder. (Taf. XVII, Fig. 6.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Adiphlebia lacoana, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 345. t. 32. f. 6. iScSj. Körper gedrungen, Prothorax schildförmig, ungefähr so lang als breit. Vorderflügel 27 mm lang, fast elliptisch und ober dem Hinterleibe übereinander- greifend. Ihr Vorderrand fast gerade, der Spitzenrand breit abgerundet. Sub- costa ungefähr zwei Drittel der Flügellänge erreichend, mit einigen sehr schief nach vorne gerichteten Ästen. Costalfeld ein spitzes Dreieck bildend. Radius fast bis zur Spitze reichend, einfach; sein Sector jedenfalls schon nahe der Flügelbasis entspringend. Hinter dem Radius ziehen etwa 10 schwach diver- gierende Längsadern gegen den Spitzenrand, deren Zusammenhang ich nicht ermitteln kann. Zwischen diesen Adern liegen Schaltsectoren und zahlreiche Queradern. Das Analfeld scheint nicht sehr gross und durch eine Bogennaht begrenzt zu sein. jgg Carbonische Formation. Druck und Gegendruck des Originalexemplares befinden sich in der Sammlung des U. S. National Museum in Washington (Nr. 38143). Scudder stellte diese Form zu den Gerarincn, welche er gleichfalls für neuropteroide Formen hielt Adiphlebia longitudinalis Scudder. (Taf. XVII, Fig. 7.) Fundort : Mazon Creek ncar Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (AUegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Termcs longitudinalis, Scudder, Mem. Bost. Soc. III. 350. 1885. Goldenbergia longitudinalis, Brongniart, Bull. Soc. Rouen. (3) XXI. 61. 1885. Diese Form dürfte wahrscheinlich mit der vorhergehenden zusammen- fallen. Das Original, Eigentum des U. S. National Museum (Nr. 38140), zeigt deutlich die Form des Thorax und die übereinander gefalteten Flügel, deren Geäder mit jenem der vorhergehenden Art grosse Ähnlichkeit zu haben scheint. Scudder hat dieses Fossil nicht beschrieben und später selbst erkannt, dass es keine Termite ist. Wie Brongniart dazu kam, das ihm unbekannte und nicht beschriebene Tier in die Dictyoneuriden-Gattung Goldenbergia zu stellen, begreife ich nicht. Familie: Anthracothremmidae in. Ich errichte diese Familie auf ein von Scudder beschriebenes, merk- würdiges Insekt, dessen Flügel von allen anderen bisher bekannten Carbon- Insekten wesentlich abweichen, aber trotzdem noch die meisten Beziehungen zur Blattaeformienreihe aufweisen. Der Körper dieses Tieres war robust, ähnlich gebaut wie bei Eucaenus und Adiphlebia, der Prothorax vermutlich scheibenartig vergrössert. Die Vorderbeine scheinen ähnlich wie bei Eucaenus etwas verlängert gewesen zu sein. Die Vordertiügel sind schlank, viermal so lang als breit, und haben einen stark geschwungenen Vorderrand, ein sehr schmales, etwa ^/s der Flügellänge erreichendes Costalfeld und ein kurzes, durch eine bogenförmige Falte begrenztes Analfeld. Der Radius ist einfach und reicht nahezu bis an die Flügelspitze. Der Sector radii ent.springt bereits sehr nahe der Flügelbasis und entsendet vier oder fünf einfache, im Bogen gegen den Spitzenrand ziehende Aste. Auch die schwer zu trennenden Äste der Medialis und des Cubitus sind fast parallel und gegen den Spitzenrand orientiert. Das Geäder der Hinterflügel war jenem der Vordcrflügel ähnlich, doch reichte die Subcosta viel weiter zur Spitze. Das Analfeld ist leider nicht zu unterscheiden, war aber jedenfalls gefaltet. Diese I^'orm scheint ebenso wie die vorhergehende ein stark aberranter Seitenzweig der Protoblattoidea zu sein. Carbonische Formation. 160 Genus: Anthracothremma Scudder. Anthracothremma robusta Scudder. (Taf. XVII, Fig. 8.) Fundort : Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Anthracothremma robusta, Scmider, Mem. Bost. Soc. III. 327. t. 30. f. i. 5. 6. 1885. Länge des ganzen Abdruckes 27 mm. Länge des Vorderflügels 25 mm. Ich untersuchte das Original zu den Abbildungen Fig. 1 und 5, Eigentum des U. S. National-Museum in Washington (Nr. 38138). Auch diese Form wurde von Scudder zu den Neuropteroiden (Homo- thetiden) gerechnet. Protobhittoidea inccrtac sedis. Genus: Megalometer m. Megalometer lata m. (Taf. XVII, Fig. q.) Fundort : Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Der Abdruck eines ganzen Insektes mit über dem Abdomen gefalteten, breit elliptischen Flügeln, verhältnismässig schmalem Alidomen und kleinem nierenförmigen Prothoraxschild. Habituell gleicht diese l^Orm einem Eucaenus, doch scheint sowohl der Prothdrax als das Flügelgeäder verschieden zu sein. Die Länge des ganzen Abdruckes beträgt etwa 37 mm, die Länge der Vorderflügel etwa 30 mm. Man unterscheidet ein breites Costalfeld, welches etwa - 3 der Mügel- länge einnimmt. Die Subcosta ist ähnlich wie bei Eucaenus und entsendet fünf oder sechs schiefe Äste nach vorne. Der Radius krümmt sich vor dem Ende gegen den Spitzenrand und ist einfach. Sein Sector scheint etwa in der Flügelmitte zu entspringen. Das übrige Geäder kann ich infolge der Übereinanderlagerung der Vorder- und Hinterflügel nicht entziffern. Das Original ist Eigentum des U. S. National-Museum (Nr. 38825). Genus: Pseudetoblattina m. Pseudetoblattina reliqua Scudder. (Taf. XVII, Fig. 10.) Fundort: Pawtucket, Rhode Island, Nordamerika. Pennsylvanian, ten mile series ; ? Allegheny or Coneinaugh stage. (? Oberes) Obercarbon. Etoblattina reliqua, Scudder, Bull. U, S. Geol. Surv. Nr. loi. i8. t. 2. g. 1893. Etoblattina reliqua, Scudder, ibid. Nr. 124. 106. t. 0. f. 10. iSqv Ein 20 mm langer Vorderflügel von elliptischer Form, dessen breites Costalfeld etwa ''ja der Flügellänge erreicht. Der Radius entsendet einige schiefe Ästchen nach vorne und den dreiästigen Sector radii etwas vor der Flügelmitte. Die mit einer kurzen Endgabel versehene Medialis dürfte, nach Scudders Zeichnung zu schliessen, ein Stück weit mit dem Radius verschmolzen [-O Catbonische Fiirraation. sein. Der Cuhitus nimmt weniger als die halbe Flüyelbreite ein und entsendet einige Äste schief nach hinten. Das Analfeld wird durch eine gebogene Falte begrenzt. Es scheint mir nicht wahrscheinlich, dass dieses Fossil zu den echten Blattiden gehört, und die Bildung der Subcosta sowie des Radius deuten auf eine nähere Verwandtschaft mit Eucaenus, (xerapompus etc. Auch an Orycto- blattiniden erinnert das Gcäder in mancher Pjcziehung. Genus: Agogoblattina m. Agogoblattina occidua Scudder. (Taf. Wll, Fig. u.) P'undort : Mazon Creek near Morris, Illinnis, Nurdamerika. Penn.sylvanian ; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Oryctoblattina occidua, Scudder, Proc. Ac. n. s^c. I'hil. j". 18.S5. Oryctoblattina occidua, .Scudder, Mem, Bosl. See. IV. t. 32. f. 5. 1S90. Diese l^orm gehört wohl nicht zu den Oryctoblattiniden, wie Scudder glaubt, aber jedenfalls in die Ordnung der Protoblattoiden. Die Gestalt und die Form der Flügel erinnert an Anthracothremma und Eucaenus, scheint aber mehr zugespitzt gewesen zu sein. Jedenfalls war der Prothorax ver- grössert und der Körper massig schlank. Die Flügellänge beträgt etwa 24 mm. Das Costalfeld ist schmal, enthält viele schiefe Adern und erreicht etwa -'3 der Flügellänge. Zwischen den Adern ist ein unregelmässiges Netzwerk zu sehen. Leider ist Scudders Zeichnung nicht klar genug, um die iVdern der über- einanderliegenden Flügel unterscheiden zu können, und ich bin daher nicht in der Lage, die systematische Stellung des l^Ossils genauer zu bestimmen. Genus: Polyernits Scudder. Polyernus complanatus Scudder. (Taf. XVII, Fig. 12, 13.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Pennsylvanian; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Polyernu.s complanatus, Scudder, Mem. Boston. Soc. III. 343. t. 32. f. 8. 11. 1.885. Druck und Gegendruck eines ungefähr 50 mm laugen Insektes mit ül)er dem Hiiiterleibe gefalteten Vorder- und Hinterflügeln und im Verhältnis zur Körpergrösse sehr kleinem, fast halbrundem Prothoraxschildc, dessen warzigen Mittelteil Scudder für ein l'acettenauge gehalten hat. Die Adern sind viel zahlreicher als bei den meisten anderen l'ormen dieser Ordnung und durch die Übereinanderlagerung so verworren, dass nach diesem Exemplare kaum eine Deutung möglich sein dürfte. Genus: Polyetes m. Polyetes furcifer ni. (Taf. XVI, Fig. .3.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, Nordamerika. Penn.sylvanian; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. I'lügel 24 mm lang, breit elliptisch, mit abgerundetem .Spitzenrande. Die Subcosta dürfte etwa zwei Drittel der Flügellänge erreicht haben. Der Radius Carbonische Formation. ist einfach und gegen das Ende zu etwas zurückgebogen; er entsendet den in fünf Äste geteilten Sector bereits nahe der I^lügelbasis. Auch die MediaHs teilt sich bereits nahe der FUigelbasis in zwei Hauptäste, von denen jeder wieder in drei Zweige zerfällt. Die Zweige des hinteren Astes sind so wie jene des Cubitus gegen den Hinterrand gerichtet. Das Analfeld dürfte klein gewesen sein und lässt einige gegen den Hinterrand ziehende Adern erkennen. Queradern unregelmässig, stellenweise netzartig. Vordf.r- und Hinterflügel hatten ähnliches Geäder und waren ober dem massig schlanken Hinterleibe gefaltet. Der Prothorax scheint von massiger Grösse gewesen zu sein. Ich glaube, dass dieses Fossil noch am ersten mit Cheliphlebia in Be- ziehung zu bringen sein dürfte. Vielleicht haben wir gerade in diesen Formen die Bindeglieder zwischen der Blattoidenreihe und den Palaeodictyopteren zu suchen. Das Original ist Eigentum des U. S. National Museum (Nr. 38S23). Genus: Strephocladus Scudder. Strephocladus subtilis Kliver. (Taf. XVII, Fig. 14.) I-undort : Schiffweiler, Deutschland. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Petrablauina subtilis, Kliver, Palaeont. XXIX. 251. t. 35. f. I. 1883. Strephocladus subtilis, Scudder, Mem. Best. Soc. III. 337. 1885. Ein 22 mm langes Stück eines Vorderflügels, dessen Länge etwa zb mm betragen haben mag. Die Form ist schlank, mit leicht geschwungenem Vorderrande. Die Subcosta mündet (nach der Abbildung) in den Radius und entsendet eine Anzahl schiefer Adern nach vorne. Radius einfach, mit einer Anzahl gegen den Vorderrand gerichteter kurzer Aste. Sector radii etwa in '/s der Plügellänge entspringend, mit drei einfachen, gegen den Spitzenrand gekehrten Asten. Medialis einfach, mit der Basis des Sector radii in vorübergehende Verbindung tretend. Cubitus gegen den Hinterrand gebogen, mit fünf schief nach vorne und gegen den Spitzenrand gerichteten Ästen. Analfeld durch eine Bogennaht getrennt, mit mehreren im Bogen gegen den Hinterrand ziehenden Adern. Queradern deutlich, weitläufig. Diese etwas rätselhafte Form scheint in die Ordnung der Protoblattoiden zu gehören und hat, wie es scheint, einige Ähnlichkeit mit Anthracothremma. Genus : Protoperla Brongniart. Protoperia Westwoodi Brongniart. (Taf XVII, Fig. 15.) Fundort: Commcntry, Frankreich. Stephanien. Oberes Obercarbon. Protoperla Westwoodi, P>rongniart, Faune ent. terr. prim. s-')- '■ 40. f- 5. 1893. Ein 13 mm langer Hinterflügel mit deutlich abgegrenztem, offenbar um- legbarem Analfelde, welches nicht ganz die halbe Flügellänge erreicht und dessen Adern alle der Reihe nach aus einem Hauptaste entspringend, schief nach hinten ziehen. Die Subcosta ist verkürzt. Der Sector radii entspringt nahe der Basis und verzweigt sich sehr unregelmässig in etwa 10 Aste. Die iy2 Carbonische Formation. Medialis bildet zwei Hauptäste mit je einer kurzen Endgabel. Der Cubitus ist auf ein oder zwei Adern reduziert. Queradern unregelmässig, stellenweise netzartig. Ich zweifle nicht daran, dass dieser Hinterflügel einer Protublattoidenfnrm angehört, vermutlich einer Orycti)blattinide. Auffallend ist die Ähnlichkeit des Geäders mit jenem gewisser rezenter Mantiden, z. B. Metalleutica etc. Ordnung: Blattoidea m. Unter allen Insekten der Carbnnformation ragen die Blattoiden durch ganz besonderen l^'ormenreichtum hervor. Trotz dieses Umstandes gelingt es aber doch nur schwer innerhalb der Ordnung eine Begrenzung von Familien vorzunehmen, weil naturgemäss alle Grenzen durch Ubergangsfirmen ver- wischt sind, wie dies eben bei einer gerade in voller Entwickelung stehenden Tiergruppe nicht anders zu erwarten ist. Wenn ich es trotzdem versuche, einige Familien festzuhalten, so geschieht dies hauptsächlich aus dem Grunde, um die Orientierung einigermassen zu erleichtern und um die Vervvandtschafts- reihen — soweit es nach dem vorliegenden Materiale möglich ist — zu sondern. Dass ich die paläozoischen Blatt^^iden in dieselbe Ordnung stelle, wie die rezenten f ormen, und dass ich sie nicht nach dem Beispiele Scudders als eigene Gruppe betrachte, hat seinen Grund in der ganz auffallend weitgehenden morphologischen Übereinstimmung der ausgestorbenen Formen mit gewissen bis zum heutigen Tage erhaltenen Gruppen. Auch unter den jetzt lebenden Formen gibt es gar manche, die man nach ihrer l'lügelbildung in die nächste Nähe der Carbonblattoiden stellen muss — so z. B. die Gattung Monachoda u. a. Aber nicht nur in den l^lügeln, sondern auch im ganzen Körperbau herrscht eine sehr weitgehende Übereinstimmung, und ausserdem erweisen sich alle von Scudder als unterscheidend angeführten Momente hinfällig, sobald man eine grössere Reihe lebender 1^'ormen vergleicht. So steht es mit der von Scudder als charakteristisch für die „Paläoblattarien" betrachteten Ein- mündung der j\naladern in den Hinterrand des Analfeldes, mit der Abtrennung des Analfeldes der Hinterflügel durch eine Gelenkfalte usw. Das erstgenannte Merkmal ist keineswegs, wie wir sehen werden, bei allen paläozoischen Formen vorhanden und kommt auch sehr vielen jüngeren und rezenten Formen zu; das zweite Merkmal aber ist für alle f issilen und rezenten Formen ge- meinsam. .\uch in bezug auf die Auswahl der Stamtngruppe innerhalb der Ord- nung befinde ich mich in schroffem Gegensatze zu Scudder, indem ich gerade die Mylacriden, die er für die Urformen hält und durch künstliche Tieferlegung der Horizonte , in denen sie gefunden werden , mit Gewalt zu den ältesten Formen machen will , für abgeleitete Formen halte. Wir werden sehen, wie gut sich der Mylacriden-Typus von jenem der Scudderschen „Blattiniden" ab- leiten lässt und wie letzterer wieder durch eine Reihe von Zwischengliedern auf den Paläodictyopterentypus hinweist, den ich für den primären halte. Wollten wir die Mylacriden zum Ausgangspunkte machen, so wären wir ge- zwungen die Paläodictyopteren und damit alle anderen Insekten von den Blat- Carbonische Formation. lyi toiden herzuleiten, ein Vorgang, der gegen alle Ergebnisse der Morphologie und Phylogenie Verstössen würde. Wir werden bemerken, dass zwischen jenen Formen, welche ich in die Ordnung „Blattoidea" stelle, und gewissen Formen meiner „Protoblattoidea" kein recht scharfer Unterschied besteht. Trotzdem kann ich mich aber nicht entschliessen, beide (xruppen zu vereinigen, weil ich der Meinung bin, dass ein derartiger Vorgang die Charakterisierung der Gruppen wesentlich er- schweren würde. Wenn man auf dem Standpunkte der Deszendenz steht, so müssen ja alle Grenzen verwischt sein, sobald man sämtliche Formen aus allen geologischen Epochen vor sich hat. Es werden demnach die Grenzen, die wir zwischen den einzelnen Gruppen ziehen, immer etwas willkürlich erscheinen. In bezug auf die Charakterisierung der Gruppe verweise ich auf die Ein- leitung. Bevor ich auf die Besprechung der einzelnen Familien eingehe, will ich hier die bi.sher bekannt gewordenen Jugendformen der Blattoiden vorführen. Jugendstadien. (Blattoidea) exilis Woodward. (Taf. XVII, Fig. i6, 17.) Fundort: Dudley, England. Westphalian. Mittleres Obercarbon. Leptoblattina exilis, Wooiiward, Geol. Mag. (3) IV, 56. t. 2. f. 2. 3. 1887. Woodward bildet zwei ziemlich ähnliche Exemplare von etwa 28 mm Körperlänge ab, deren scheibenförmiges Pronotum nur um etwa Vs breiter ist als lang. Das Abdomen ist lang und schmal und die verhältnismässig langen am Ende abgerundeten Flügelscheiden sind bereits länger als das Pronotum. Sie ragen etwas nach der Seite über den Körper heraus. Nach der Gesamtform und speziell nach jener des Thorax zu schliessen, dürfte diese Larvenform zu Aphthoroblattina Johnsoni Woodward gehören, die auch vom selben Fundorte stammt und, wie wir sehen werden, zu den ältesten und primärsten Blattidenformen gehört. Damit stimmt auch das Aussehen der Larve überein, welches durch den schlanken Leib und die noch nicht ganz nach hinten gekehrten Flügelscheiden noch deutlich auf die Paläodictyopteren- Ahnen hinweist. (Blattoidea) insignis, Goldenberg. (Taf. XVII, Fig. i8.) Fundort: Hirschbach, Rheinlande. Saarbr. Stufe. Mittleres Obercarbon. Blattina insignis, Goldenberg, Fauna saraep. foss. I. 17. t. 2. f. 14. 1S73. Etoblattina insignis, Scudder, Mem. ßost. Soc. III. 82, t, 2. f, 7, l, 4. f. 9. 1879. Leptoblattina insignis, Woodward, Geol. Mag. (3) IV. 58. 1887. Leptoblattina insignis, Schlechtendal, t. I. f. 14. i. 1. Etwas kleiner als exilis und, wie diese, mit scheinbar schlankem Hinter- leibe. IjA Carbonische Formation. (Blattoidea) Germari Giebel. (Taf. .Wll, V\g. ig.) Fumlort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Blatlina — , dermar, Verst. Weltin. 8". I, 31. f. q. 1851. Blatta Germari, Giebel, Ins. Vorw. 321. 1850. Rlattina Germari, Heer, Vierielj. nat. Ges. Züricli. IX. 2SS. 1864. Gerablattina Germari, Scudder, Mem. Bost. See. III. lo", t. 3. (. 6. 187g. Leptoblattina Gerniari, Schlechtendal, t. 3. f. 4. t. 5. f. 3. i. 1. Eine g'ut erhaltene Flügelscheide einer Nymphe. Dem Geäder nach höchst wahrscheinlich eine Archimylacride (Phylnblatta). (Blattoidea) sp. (Taf. XVII, Fig. 20.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Olleres Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 204), Schlechtendal, t. 3. f. 9. t. 6. f. 3. i. 1. Nach dem halben Thorax zu schliessen, eine breite Form. Die Flügel scheinen gleichfalls breit zu sein. (Blattoidea) delicula Schlechtendal. (Taf. XVII, Fig. ji.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Leptoblattina delicula. Schlechtendal, t. 3. f. 8. a. b. t. 5. f. 4. i. 1. Eine massig breite Form. Gehört vielleicht zu den Spiloblattiniden. (Blattoidea) sp. (Taf XVII, Fig. 22.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Leptoblattina Berlichiana, Schlechtendal, t. 3. f. 10. a. b. t. 5. f. 2. i. I. Eine schöne, etwa 22 mm lange Nymphenhaut mit etwas breiterem fast halbkreisförmigen Thorax und dem Körper anliegenden Flügelscheiden. Der Hinterleib scheint schlank gewesen zu sein und zeigt einen kurzen Cercus ohne deutliche Gliederung. (Blattoidea) relicta Schlechtendal. (Taf XVII, Fig. 2j.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweilcr Stufe. Oberes Obercarbnn. Leptoblattina relicta, Schlechtendal. t. 5- f. 8. i. I. Flügelscheide eines Vorderflügels ohne deutliches Geäder. (Blattoidea) sp. (Taf. XVII, Fig. 24.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 243), Schlechtendal. i. 1. Die Scheide eines schlanken Vorderflügels. Wahrscheinlich eine Spilo- blattinide. Carbonische Formation. ly c (Blattoidea) sp. (Taf. XVII, Fi^. 25.) Fund(^rt: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 282), Schlechlendal. t. 6. f. 7. i. 1. Der vorigen sehr ähnhch. Vielleicht dieselbe Spezies. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. i.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottvveiler Stufe. Oberes Obercarbon. Lejitoblattina (Nr. 341), Sclilechtendal. t. 6. f. 3. i. I. Scheide eines etwas breiteren Vorderfliügels mit undeutlichem Geäder. Dabei eine Hälfte des grossen Pronotuni. Vermutlich zu den Spiloblattiniden. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 2.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 316), Schlechlendal. t. b. f. 11. i. 1. Der Basalteil einer grösseren Flügelscheide. Vermutlich zu den Spilo- blattinen. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 3.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina ^r (Nr. 298), Schlechtendal, t. 6. f. i. i. 1. Drei übereinandergelegte Flügelscheiden (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 4.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina fi (Nr. 299), Schlechtendal. t. 5. f. 13. i. 1. Die Scheide eines kleinen, schlanken Vorderflügels mit deutlichem Achi- mylacridengeäder. Vermutlich eine Phyloblatta. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, F"ig. 5.) F'undort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina oj (Nr. 150), Schlechtendal. t. ? 6. f. g. i. 1. Die Scheide eines massig grossen Hinterflügels. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 6.) Fundort: Dölau in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina p (Nr. 227), Schlechtendal. t. 6. f. 2. i. 1. Eine undeutliche Flügelscheide. Vielleicht zu Spiloblattiniden. 176 Carbonische Formation. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 7.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 300), Schlechtendal. t. S- f- 'o. (? = t. 5. b. f. y. b.) i. 1. Eine kleine Flügelscheide. Sehr undeutlich. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. s.) Fundort: Löbejün in Sachsen. Ottvveiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina r., Schlechtendal, t. 6, f. 4. i. 1. Zwei Flügelscheiden mit zugespitztem Ende. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. g.) Fundort: Wettin in .Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 332), Schlechtendal, t. 5. f. 12. i. !. Scheide eines kleinen Hinterflügels. (Blattoidea) acuminata Schlechtendal. (Taf XVIII, Fig. lo.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes 01iercarb(in. Lejitoblattina acuminata, Schlechtendal, t. 5. f. 16. i. 1. Scheide eines mittelgrossen Hinterflügels. (Blattoidea sp. (Taf XVIII, Fig. n.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe, Oberes Obercarbon. Leptoblattina cp (Nr. 242), Schlechtendal, t. 6. f. 6. i. 1. Die Scheide eines kurzen breiten Vorderflügels. (Blattoidea) sp. (Taf XVIII, Fig. 12.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina v (Nr. 187), Schlechtendal, t. 6. f. 5. i. 1. Scheide eines massig grossen Hinterflügels. (Blattoidea) perbrevis Schlechtendal. (Taf. XVIII, Fig. 13.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina perbrevis, Schlechtendal, t. 5. a. f. 14. i. 1. Eine breite dreieckige F'lügelscheide, vermutlich von einem stark zuge- spitzten Hinterflügel. (Blattoidea) minima Schlechtendal. (Taf. XVIII, Fig. 14.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina minima, Schlechtendal, t. 5. f. 15 i. 1. Die Scheide eines sehr kleinen Hinterflügels. Carbonische Formation. 177 (Blattoidea) bella Schlechtendal. (Taf. XVIII, Fig. 15.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottvveiler Schichten. Oberes Obercarbon. Leptoblaltina bella, Schlechtendal, t. 3. f. 5. i. 1, Flügelscheide einer grosseren Art mit Archirnylacriden-lieäder. Ver- mutlich eine Phyloblatta. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. i6.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Leptoblaltina (Nr. 221), Schlechtendal, t. 3. f. n. t. 5. f. 9. i. 1. Eine am Ende abgerundete Flügelscheide. (Blattoidea) minuta Schlechtendal. (Taf. XVIII, Fig. 17.) Fundort: Dölau in Sachsen. Ottweiler Schichten. Oberes Obercarbon. Leptoblattina minuta, Schlechtendal, t. 3. f. 7. t. 5. a. f. 7. i. 1. Undeutliche Flügelscheide. Vermutlich von einem Hinterflügel. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIH, Fig. i8.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblatitna (Nr. 287), Schlechtendal. f. 15. i. 1. Ein halbes Pronotum einer grossen Nymphe. Von der Form eines Quadranten. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 19.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 342), Schlechtendal. f. 20. i. I. Die Hälfte eines fast halbkreisförmigen Pronotums. (Blattoidea) sp. (Taf XVIII, Fig. 20.) Fundort : Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 315), Schlechtendal. f. 21. i. 1. Der vorigen Art sehr ähnlich. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 21.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblattina (Nr. 267), Schlechtendal. f. 22. i. 1. Ein halbes Pronotum einer schmäleren Form. HanJlir^ch, Die (ossiieii Insekten. I2 lyS Carbonische Formation. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 22.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottweiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblatlina (Nr. 340;, Schlechtendal. f. 9. i. 1. Die Hälfte eines kleinen aber sehr breiten Pronotum. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIU, Fig. 23.) Fundort: Wettin in Sachsen. Ottvveiler Stufe. Oberes Obercarbon. Leptoblatlina (Nr 123), Schlechtendal. f. 8. i. 1. Ein halbes Pronotum einer kleinen Blattnidennymphe. (Blattoidea) anceps Sellards. (Taf .Will, Fig. 24.) Fundort: Mazon Creek near Morris, Illinois, N. Amer. Pennsj^lvanian; Kittaning? (Allegheny) stage. Mittl. Obercarbun. Mylacrid.ie Inyniph), Sellards, Amer. Journ. Sc. (4) XV. 309. t. 7. f. 9. 1903. Mylacris anceps, Sellards, Amer. Journ, Sc. XVIII. 129. fig. 5. 1904. Eine etwa 30 mm lange Nymphenhaut mit sehr breitem Thorax, kurzen, breiten, nicht scharf abgesetzten Flügelscheiden und ziemlich schmalem Ab- domen, dessen Segmente an den Seiten nach hinten eckig vortreten. Das neunte Segment erscheint in der Mitte gespalten (ventral !) und das letzte trägt mehrgliedrige nach der Seite gerichtete Cerci. Dass die Cerci bei älteren Blattdidennymphen deutlicher gegliedert waren als bei den rezenten Formen, ist wohl ziemlich leicht begreiflich, denn dies entspricht eben dem primären Typus. (Blattoidea) sp. (Taf .Will, Fig. 25.) ]'"undi)rt: Lawrence, Kansas, Nordamerika. Upper Coal Measures; Le Roy (Lawrence) shales. Oberes Obercarbon. Etoblattina sp., Sellards, Amer. Journ. Sc. (4) XV. t. 7. f. 5. 1903. Eine etwa 40 mm lange Nymphe mit etwas breiterem Abdomen. Segmente mit nach hinten gerichteten Seitenlappen. Flügelscheiden breit, etwas zu- gespitzt. (Blattoidea) Peachi Woodward. (Taf XVIII, Fig. 2O.) F'undort: Kilmaurs, Schottland. Lanarkian. Mittleres Obercarbon. Eloblatlina Peachii, Woodward, Geol. M,ig. (3") IV. 433. t. 12. f. 1. 1887. Eine sehr breit gebaute 22 mm lange Nymphe. Prothorax mehr als doppelt so breit wie lang, mit abgerundeten Seitenecken. Flügelscheiden kurz und breit, nicht scharf abgesetzt, mit abgerundeter Spitze. Hinterleib sehr breit, die Segmente mit stark gebogenen Hinterrändern und eckig nach hinten vfirtretenden Seitenwinkeln. Diese Form gehört vermutlich zu den Mylacriden. Carbonische Formation. j^g (Blattoidea) diplodiscus Packard. (Taf. XVIII, Fig. 27 — 30.) I'undort: Mazon Creek , Illinois. Nordamerika. Pennsylvanian ; Kittaning? (AUegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Dipeltis diplodiscus, Pacljard, Amer. \at. XIX. 293. 1885. 1 Dipeltis diplodiscus, Packard, Mem. Ac. N. Sc. Phil. III. 145. t. 5. f. 2. 1885. Dipeltis diplodiscus, Schuchert, Proc. U. S. Nat. Mus. XIX. 672. t. 58. f. 3. 189". Dipeltis diplodiscus, Sellards, Amer. Journ. Sc. (4) XV. 309. t. 7. f. 8. 1903. Mylacris (Dipeltis) diplodiscus, Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. 124. f. 4. t. i. f. 3. 1904. Diese ursprünglich von Packard als Crustaceenform von der Familie „Dipeltidae" der Xiphonuren später von Schuchert als Phyllopode beschriebene Blattoidennymphe dürfte gleichfalls zu den Mylacriden gehören. Sie besitzt einen sehr breiten Thi^rax mit spitzen Seitenecken und zugespitzte, nach hinten gerichtete, dem Körper anliegende Flügelscheiden. Die Beine sind kurz, die Fühler dünn und vielgliedrig. (Blattoidea) Carri Schuchert. (Taf. XVIII, Fig. 3t.) Fundort; Mazon Crcek, Illinois. N. Amer. Pennsylvanian, Kittaning? (AUegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Dipeltis Carri, Schuchert, Proc. U. S. Nat. Mus. XIX. 673. t. 58. f. 6. 1897. Dipeltis Carri, Sellards, Amer. Journ. Sc. (4) XV. 3119. 1903. Nach Sellards soll diese Blattoidennymphe zu Etobl. Mazona gehören, was aber wohl schwer zu beweisen sein wird. Jedenfalls ist es eine schlanke Blattoide. (Blattoidea) Schucherti m. (Taf. XVIII, Fig. 32.) Fundort: Sharp Mt. Gap. 2 Miles vS. of Tremont, Pa. N. Amer. — Anthracite series, Mammoth Goal. (? Oberes) Obercarbon. Eine 7 mm lange Flügelscheide mit zugespitztem Ende. Man sieht deut- lich die fünf radienartig von einem Punkte ausstrahlenden Äste der Subcosta, wie sie für Mylacriden typisch sind, ferner den Radius mit 7 schief nach vorne ziehenden Ästen. Die Medialis sendet einige Äste nach hinten, ebenso der Cubitus. Das Analfeld ist langgestreckt und zeigt 4 Adern. (Blattoidea) Sellardsi m. (Taf. XVIII, Fig. 33.) Fundort: Mazon Creek near Morris, 111. N. Amer. — Pennsylvanian, Kittaning? (AUegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Mylacris (Dipeltis) diplodiscus, Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. 124. f. 3. 1904. Ist wohl als eigene Art zu betrachten. Ähnlich diplodiscus. (Blattoidea) Melanderi m. (^Taf. XVIII, Fig. 34.) Fundort: Mazon Creek near Moris, 111. N. Amer. — Pennsylvanian, Kittaning? (AUegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Mylacris (Dipeltis) diplodiscus, Melander, Journ. Geol. XI. (2) 185. t. 5. f. 6. t. 7. f. 6. 1903. Ist gewiss auch von diplodiscus Pack, verschieden. l8o Carbonische Formation. (Blattoidea) Schuchertiana m. i Taf. XVIII, Fig. 35, 36.) Fundort: Mazon Creek near Morris, 111. N. ;\mer. — Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny) staye. Mittleres Obercarbon. Dipeltis diplodiscus, Schuchert, Free. U. S. Nat. Mus. XIX. 672. t. 58. fig. 4. 5. iSqy. Mylacris (Dipeltis) diplodiscus, Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. 124. f. 2. 1004. Sehr ähnlich diplodiscus. (Blattoidea) Sellardsiana m. (Taf, XVIII, Fig. 37.) Fundort: Mazon Creek, 111. N. Amer. — Pennsylvanian, Kittang? (Allegheny^ stage. Mittleres Obercarbon. Mylacris elongata (Nymph), Sellards, Amer. Juurn. Sc. (4) XVIII. 125. f. 6. ;. 1904. Es scheint mir keineswegs ausgemacht, dass diese Nymphe zu Myl. elon- gata Sc. gehört. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 38.) Fundort; Mazon Creek, 111 N. Amer. — Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Etoblattina mazona, Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. I2y. f. lo. 1904. Zur Identifizierung mit Et. Mazona Sc. finde ich absolut keinen Anhalts- punkt. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 39.) Fundort: Mazon Creek, 111. N. Amer. — Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Etoblattina mazona Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. 129. f. ii. 1904. Dieses Exemplar soll jünger sein als das als Fig. 13 abgebildete, ist aber grösser und gehört sicher in ein anders Genus. (Blattoidea) sp. (Taf XVIII, Fig. 40.) Fundort: Mazon Creek, 111. N. Amer. — Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny) stage. Mittleres Obercarbon. Etoblattina mazona, Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. 121). f. 12. 1904. Die hier abgebildete Legeröhre erscheint mir etwas zweifelhaft. Jedenfalls handelt es sich um eine ziemlich entwickelte Nymphe, die aber kleiner ist als die weniger entwickelte als Fig. 1 1 abgebildete. (Blattoidea) juvenis Sellards. (Taf XVIII, l'ig. 41—45.) Lawrence, Kansas. N. Amer. — Upper Coal Meas. Le Koy (Lawrence) shalcs. Oberes Obercarbon. Etoblattina juvenis, Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. 131. 1. 17—21. 1904. Umfasst wohl mehrere Arten. Carbonische Formation. jgj (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 46.) Lawrence, Kansas, N.-Amer. — Upper Goal Meas. Le Roy (Lawrence) shales. Oberes Obercarbon. — — , Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. 134. f. 23. 1904. Eine sehr breite Form. (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 47.) Fundort: Dölau in Sachsen. Ottvveiler Stufe. Oberes Obercarbon. Ootheca Blattinae, Sclileclitendal, t. 4. f. 3t et f. 17. i. 1. Die Auffindung dieses Gebildes beweist uns, dass die Carbon-Blattiden ihre Eier bereits geradeso wie die heute lebenden Formen in einer eigenen Kapsel (Oothek) einschlössen. ? (Blattoidea) sp. (Taf. XVIII, Fig. 48.) Fundort : Wettin in Sachsen. Ottvveiler Stufe. Oberes Obercarbon. ? Ootheca Blattinae. Schlechtendal. i. 1. Eine Säule von aneinandergereihten Eiern , vermutlich auch von einer Blattoide. (Blattoidea) sp. (Taf XVIII, Fig. 49.) Fundort: Lawrence, Kansas, N. Amer. Le Roy (Lawrence) shales. Oberes Obercarbon. „Egg case of cockroach", Sellards, Amer. Journ. Sc. XVIII. 134. f. 25. 1904. Ich zweifle nicht, dass dieses Fossil wirklich die Oothek einer Blattoide ist. Familie: Archimylacridae m. Diese Gruppe umfasst die überwiegende Mehrzahl der paläozischen Blattoiden und ist durch Übergangsformen mit Protoblattoiden, resp. Paläo- dictyoptoren verbunden. Das Geäder der Archimylacriden nähert sich am meisten dem Palaodictyopterentypus und kann als Ausgangspunkt für die Ab- leitung der höher spezialisierten Typen (Mylacriden , Spiloblattiniden, Poro- blattiniden, Neorthroblattiniden etc.) betrachtet werden. Die Subcosta ist stets als vollständige Ader erhalten und entsendet eine verschieden grosse Anzahl von Ästen gegen den Costalrand. Die Äste sind entweder gleichmässig verteilt oder zu Gruppen vereinigt, entspringen aber nie strahlenartig aus einem Punkte an der Plügelbasis. Niemals ist die Sub- costa auf einen kurzen, stark chitinisierten Wulst an der Basis des Vorder- randes beschränkt. Der Radius ist mehr oder minder reichlich verzweigt und zeigt nur noch bei den ursprünglichsten Formen die von den Vorfahren über- nommene typische Gliederung in Radius und Sectnr. Meist ist die ganze Radialgruppe in mehrere Zweiggruppen zerlegt oder es entspringen die Äste scheinbar alle an der Vorderseite der Hauptader. 1^2 Carbonische Formation. Die MediaTis ist entweder in 2 weiter verzweigte Hauptäste gespalten oder sie bildet eine Ader mit nach hinten abzweigenden Asten oder endlich eine sulche mit nach vorne abzweigenden Asten. Alle diese Modifikationen sind durch Übergangsformen verbunden. Der Cubitus entsendet in der Mehrzahl der l'älle seine Äste schief gegen den Hinterrand, seltener ist ein isolierter weiter verzweigter Vorderast aus- gebildet. Das Analfeld ist immer durch eine bogenförmige Naht begrenzt und enthält eine Anzahl in den Hinterrand einmündender Adern. Das Zvvischengeäder ist entweder unregelmässig netzartig oder es besteht aus sehr feinen regelmässigen Queradern. Bei den l-'i irmen, deren Flügel derber chitinisiert sind, finden wir an Stelle dieser Queradern nur mehr eine mehr oder minder unregelmässige lederartige Skulptur, die übrigens häufig noch deutliche Querrunzeln erkennen lässt. Der Körper der Archimylacriden war verschieden, bei den ursprünglichen Formen vorwiegend schlanker, bei den höher spezialisierten mehr verbreitert. Auch die Länge der Beine war bedeutenden Schwankungen unterworfen. Genus: Palaeoblatta m. Mit diesem Namen bezeichne ich eine sehr ursprüngliche Form, die in vieler Beziehung grosse Ähnlichkeit mit gewissen Protoblattoiden zeigt (Eu- caenus, Gerapompus etc.), und die sich dem Geäder nach noch am meisten dem Paläodicterentypus nähert, so dass man sie fast mit demselben Rechte zu den Protoblattoiden wie zu den Blattoiden zählen könnte. Die Subcosta reicht etwas über die halbe Flügellänge hinaus und ent- sendet etwa 10 Äste. Der Radius zieht fast gerade zur Flügelspitze und sendet vor seinem Ende etwa 10 Ästchen gegen den Hinterrand. Der Sector radii entspringt in typischer Form vor der Mügel mitte und bildet 4 Zweige. Die Medialis zerfällt gleichfalls schon vor der Flügelmitte in zwei gleiche ge- gabelte Äste, deren letzte schon im Ilinterrande münden. Der Cubitus sendet 4 schiefe Äste gegen den Hinterrand. Das Analfeld ist schlank und erreicht fast die halbe l-lügellänge; es wird durch eine schwach gebogene Ader be- grenzt und enthält einige (etwa 5) zum Teil verzweigte in den Hinterrand ein- mündende Adern. Das Zwischengeädcr ist unregclmässig und stellenweise netzartig. Der Costalrand stark gebogen und das Costalfcld breit. Flügel 2^/3 mal so lang als breit. Schild des Prothorax verhältnismässig klein, fast halbkreisförmig. Hinter- leib ziemlich schlank. Palaeoblatta paucinervis Scudder. ( Faf Will, Fig. 50 ) I'undort: Mazon Creek, near Morris, Illin., N. .\mer. Pennsylvanian, Kittaning? (Allegheny)stage. Mittl. Obercarbon. Arclüinylacris paucinervis, Scudder, Mem. Bost. Soc. IV. 441. t. 31. f. 5. 1 S<)0. Länge der Vordcrflügel 30 mm. Carbonische Formation. jgß Genus: Aphthoroblattina m. Der vorhergehenden Gattung ähnlich , aber durch etwas reichere Ver- zweigung der Adern, schmälere